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easyclipr: Nur mit der richtigen Geschichte lässt sich die komplizierte Welt erklären

Der blaue Rollstuhlknopf an der Straßenbahntür ist etwas Besonderes. Wird er gedrückt, erhält der Fahrer ein Signal und muss vor dem Schließen der Tür noch einmal extra schauen, ob Rollstuhlfahrer oder Fahrgäste mit Kinderwagen auch wirklich drin oder draußen sind. Außerdem verhindert der blaue Knopf, dass die Tür automatisch schließt. Das wissen viele junge Mütter nicht und haben deshalb oft ein mulmiges Gefühl, wenn sie das erste Mal mit dem Kinderwagen in die Straßenbahn steigen. Um ihre Fahrgästen besser zu informieren, haben die Verkehrsbetriebe ein Erklärvideo produzieren lassen.

„Wir haben eine Geschichte über Alex, sein Baby Lisa und die Freundin Anna geschrieben“, erzählt Arnd Wenzel, Gründer der Firma easyclipr. Mit einfachen Figuren und einer professionellen Erzählstimme erfährt der Zuschauer in drei Minuten, welches Ticket er benötigt, welche Funktion der blaue Knopf hat und wie man Buggy oder Kinderwagen richtig hinstellt. Die Figuren werden mit natürlichen Händen auf dem Display bewegt.

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Die Story entsteht in Teamarbeit : Arnd Wenzel, Anja Stahr, Anja Wenzel und Trudi Wenzel. Foto: W. Schenk

In einer anderen Geschichte erzählt Franz seinem ehemaligen Kollegen Paul, welche Rolle der Umweltschutz im Riesaer Stahlwerk Feralpi spielt. 12.000 Mal wurde das Video angeschaut. Das ist eine geradezu sensationelle Quote für ein so sperriges Thema wie den Nachhaltigkeitsbericht. Das Ansinnen der Feralpi-Manager, auch die kritischen Anwohner in der Stadt zu erreichen, sei voll aufgegangen, meinte Wenzel.

Um ein Thema durch eine Geschichte erzählen zu können, müssen komplizierte Dinge stark vereinfacht werden, erläutert Wenzel. Gemeinsam mit seinen drei Mitarbeiterinnen hat er einen 7-Punkte-Fahrplan entwickelt, mit dem die Geschichte aufgedröselt und wieder zusammengefügt wird. „Einfach drauflos zeichnen geht nicht“, meint Anja Stahr, die bei dem Anfang 2015 gegründeten Unternehmen für die Grafik zuständig ist. Sind die Figuren entworfen, bringt Mediendesignerin Trudi Wenzel sie zum Laufen. Dabei bewegt sie die ganze Figur oder nur einzelne Körperteile wie Arme, Beine oder den Kopf. In einem Storyboard wird dem Kunden die Geschichte mit den handelnden Figuren vorgestellt. Meist stoßen wir auf Zustimmung, meint Wenzel. Einmal musste der Name der Hauptfigur geändert werden. Begründung: So hieß mal einer unserer Chefs. Und bei Feralpi musste es Ohrschützer heißen – und nicht Kopfhörer.

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Arnd Wenzel vor dem SWP-Gebäude. Das Vermieterkonzept und die Konditionen haben ihn überzeugt Foto: W. Schenk

Der Vorteil der grafischen Figuren bestehe darin, dass sie viel Interpretationsraum lassen. Und man kann mit ihnen viel einfacher sehr persönliche oder peinliche Situationen darstellen, erklärt Trudi Wenzel. Es sei aber auch sehr schön, wenn man den Figuren Witz und Charme verleihen könne. „Ich bin übrigens nicht verwandt mit den Wenzels“, fügt sie hinzu und meint den Firmengründer und dessen Frau Anja, die sich bei easyclipr um Öffentlichkeitsarbeit und Marketing kümmert. Ein weiterer großer Vorteil der Arbeit mit grafischen Figuren sei, dass man mit Festpreisen bei der Produktion arbeiten könne, sagt der Chef. Bei Realfilmen gäbe es viel mehr Faktoren, die die Kosten noch nach oben treiben könnten – Schauspieler werden krank, das Wetter spiele nicht mit, zusätzliches Equipment sei nötig. Außerdem brauche man Beleuchter, Kameraleute und jemanden für die Maske.

Zwanzig Arbeitstage veranschlagt Wenzel für einen Film. Dies sei wenig und nur machbar, weil Abläufe standardisiert wurden. Ab 3.900 Euro koste derzeit ein Drei-Minuten-Film in schwarz-weiß, in dem die Figuren verschoben und gelegt werden. Die zusätzliche Animation der Bilder lässt den Preis steigen. Derzeit hat easyclipr dafür zwei weitere Modelle im Portfolio. „Das zentrale Element des Films – die Geschichte – ändert sich dabei nicht“, betont Wenzel. Gute Erfahrungen habe man inzwischen auch mit dem Videomarketing gemacht. Viele Kunden hätten kein Know-How, um das Video bekannt zu machen.

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Erklärvideos für Berufsbilder helfen bei Azubi-Werbung. Quelle: easyclipr

Derzeit arbeitet das kleine Team an der Fertigstellung eines Films für die Firma Uniprox aus Zeulenroda. Der Prothetikexperte will seine Weltneuheit Softskin Air, einen atmungsaktiven Liner für Unterschenkelamputierte, erklären und bekannt machen. Für Kunden im Ausland werde die Geschichte übersetzt. „Dabei und auch für das Sprechen nutzen wir ausschließlich native Speaker“, betont Wenzel. Dafür habe man sich eine gute Kooperation mit Sprechagenturen aufgebaut.

Im April ist easyclipr aus Radebeul in zwei Räume im SWP-Gebäude an der Königsbrücker Straße umgezogen. Nebenan sind weitere Räume leer. Die werden wir sicher bald brauchen, meint Wenzel. Er sucht Konzepter und Grafiker. Das Entwickeln der Geschichten sei der Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs. Diese Erfahrung habe sich eingeprägt.

Wenzel hat mehrere Jahre bei einem bundesweiten Bildungsanbieter gesammelt und dort Projekte für e-Learning und neue Lernmedien entwickelt und betreut. „Gerade bei der Wissensvermittlung ist die Konzeption ungeheuer wichtig“, meint er. Die Erkenntnis, dass Lernvideos nicht nur im Bildungsbereich funktionieren, ließ die Idee für die eigene Firma easyclipr reifen. Um sich auf deren Gründung vorzubereiten, hat der studierte Kommunikationswissenschaftler in ein Masterstudium für Business Administration an der privaten Steinbeis-Hochschule investiert. Das dort aufgebaute Netzwerk helfe jetzt bei der Entwicklung der Firma.

Sprache, Bilder, Animationen oder Geräusche – der Drei-Minuten-Film soll so viele Sinne wie nur möglich erreichen. Das erleichtert die Wahrnehmung. Der Inhalt bleibt besser im Kopf. So ist es auch mit dem blauen Knopf an der Straßenbahntür.

 

 

 

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