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Wartungspause in der Frauenkirche: Die ersten fünf Sitzreihen sind ausgebaut, der Altar ist eingerüstet. Bis Ende der Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Foto: Th. Wolf

Mehr als Großreinemachen – Vierzig Handwerker warten die Frauenkirche

 

Die Bankreihen eins bis fünf sind ausgebaut. Setzen kann sich in dieser Woche ohnehin niemand darauf, denn die Frauenkirche in Dresden bleibt noch bis zum 16. Januar geschlossen. Der Grund: Es wird gereinigt und gewartet, also im Sinne der Wartung technischer Einbauten.

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40.000 Euro investiert die Stiftung Frauenkirche in die Reparaturarbeiten. Foto: Th Wolf

„Die Frauenkirche ist nach dem Kölner Dom die meistbesuchte Kirche in Deutschland“, sagt Pressesprecherin Grit Jandura. „Im vergangenen Jahr waren es zwei Millionen.“ Damit habe man jetzt insgesamt die 20 Millionen-Marke geknackt. Im Frühjahr kämen an manchen Tagen an die 10.000 Leute, an anderen, etwa wenn zu Gottesdiensten und Konzerten, und nicht zur allgemeinen Besichtigung eingeladen werde, seien es auch mal „nur“ um die 2.000 Menschen.

Priorität hat der Substanzerhalt

Klar, dass solche Besuchermengen ihre Spuren hinterlassen. Da schaben sich Mäntel und Taschen an den gekalkten Wänden entlang und nehmen ein paar Pigmente mit. Da trampeln Füße über die Steinplatten, so dass sich die Fugenmasse löst. Da werden die Türen nicht per Klinke geöffnet, sondern per Hand aufgeschoben. Das Ergebnis: Die Farbe wird dünn.

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Die schadhaften Stellen an den Bänken werden ausgebessert, die Bänke werden nachgewachst. Foto: Th. Wolf

Nun müssen die Maler – mit ihnen sind insgesamt um die 40 Handwerker in dieser Woche im Haus – ran und die  vom Handschweiß in Mitleidenschaft gezogene Marmorierung an der Tür mit moderner Ölfarbe erneuern. Die ersten fünf Bankreihen wurden komplett ausgebaut, damit der Fußboden etwas nachgeschliffen, gebeizt und mit Hartwachs neu versiegelt werden kann. Dieses Prozedere funktioniert allerdings nur bei Reihe eins bis fünf, schließlich wurden diese extra so konstruiert, dass man sie abbauen kann – nicht vorrangig wegen der besseren Reinigung, sondern um bei Konzerten Platz für Podeste zu haben. Das Tannenholz des Kirchengestühls selbst bekommt auch eine Verjüngungskur: Schadhafte Stellen werden ausgebessert und mitsamt des Restes nachgewachst. Allerdings: Repariert werde nicht „auf neu“, betont Thomas Gottschlich, Leitender Architekt der Kirchbauverwaltung der Stiftung Frauenkirche Dresden. Ein bisschen Patina müsse bleiben„ die Kirche sei schließlich ein lebendiges Haus. „Priorität hat der Substanzerhalt.“ Grit Jandura nennt das „aktives Warten“. Während es in älteren Kirchen meist darum gehe, Schäden zu beheben, könne man beim Neubau der Frauenkirche präventiv dafür sorgen, dass größere Schäden gar nicht erst entstehen würden.

40.000 Euro für Wartung und Reinigung

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Auch der Marmor muss vom Handschweiss und vom Staub gereinigt werden. Foto: Th. Wolf

So ist beim Altar lediglich Staub – mit bloßem Auge sind die Verdunkelungen an  Weintrauben und Ähren zu erkennen – zu entfernen. Dennoch muss dafür der Restaurator höchstpersönlich ran. Und für ihn wird extra ein Gerüst gebaut. Währenddessen besehen sich Elektriker die Leuchten am Kuppelkranz und tauschen defekte Teile aus.

Die jährliche Wartung hat bereits Tradition und ist mit der zweiten Januarwoche in eine besucherarme Zeit gelegt worden. Das Ganze kostet um die 40.000 Euro – Geld, welches über die Stiftung aufgebracht werden muss. Denn obwohl das Gotteshaus so viele Besucher hat, verzeichnet es kaum Einnahmen. Schließlich sei der Eintritt zum Besuch oder bei Vorträgen frei, begründet Grit Jandura. „Und bei Musikveranstaltungen sind die Tickets meist sehr preiswert.“ Immerhin schreibe man mit den Konzerten eine schwarze Null. „Das ist eine wirkliche Leistung für ein nicht-subventioniertes Haus wie unseres.“ Es gebe Opferstöcke am Ausgang, Stifterbriefe und die Möglichkeit, Sitzplätze oder Steine zu adoptieren. Ein Sitzplatz in der dritten Empore kostet beispielsweise 2.500 Euro, ein Stein in der Unterkirche ab 300 Euro. „Wir sind dankbar für jede Unterstützung“, so Grit Jandura. Schließlich müsse der Unterhalt der Kirche – neben Reinigung und Wartung zählen auch Fernwärme, Strom und Wasser dazu – von jährlich einer halben Million Euro erst einmal erbracht werden.

Service:

>> Ab Freitag, 15. Januar, begrüßt der Kuppelaufstieg wieder die Gäste
>> Am Sonntag, dem 17. Januar, öffnet auch die Kirche wieder zu Gottesdiensten und zur Besichtigung
>> Offene Kirche von 13 bis 16.30 Uhr, um 11 Uhr lädt Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt zum Abendmahlsgottesdienst ein, um 18 Uhr wird ein anglikanischer Gottesdienst in englischer Sprache gefeiert

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