Dresden geht aus
Ab 18. Januar heißt es jeden Montag: Dresden geht aus. Quelle: Citymanagement

Dresden geht aus: Händler, Kultur und Gastronomen wollen jeden Montag Altstadt beleben

Die Dresdner Innenstadt soll sich jeden Montag wieder mit Einkaufslustigen, Kneipenhungrigen oder Kulturbegeisterten füllen. Händler, Gastronomen und Kulturmanager haben dafür jetzt unter dem Slogan „Dresden geht aus“ eine Marketingkampagne gestartet. Jürgen Wolf, Geschäftsführer des City Management Vereins, koordiniert die Aktion.

Wir wollen die Dresdner mit „speziellen Angeboten und einmaligen Kulturerlebnisse immer montags in der Zeit zwischen 17 und 20 Uhr in die Innenstadt locken“, sagt Wolf. So würden zum Beispiel C&A, die Centrum-Galerie, die Altmarkt-Galerie, Prisco oder SinnLefers zum Start verschiedene Gutschein-Aktionen anbieten. Im Restaurant „Alte Meister“ lädt eine lange Tafel die Gäste zum Reden und Essen ein. Mit etwas Glück, so heißt es in der Ankündigung, kämen auch Künstler der Semperoper vorbei. Auch Tapas Barcelona und Mamma Mia machen mit.

wolf jürgen

Citymanager Jürgen Wolf: Wir planen spezielle Angebote und einmalige Kulturerlebnisse. Foto: W. Schenk

Im Hygiene-Museum ist zwischen 17 und 20 Uhr der Eintritt in die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ frei. Stadtrundfahrten gibt es zum halben Preis und in der Herkuleskeule wird vor der Vorstellung ein Glas Sekt gratis serviert. Einzige Bedingung: der Gast muss sich mit dem Stichwort „Dresden geht aus“ melden.

Auch das Verkehrsmuseum plant verschiedene Aktionen. Die aktuellen Montags-Events sollen auf der extra eingerichteten Website  angekündigt werden. Aber auch mit Flyern und Postern werde geworben. Die beteiligten Händler spenden in einen großen Topf, die Vermarkter kooperieren mit Rabatten.

Das soll keine politische Aktion sein, erklärt Wolf und fügt hinzu: „Wir machen ganz gezielte Verkaufsförderung“. Dennoch ist der Hintergrund klar. Schon lange klagen Händler, Gastronomen und Hoteliers über die Folgen der Montags-Demos des Pegida-Vereins. Über Umsatzrückgänge bis zu 20 Prozent hätten viele Betroffene berichtet, sagt Wolf.

 Claudia Greifenhahn

Claudia Greifenhahn, Chefin vom Ladencafé aha sieht die Aktion eher skeptisch.

Er habe diese Klagen auch oft gehört und sich gewundert, warum die Innenstadt so lange still halte, erzählt Heiko Liepach-Arlt. Der Modehändler auf der Königsstraße in der Neustadt gilt als der Ideengeber für die Aktion. „Die Dresdner sind keine Straßenkämpfer“, meint Liepach-Arlt. „Darum brauchen wir schöne und fröhliche Aktionen, um sie in die Stadt zu locken“, fügt er hinzu. Im  November habe er mit Jürgen Wolf über die Idee „Dresden geht aus“ gesprochen. Die Reaktion erfolgte prompt. Nur sechs Wochen später wird nun die Aktion starten. „Wir werden einen langen Atem brauchen“, ist sich Wolf sicher. Es habe auch verhaltene Reaktionen unter den Händlern gegeben. Andere warten erst einmal ab.

Claudia Greifenhahn ist aus anderen Gründen skeptisch. „Die Leute kommen am Montag nicht in die Stadt, weil die Parkplätze blockiert sind und die Straßenbahnen nicht fahren“, sagt die Geschäftsführerin des Ladencafés aha. Greifenhahn hatte sich im Dezember mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gewandt. Sie wollte nicht hinnehmen, dass einmal in der Woche das Zentrum lahm gelegt wird und hatte Hilbert gebeten, die Pegida-Demos „nicht zu verbieten, aber umzulenken“. „Was hier montags zu hören ist, ist Volksverhetzung, ist rüde und grob“, sagt Greifenhahn. Eine Antwort habe sie von Hilbert nicht bekommen. Bei der Dialogveranstaltung in der Kreuzkirche habe Hilbert aber deutlich erklärt, dass er nichts unternehmen wird, was sich gegen das Grundgesetz und die Meinungs- und Versammlungsfreiheit richtet. „Das war für mich Antwort genug“, erklärte Greifenhahn. Per Mail, über Facebook und sogar per Post habe sie mehr als tausend verschiedene Reaktionen erhalten. Viele davon hätten ihre Zweifel bekräftigt, dass Verkaufsförderung der richtige Weg sei, um die Stadt am Montag wieder voll zu bekommen. Aber, meint sie, „ich will mich nicht verschließen“. Besser wäre es aber, nach den Ursachen der Flucht von Millionen Menschen zu fragen. Mit diesen Themen würden sich regelmäßig Ausstellungen im Ladencafé beschäftigen.

„Dresden geht aus“ sei ein Format, das nicht ausgrenze, betonte Citymanager Wolf heute. Es solle keine Gegenveranstaltung sein. Und sie ist nicht auf die Altstadt beschränkt. Die Händler im Barockviertel laden in die Passage Königstraße 8 ein.  Livemusik von Mas Que Nada, Drinks und Köstlichkeiten vom Cafe Caféklatsch und Basteln und Schminken für die Kinder. Und natürlich dürfe auch geshoppt werden, betont Heiko Liepach-Arlt. Schließlich sei „Dresden geht aus“ vor allem eine Aktion zur Verkaufsförderung. So könne der Montag in Dresden vielleicht bald einen ganz anderen Ruf bekommen.

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