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PEgida am Königsufer – Gegendemos am Terrasserufer, auf dem Theaterplatz, dem Schlesischen Platz, am Hauptbahnhof und weiteren Orten. Karte: afeefa.de

#dd0602: Breiter Aufruf zu gewaltfreien Demos am Sonnabend in Dresden

Die Polizei rechnet am Sonnabend mit etwa 15.000 Pegida-Anhängern und insgesamt 10.000 Gegendemonstranten. Die Pegida-Anhänger werden aus allen Richtungen zu ihrem Versammlungsort am Königsufer anreisen, erklärte heute Polizeipräsident Dieter Kroll. Dort soll die Dresdner Kundgebung des europaweiten Aktionstages für eine „Festung Europa“ stattfinden. Pegida plant Zuschaltungen von Demos aus anderen Städten Europas.

Der größte Teil der Gegendemonstranten werde auf dem Theaterplatz und am Terrassenufer erwartet, sagte Kroll. Dort haben das Aktionsbündnis Herz statt Hetze und die Gewerkschaften DGB und GEW Veranstaltungen angemeldet. Am Terrassenufer soll eine 10 mal 2,5 Meter große und klare Botschaft für ein weltoffenes Dresden in Richtung Pegida am Königsufer ausgerollt werden, kündigten die Organisatoren an.

Zum Thema:
>> Karte mit Demonstrationsorten und Routen

>> Kontakttelefon Polizei:  0351 483-3000
Freitag: 12.00 bis 18.00 Uhr
Sonnabend: 10.00 bis 20.00 Uhr

Dass „Bündnis für grenzenlose Solidarität“ hat in mehreren Ländern zu Aktionen gegen eine „Festung Europa“ – das ist die Pegida-Losung – aufgerufen. So soll es Veranstaltungen in Indomeni an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland, in Prag, Amsterdam, Kopenhagen, Graz und Warschau geben. In Dresden wird das Bündnis vom Hauptbahnhof über die Könneritzstraße bis zum Alaunpark demonstrieren. Das Bündnis sieht sich selbst als antiautoritär und antikapitalistisch, spricht sich für globale Bewegungsfreiheit als Menschenrecht aus, kritisiert die Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern und setzt sich für sichere Fluchtrouten ein.

Polizeiplakat 0602

Die Polizei ist mit einem eigenen Plakat (hier ein Ausschnitt) unterwegs. Quelle: PD Dresden

„Mit den verschiedenen Demonstrationsangeboten wollen wir allen Dresdnern die Möglichkeit geben, sich den Protesten gegen die fremdenfeindliche Hetze von Pegida anzuschließen“, sagte heute Rita Kunert von Herz statt Hetze bei der Vorstellung des Demonstrationsprogramms. Den Theaterplatz sieht sie dabei als Treffpunkt der Dresdner politischen Mitte. Dort werden unter anderem SPD-Landeschef Martin Dulig, Linke-Bundeschefin Katja Kipping und Monika Lazar, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Leipzig reden.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will sich am Sonnabend an mehreren Veranstaltungen beteiligen, wie genau, darüber will er morgen informieren. Er rief dazu auf, der Gewalt keinen Platz zu geben, weder am Sonnabend, noch an jedem anderen Tag. „Wer Gewalt ausübt oder zur Gewalt aufruft, Autos anzündet, Polizisten als Zielscheibe betrachtet, Flüchtlingsunterkünfte attackiert oder Fremde beleidigt und angreift – positioniert sich außerhalb unseres demokratischen Rechtsstaates und kann dieses Handeln mit keiner Weltanschauung rechtfertigen“, erklärte Hilbert.

Auch die Kirchen und Polizeipräsident Kroll appellierten an die Demonstranten, gewaltfrei und friedlich zu bleiben. „Ich meine Links- und Rechtsextremisten, die in ihren Gewaltphantasien die tausenden friedlichen Versammlungsteilnehmer ‚als Deckmasse‘ ins Kalkül ziehen“, präzisierte Kroll seinen Aufruf. Alle Beteiligten sollten sich darüber im Klaren sein, wie „fragil die Sicherheitslage am Sonnabend ist“, so Kroll. „Solche, sich in ihren Meinungen gegensätzlich und scheinbar unversöhnlich gegenüberstehende Menschenmassen, ihre Bewegungen und Laufwege durch die Stadt sind nicht getrennt zu kanalisieren. Sie sind auch durch Polizeiketten und Gitter nicht zu beherrschen“, erklärte der Polizeipräsident. Das sei keine Bankrotterklärung der Polizei, „sondern der unverzichtbare Hinweis darauf, dass der Rechtsstaat und seine Gesetze auf freie, mündige und verantwortlich handelnde Bürger setzen. Nur dann funktioniert`s“, sagte Kroll.

Neben den klassischen politischen Aufrufen fanden die Musiker der Gruppe Banda Internationale deftigere Worte. „Liebe Sächsinnen, liebe Sachsen…Arsch hoch!“, heißt es in dem Appell auf ihrer Facebook-Seite. Die Musiker werden auf dem Theaterplatz zu hören sein und wundern sich sehr, „wie lange der selbstzufriedene Dresdner noch der rassistischen Mutation dieser Stadt zusehen will“. Dass Pegida von Dresden aus europaweit mobilisiere, sei „verdammt unheimlich und gefährlich“. Dagegen wollen sich die Musiker mit „Blech und Fell“ wehren und hoffen auf viele Mitstreiter.

 

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