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Albertinum: Aus „meet new friends“ wurde neue Freunde getroffen

Es hat funktioniert. Das Atrium des Albertinums hat sich heute nachmittag in eine riesengroße Kennenlernbörse verwandelt. Das Interesse bei Flüchtlingen, Asylbewerbern und den Dresdnern war so groß, dass etliche zunächst draußen warten mussten. Drinnen herrschte ein buntes und lautes Sprachgewirr. Wer Hilfe bei der Verständigung brauchte, konnte sich an die vielen – mit ihren gelben T-Shirts deutlich sichtbaren – Dolmetscher wenden.

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Rolf und Monika Schütz haben sich mit Familie Mohamadi verabredet: Zoo und Semperoper stehen auf dem Programm. Foto: W, Schenk

Das Schild auf der Brust verriet, für welche Sprachen die meist jungen Leute übersetzen konnten. Hatten sich sogenannten Tandems aus Dresdnern und Asylsuchenden gefunden, konnten Gutscheine für den Besuch verschiedener Einrichtungen erworben werden. Die Liste der Sponsoren war lang. Allein der Zoo verteilte rund 150 Eintrittskarten. Am Stand von Dynamo Dresden achtete Manuel genau darauf, dass die Freikarten auch wirklich an deutsch-syrische, deutsch-afghanische oder deutsch-eritreische oder andere Tandems gingen. „Die Nachfrage war groß, viele wollten einfach so die Tickets haben“, meinte er.

Rolf und Monika Schütz haben sich mit der Familie Mohamadi aus Afghanistan zu einem Familien-Tandem gefunden. „Wir wollen zusammen in den Zoo gehen und in der Semperoper die Generalprobe für ein Symphoniekonzert besuchen“, sagt Monika Schütz und zeigt die Tickets. Ohne Dolmetscher wäre der Kontakt nicht zustande gekommen. In den Zoo und die Semperoper werden sie ohne Dolmetscher  gehen. „Da müssen Hände und Füße ran“, sagt Rolf Schütz. Und ein wenig englisch würde die Familie auch verstehen. Das Ehepaar Mohamadi hat noch die Mutter dabei und vom Mann die kleine Schwester. Sie sind erst seit zwei Monaten hier und nun gespannt auf Zoo und Oper. „Sehr gut“, sagt Familienvater Mohamadi auf die Frage, wie er die „meet new friends“ findet. Man sieht ihm an, dass er gern noch etwas mehr gesagt hätte.

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Quirina Roode-Gutzmer (am hinteren Brett) hat fünf Schachbretter mitgebracht und sorgte für Begegnungen der Denker. Foto: W. Schenk

Mitten im Getümmel steht Politikwissenschaftler Hans Vorländer. „Wir überlegen, wie wir die studierten Flüchtlinge aus den verschiedenen Fachrichtungen besser erreichen können“, sagt er. Eine Idee wäre eine Flüchtlings-Universität. Er ist sicher, dass bis zum Sommer ein dafür passendes Format gefunden ist.

Quirina Roode-Gutzmer kommt aus Südafrika und arbeitet jetzt am Institut für Materialwissenschaften an der TU Dresden. Sie hat fünf Schachbretter mitgebracht und schnell sitzen sich an den Brettern internationale Paaru ngen gegenüber. Die Wissenschaftlerin hat sich auch beim Turnier „Schach ohne Grenzen“ in Pirna engagiert. Alhasam Mufleh aus Syrien ist dort Dritter geworden. Heute spielte er mit Adman Maldini, einem deutlich älteren Landsmann, der erst seit September 2015 in Deutschland ist.

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Mit „arabischem“ Gesang eroberte Anna Mateur die Herzen der Gäste – und auch die Beine – sie tanzten fast von allein. Foto: W. Schenk

Nicht alle Asylbewerber fanden heute einen Tandempartner aus Dresden. Nicht alle Dresdner gingen mit der Telefonnummer oder einer Verabredung wieder nach Hause. Enttäuscht waren dennoch die wenigsten. Es herrschte eine fröhliche Stimmung, für die vor allem die Musiker auf der Bühne sorgten. Ein Highlight war ohne Zweifel der Auftritt von Anna Mateur. Sie forderte diejenigen auf die Bühne, die nur arabisch, aber kein deutsch können. Sie sollten „so tun als ob“ sie deutsch sprechen. Begeistert reagierte das Publikum dann auf den „arabischsprachigen“ Gesang von Anna Mateur. Melodie, Instrumente, Gesang und die Aussprache perfekt – aber arabisch? Er wurde getanzt und geklatscht.

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Beste Stimmung im Albertinum. Foto: W. Schenk

Das andere Stimmungshighlight war Banda Internationale mit syrischem Sänger. Die Integration von Instrumenten und Musikern aus dem arabischen Raum hat sich als echter Volltreffer erwiesen.

Im Getümmel trifft man immer wieder Elisabeth Ehninger, Vereinschefin von „Dresden-Place to be“ und Albertinum-Hausherrin Hilke Wagner. „Man muss eigentlich nichts sagen, nur schauen“, meint die Organisatorin von „meet new friends“. Die ersten 160 Flüchtlinge seien schon anderthalb Stunden vor der Eröffnung eingetroffen. Das Echo sei einfach überwältigend.

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