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Immer wieder montags … Foto: W. Schenk

Der Montag bleibt erst mal, was er ist – Ansichten von @wins

Montag ist ein Scheißtag. Das war nicht immer so. Früher war Montag der Sporttag – am Abend. Zwei Stunden intensives Spieltraining, laufen, schwitzen und nach dem vielen Wasser ein Bier. Danach ging man ausgepowert und mit sich zufrieden ins Bett und sank in einen traumlosen Schlaf. Seit mehr als einem Jahr bin ich am Montag Abend an der frischen Luft. Für körperliche Anstrengung ist dennoch keine Gelegenheit. Für geistige auch nicht. Notizen machen, Fotos schießen, nach Hause fahren, Text über die nächste Pegida-Demo schreiben.

Am Wochenende sollte ein neuer Pegida-Text entstehen. In ausgewählten Sätzen aus den Reden von Tatjana Festerling und Lutz Bachmann wollte ich die Worte Asylschmarotzer, Wirtschaftsflüchtling, alleinstehende Männer oder Gebärmaschinen (es hätten sich auch noch mehr gefunden) austauschen und durch Rollstuhlfahrer, Förderschüler oder Rentner (auch hier hätten sich noch mehr gefunden) ersetzen und testen, ob das dann etwa behindertenfeindliche oder seniorenfeindlichen Aussagen werden. Weil – ausländerfeindlich sollen sie ja nach Überzeugung der Pegida-Redner und Pegida-Jubler nicht sein.

Doch dann sah ich die Videos aus Clausnitz, las die Kommentare bei Facebook, hörte die Berichte aus Bautzen und mir war klar: Mit Menschen, die so etwas tun, kann man nicht argumentieren. Das hat überhaupt keinen Sinn. Ist vertane Zeit. Und prompt folgte dann am Montag noch das Clausnitz-Echo aus Dresden. Prima gemacht, freie Meinungsäußerung, und die Polizei sowieso. Vorgetragen in den gewohnten Sprachbildern der Frau F.

Die hasstriefenden Phrasen kriegt man nicht so schnell aus dem Kopf. Von schlafen kann keine Rede sein. Die Phantasie macht sich selbständig und sieht, wie ein Airbus hunderte alleinstehende deutsche Männer jeden Alters auf dem Flughafen in Bangkok ausspuckt. An der Gangway ertönt aus tausenden erbosten Kehlen des Pegida-Ablegers Thaigida der Sprechchor „Kastrieren, Kastrieren.“

Und dann stelle ich mir die neue  Tonlage der Sprechchöre auf dem Theaterplatz vor. Jetzt komme ich vor Lachen nicht in den Schlaf. Ich greife zum Buch und gebe meinem Geist noch ein bisschen Arbeit. Bald wird es wärmer. Dann ist Dienstag der Sporttag, und der Montag bleibt erstmal, was er ist.

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