Thema: Pegida

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15.100 Pegida-Anhänger folgen Ruf in die Flutrinne

Der Konflikt um die Teilnehmerzahlen bleibt heute aus. Rechtsanwalt Jens Lorek, der für Pegida die Teilnehmer zählt, sagt im Gespräch „15.100. Gezählt mit Strichlisten an den zwei Einlasstoren“. Weniger können es nach seiner Überzeugung auf keinen Fall gewesen sein. Die Polizei nennt keine Zahlen, weil es sich „um eine Versammlung im geschlossenen Raum“ handelt. Da sei man nicht gehalten, die Teilnehmer zu zählen, sagt ein Polizeisprecher auf Nachfrage. So bleibt die Lorek-Zahl die einzige zitierfähige Angabe und sie liegt deutlich unter den 30.000 angemeldeten Teilnehmern. Pegida-Chef Lutz Bachmann nennt zum Abschluss der heutigen Kundgebung in der Flutrinne im Gegensatz zu sonstigen Montagen keine Zahl.

Wilders lehnt Kriegsflüchtlinge ab

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Geert Wilders redete 25 Minuten und verschwand wieder mit Polizeikonvoi. Foto: W. Schenk

Immerhin sind mehrere tausend Menschen in die  Flutrinne gekommen, um einem ausgewiesenen Rechtspopulisten und Islamhasser wie Geert Wilders zuzuhören und zuzujubeln. „Verlasst den Islam und wählt die Freiheit“, forderte Wilders die Muslime auf. Die meisten Terroristen seien Muslime, fügt er hinzu. Die geltende Asylpolitik kritisierte Wilders mit Aussagen wie „wir sollten den Schengenraum verlassen und wieder Grenzkontrollen einführen“ und erntete lautstarke Zustimmung. Während Bachmann auf früheren Kundgebungen für eine Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus Syrien plädierte, rief Wilders, diese Flüchtlinge sollten zwar in Sicherheit gebracht werden, aber nicht nach Europa kommen. „Es reicht“ rief er und fand auch hier große Zustimmung.

Auch wenn sich Wilders von sonst für ihn charakteristischen schärferen Angriffen auf den Islam zurückhielt, bestätigte seine Rede die Wertung, die Politikwissenschaftler Steven Schäller im Interview mit menschen-in-dresden.de gegeben hatte. „Der Ton in der Zuwanderungsdebatte, vor allem bei der Zuwanderung von Migranten muslimischen Glaubens, wird jetzt noch einmal erheblich verschärft“, hatte Schäller die Einladung von Wilders durch Pegida kommentiert.

Früher gab es wenigstens Bockwurst am 1. Mai

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Aufgeregt im Backstage-Bereich:Pegida-Cehf Lutz Bachmann im Anzug mit Krawatte statt dickem Pullover. Foto: W. Schenk

Wilders war gegen 18 Uhr in einem Polizeikonvoi eingetroffen und fast umgehend auf die Bühne getreten. Die Veranstaltung begann wegen der verspäteten Anreise von Wilders mit einer Verzögerung von 45 Minuten. Bachmann hatte dies mit Tausenden Pegida-Anhängern begründet, die noch unterwegs seien. Zu diesem Zeitpunkt war der Zustrom jedoch schon deutlich abgeebbt und kurz danach ganz versiegt. Die Teilnehmer vertrieben sich die Zeit mit dem Austausch von Wahrheiten, Halbwahrheiten und Alltagsklatsch oder  begrüßten alte Bekannte. Ein Rentner erzählte lautstark, dass Stanislaw Tillich schon zu DDR-Zeiten die SED-Parteischule in Potsdam besucht hätte. Da hatte der Senior mal schnell aus der CDU-Parteischule eine der SED gemacht. Ein anderer beklagte die mangelnde Versorgung auf der Demo und meinte: „Also zum 1. Mai früher gabs früher wenigstens Bockwurst“. Statt Bockwurst konnten die Pegida-Anhänger Tassen und T-Shirts erwerben. Der Verein begann damit die Finanzierungskampagne für die OB-Wahl und die Unterstützung von Tatjana Festerling.

Bachmann: Berichterstattung interessiert uns „einen lauen Furz“

Diese bedankte sich für 240 Unterstützerunterschriften in einer Rekordzeit von nicht einmal sechs Stunden. Nachdem sich die OB-Kandidaten Markus Ulbig (CDU), Dirk Hilbert (unabhängig, aber von FDP unterstützt) und Eva-Maria Stange (unabhängig, aber von Linke, Grünen und SPD unterstützt) heute von Pegida und dem Wilders-Auftritt klar distanziert hatten, verortete Festerling alle im gleichen Lager und sich selbst als einzige patriotische Kraft im konservativen Lager. Als weiterer Redner sprach Götz Kubitschek von „politischer Morgenröte und der Lust zornig zu sein“. Den Pegida-Anhängern rief er zu „ihr seid der mutige Kern unseres Volkes“ und knüpfte da an eine Passage von Wilders an, der eine neue Wende gefordert hatte.

Bachmann hatte zum Auftakt in seiner Begrüßung die übliche Medienschelte verteilt. Er zeigte sich gut über die Berichterstattung im Vorfeld informiert, um dann zu sagen „die Berichterstattung interessiert uns einen lauen Furz“. Die Wind in der Flutrinne wehte heute zeitweise recht scharf, bei etwa 9 Grad.

Sternlauf und Gegendemonstrationen unter dem Motto „Vielfalt vor Einfalt“