Parvez Jahanfathe

Kreative Integration in der alten Feuerwache: Flüchtlinge bauen Raumteilhocker

Parvez Jahanfathe kommt aus dem Iran. Der Sechzigjährige ist gelernter Maler. In der Wagenhalle der ehemaligen Feuerwache Katharinenstraße sind jetzt seine handwerklichen Fähigkeiten bei der Herstellung von Raumteil-Hockern gefragt. Auch andere Bewohner der Asylunterkunft haben sich hier eingefunden und arbeiten unter der Anleitung von Judith Schwarz. Sie ist Innenarchitektin und hat den Raumteil-Hocker entworfen.

judith scholz

Innenarchitektin Judith Scholz hat den Hocker entworfen und das Material vorbereitet. Foto: W. Schenk

Er kann nicht nur als Sitzgelegenheit genutzt werden. Wenn man mehrere Hocker zusammenschraubt, ergeben sie einen Raumteiler. Die junge Frau hat die Hockerteile bereits zugeschnitten mitgebracht. Eine Kreissäge gibt es hier nicht. „Jetzt geht es darum, die Teile noch einmal abzuschleifen. Dann werden sie geleimt, geschraubt und geölt“, erläutert sie die nächsten Schritte. Für zehn Hocker würde das Material zunächst ausreichen.

Die Hocker werden im Übergangswohnheim in der Katharinenstraße dringend als Sitzgelegenheit und Stauraum benötigt. „Zur Zeit wohnen hier 86 Männer aus 15 verschiedenen Ländern“, sagte Leiterin Elvira Ploß. Seit Oktober 2015 werden hier Flüchtlinge untergebracht. Von Beginn an war das Projektteam „K9 – Kreativ – integrativ“ beteiligt. Die Projektschmiede hat hier Gewerbetreibende aus der Dresdner Neustadt, das Netzwerk Bunte Neustadt und lokale Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft zusammengebracht. Ihr Ziel ist es, mit verschiedenen Maßnahmen die Integration der Flüchtlinge zu unterstützen.

Die Holzhocker-Produktion gehört dazu. Die Idee der kreativen Integration hat Judith Scholz sofort überzeugt. „Ich bin dann einfach auf die Leute hier zugegangen und wir sind uns schnell einig geworden“, sagt sie. Wenn es gut läuft, könnten die Hocker auch für andere Unterkünfte hergestellt werden. Gefördert wird das Projekt aus einem Programm, das Integrationsministerin Petra Köpping Ende 2015 aufgelegt hat.

Eine Unterhaltung mit Parvez Jahanfathe auf Englisch oder Deutsch ist noch nicht möglich. Die Hände und die Mimik müssen helfen. Den fertigen Hockern wird man das nicht ansehen. Und dem Mann aus dem Iran sieht man an, dass ihm die Arbeit Spaß macht.

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