slackliner 2702 kai

Dresdner Slackliner auf einer Highline über der Prießnitz

„Wir sind hier, weil es Spaß macht“, sagt Daniel. Vor ihm spannt sich ein 60 Meter langes blaues Polyamidband in etwa 30 Metern Höhe über die Prießnitz in der Dresdner Heide in Klotzsche. Zwischen Wasserfall und Andersbrücke führt ein Weg an der Prießnitz entlang. Der Bach führt viel Wasser und lässt ein lautes Rauschen hören. Vielleicht ist das der Grund, warum einige Wanderer die spektakulären Bilder hoch über ihrem Kopf gar nicht entdecken. Sie schauen auf den Weg und nicht nach oben.

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Sicherheit ist enorm wichtig, erläutert Daniel. Und mit der Rolle kommt man im Ernstfall bequem zurück. Foto: W. Schenk

Dort könnten sie den 16-jährigen Slackliner Kai sehen. Fast spielerisch überwindet er die Distanz zwischen den Bäumen, an denen die Seile befestigt sind. Seine Hände sind locker, der ganze Körper ist an der Balance auf dem 25 Millimeter breiten Seil beteiligt, ohne dass es hektisch wirkt. Es ist windig. Dass die Sonne blendet, merkt er nicht.

„Jeder sucht sich einen eigenen Fixpunkt, auf den er beim Slacklinen schaut. Irgendwann ist man wie in einem Tunnel“, kommentiert Daniel das Geschehen vom Rande aus. Er hat die Strecke heute bereits zwei Mal geschafft. „Was Kai jetzt zeigt, ist ein Exposure“, erläutert Daniel kurz danach, als sich Kai auf der Highline quer zum Seil stellt.

Die Slackliner haben Namen für ihre Tricks. Kai zeigt auch, dass er einfach nur mit den Händen auf dem Rücken auf dem Seil stehen und auch ein oder zwei Schritte gehen kann. Der Trick hat keinen Namen, aber zeugt von einem Wahnsinns-Gleichgewichtsgefühl. Immerhin hängt das Seil in der Mitte zwischen vier und sechs Meter durch. Als er sich einmal hinsetzen muss, nutzt er den Schwung des Seils elegant, um wieder aufzustehen. „Unglaublich“, hört man einen Kommentar von einem Spaziergänger, der die drei jungen Leute abseits des Prießnitzgrundweges entdeckt hat und jetzt zuschaut.

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Leine fangen und aus der Hocke wieder aufstehen zeigt Martin. Foto: W, Schenk

Der Dritte im Bund ist heute Martin. Der 29-jährige Maschinenbauingenieur ist seit zwei Jahren dabei und demonstriert, wie die Line fängt, wenn man die Balance nicht mehr halten kann. Ruhig lässt er das Seil auspendeln, und zeigt dann, wie man aus dem Sitz erst in die Hocke und dann wieder in der Stand kommt. Das Fangen der Line ist eine der wichtigsten Übungen, bevor man sich auf eine Highline begibt, erläutert Daniel. Sonst hängt man an der Sicherung etwa einen Meter unter dem Seil. Aber auch dann komme man wieder auf das Seil.

Sicherheit wird beim Highlinen groß geschrieben. Anderthalb Stunden haben Kai und Daniel gebraucht, um die Slackline über der unten fließenden Prießnitz aufzubauen. Die Line selbst ist mit einem 10,5 Millimeter dicken Statikseil gesichert. Beide werden gesondert an den Bäumen befestigt. Sollte eines reißen, hält so das andere. Unter den Seilen sorgt ein extra Baumschutz dafür, dass die Rinde beim Spannen nicht beschädigt wird.

2014 haben die Slackliner in Dresden einen Verein gegründet und inzwischen mehr als 20 Mitglieder. Anfang Februar sind sie mit Gleichgesinnten aus Kassel und Leipzig zum „Turkish Highline Carnival“ gereist. In Geyikbayırı südwestlich von Antalya hatten die Organisatoren des Festivals 22 Highlines von 19 bis 106 Metern Länge vorbereitet. Im Oktober sind sie beim „Leipzig Urban Highline“ auf Seilen balanciert, die zwischen zwei alten Kornspeichern gespannt waren.

Beim Slacklinen lernt man schnell Leute kennen, erzählt Daniel. Das habe ihm geholfen, als er vor einigen Jahren nach Dresden gezogen ist. Der 31-jährige ist promovierter Mathematiker und arbeitet jetzt hier als Softwarearchitekt. „Ich habe Slacklinen zum ersten Mal im Urlaub gesehen und dann einfach damit angefangen“, sagt er. Und wenn irgendwo ein Band hängt, dann geht man einfach hin und macht mit. Die Slackliner seien sehr offen. „Wir üben oft im Alaunpark oder auch im Park am Japanischen Palais“, meint er. Der Sport sei körperlich anstrengend, man brauche gerade beim Highlinen auch eine gewisse Kopffitness, aber wenn man die Strecke geschafft hat, „ist das ein unglaubliches Glücksgefühl“.

 

 

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