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Globus-Planer Enrico Wilde: Kleinflächenkonzept fridel funktioniert nur mit SB-Markt

Die Globus-Gruppe hält an ihren Plänen für einen großen SB-Markt am Alten Leipziger Bahnhof fest. Das vom Konzern entwickelte Konzept für kleine Nahversorgungsmärkte funtioniere nur in Verbindung mit einem großen Standort, erwiderte Enrico Wilde, Bereichsleiter Standortplanung bei Globus, auf neueste Argumente der Ansiedlungsgegner.
Enrico Wilde

Enrico Wilde ist Bereichsleiter Standortplanung bei der Globus-Gruppe. Foto: W. Schenk

„Globus hat Alternativen“, hatte Architekt Jens Heinrich Zander, Mitglied der Allianz für Dresden, erklärt. Dass die Globus-Gruppe auch kleine Nahversorgungsmärkte betreiben könne, zeige der im April 2015 in Saarbrücken eröffnete fridel-Markt. „Dies ist ein Lebensmittelmarkt mit integriertem Restaurant und hat insgesamt 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, wobei die Gaststätte allein 350 Quadratmeter einnimmt“, betonte Zander. Kombiniert mit neuen Wohn-, Geschäfts- und Bürogebäuden ließe sich ein gesundes kleinteiliges Stadtviertel etablieren, welches zudem Vorhandenes wie die Konzert- und Partymeile rund um die Gothaer Straße und die bereits jetzt vorhandene Wohnnutzung in den alten Zollgebäuden wunderbar integrieren könne, sagte Zander.
Es sei richtig, so Globus-Standortplaner Wilde auf Anfrage, dass die Gruppe ständig über neue und zusätzliche Angebote nachdenke. Dies sei mit langen Entwicklungszeiten und erheblichen Investitionen verbunden.
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Das Kleinflächenkonzept fridel markt&restaurant ist in Saarbrücken in die Pilotphase gestartet. Foto: Globus

So sei im Frühjahr 2015 in Saarbrücken das Kleinflächenkonzept  fridel markt&restaurant in seine Pilotphase gestartet.  „Fridel ist in Innenstadtlage der ideale Alltagsbegleiter für berufstätige Menschen. Mit seiner Kombination aus Schauküche, Marktplatz der Frische und Drive Abholstation stehen Schnelligkeit und Frische bei fridel an erster Stelle“, erläutert Wilde das Konzept. Aber, so stellte er gleichzeitig klar, als der „neue Kleine von Globus“ arbeite fridel eng mit dem nahe gelegenen SB-Warenhaus zusammen und beziehe sämtliche Frischwaren von dort.
Als weiteres Übungsfeld nannte Wilde das Online-Angebot Globus-Drive. „Hier können unsere Kunden bequem von zuhause oder unterwegs ihren Einkauf zusammenstellen und diesen an einer Abholstation abholen“, beschreibt Wilde die Idee, die derzeit im Saarland die Testphase durchläuft. Ziel sei es,  passende Angebote für die Kunden und sich verändernde Einkaufsgewohnheiten zu schaffen. Erst wenn diese Konzepte ausgereift seien, könnte man sie auch in Dresden anbieten“, sagte Wilde.
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Gebäude, wie das alte Portal, und Anlage verfallen. Foto: W. Schenk

Der Standort am Alten Leipziger Bahnhof sei – in einiger Entfernung vom Zentrum – unabdingbar als Vollsortimenter mit umfangreicher Eigenproduktion. Globus könne den übermäßig vom Discounter geprägten Dresdner Handel aufwerten und bereichern. „Gleichzeitig spricht die Zentrumsentfernung gegen unsere Kleinflächenkonzept fridel, das für eine Innenstadtlage entwickelt wird“, stellte Wilde klar.
Die Globus-Befürworter argumentieren auch mit den Plänen des Konzern, alte Gebäude und Anlagen denkmalgerecht zu sanieren und die Bahnbögen wieder nutzbar zu machen. Der drohende Verfall, so Architekt Zander, „kann kein Argument für einen Globus-Markt sein“. „Eigentum und Denkmal verpflichten“, sagte Zander. Wenn ein Zerfall drohe, sollte die Stadt den Globus-Konzern endlich auffordern, die Gebäude des Alten Leipziger Bahnhofs einzuhausen, um sie so besser zu sichern. „Wir verstehen nicht, warum die Stadt Dresden hier nicht mehr tut. Sonst ist sie bei Anweisungen zur Sicherung von denkmalgeschützten Gebäuden nicht so zurückhaltend“, kritisierte der Architekt.
Da es zur Ansiedlung von Globus widersprüchliche Beschlüsse gibt, will das Rathaus bei der Überarbeitung des Masterplanes Leipziger Vorstadt zwei Varianten präsentieren – mit und ohne Globus. Das hatte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain im Interview mit dem Onlinejournal menschen-in-dresden.de angekündigt. Auch an seiner persönlichen Haltung ließ er keinen Zweifel. „Ein solch großer Gemischtwarenladen gehört nicht in das Stadtzentrum“, hatte er erklärt. Der Januar-Termin für die Informationsveranstaltung zum Masterplan Leipziger Vorstadt war abgesagt worden. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.
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