Micha’s Musiktipp: Acht Rundlinge für gute Stimmung bei langen Fahrten

porter gregory

Sommer, Sonne, Autofahrt. Ans Meer oder sonstwohin. Hauptsache weit weg. Da ist es wichtig, bei Laune zu bleiben. Und da Musik immer noch die beste Triebkraft für ein gutes Feeling ist, sollte man die passenden Rundlinge mit dabei haben. Hier einige Tipps für die Fahrt in den Süden, Norden, Osten, Westen.

Gregory Porter: Take me to the Alley

Da darf der unvergleichliche Gregory Porter mit seinem neuen Album „Take me to the Alley“ (Universal) natürlich nicht fehlen. Der alte Brummbär ist mit seiner tiefen, warmen Stimme und der komischen Fellmütze auf dem Kopf (wahrscheinlich nimmt er die nicht mal beim Duschen ab) genau der richtige Begleiter. Zeitlose Songs, die der beeindruckende Jazzsänger da hinbekommen hat. Wahrscheinlich laufen die in 30 Jahren noch. Man muss nur den Opener „Holding on“ anspielen und schon ist man verzaubert und ruft aus: „mehr davon“. Zwölf Songs des amerikanischen Jazzromantikers reichen zumindest, um die erste Stunde der Reise zu überbrücken.

Beth Hart: Better than home

Hart Beth

Beth Hart

Solls danach etwas heftiger werden, sei die aktuelle Scheibe der Rockröhre Beth Hart „Better than home“ (Provogue) empfohlen. Souliger Bluesrock in elf Stücken, mal balladesk, mal intensiv, aber immer berührend. Die Amerikanerin, deren Stimme sehr an Janis Joplin erinnert, räumt mit diesem Album mit ihrer verkorksten Vergangenheit auf und lässt daran teilhaben. Der Kracher „Trouble“ bringt die Autoboxen zum Vibrieren. Nicht anders bei „The Mood that I‘m in“. Ansonsten dominiert die Zurückhaltung, was der Scheibe aber keinesfalls den Reiz nimmt.

Manu Katchè: Unstatic

Manu Katchè

Manu Katchè

Manu Katchè ist ein Star unter den Schlagzeugern dieser Welt. Mit seiner aktuellen CD „Unstatic“ (Anteprima) bringt einen nichts aus der Fassung, auch der Idiot nicht, der einem auf der Stoßstange klebt und die Lichthupe bearbeitet. Gibt man sich diesem herrlichen Soloalbum hin, regt einen nichts mehr auf und die innere Balance stellt sich von selber ein. Der Franzose verarbeitet Jazz, Latin und Funk zu einem herrlich groovenden und perlenden Sound. Nicht von ungefähr ist ein Perfektionist wie Nils Landgren, der Mann mit der roten Posaune, ganz erpicht drauf, bei diesem Schlagzeugperfektionisten mitmachen zu dürfen. Er darf. Und zwar sich ins kollektive Spiel einordnen. Und der Chefrhythmiker lässt allen herrlich lange Leine, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Hat man bei Chefs ja nicht so oft.

Eric Clapton: I still do

Eric Clapton

Eric Clapton

Eric Clapton – ja richtig, da war doch wieder was. 70 ist er geworden, der Gitarrengott und kein bisschen faul. Auf seinem neuen Album „I still do“ (EPC) zupft der Altmeister wie gewohnt lässig seine Fender und huldigt dem Blues. Es ist sein 23. Studioalbum und er muss niemandem mehr etwas beweisen. Dementsprechend entspannt geht er es an. Übrigens: der Produzent Glyn Johns war schon mit an Bord, als das Kultalbum „Slowhand“ entstand. Und das war 1977. Es ist gut, wenn man jemanden hat, auf den man sich verlassen kann. Auch bei diesen elf Songs, die mit dem „Alabama Woman Blues“ keinen besseren Einstieg hätten finden können. Clapton bietet abwechslungsreiches Material, aber ein großer Kracher ist nicht darunter. Das ist auch nicht nötig, denn der Meister hat gezeigt, dass man auch mit 70 noch Topleistung bringen kann. Und für die Urlaubsfahrt ist so eine Scheibe die reinste Nervennahrung.

Matt Andersen: Honest Man

Matt Anderson

Matt Anderson

Nicht anders ist es bei Matt Andersen. Der Kanadier, passender Weise mit Holzfällerfigur und Holzfällerbart, hat aber so gar nichts Holzschnittartiges an sich. Im Gegenteil. Der erste Songs „Break away“ seines aktuellen Silberlings „Honest Man“ (True North Records) kommt so angenehm daher, dass man Lust auf mehr von diesem herrlichen Barden bekommt. Der Bursche mit der warmen und runden Stimme ist hierzulande bislang eher weniger bekannt. Aber spätestens mit dieser CD wird sich das ändern. Die zehn Songs bieten ausnahmslos ein angenehmes Feeling. Der Titelsong stampft so eingängig durch den Player, dass man da nur zu gern die Repeat-Taste drückt. Bei dem herrlichen „Quiet Company“ zirpen die Grillen, bei „Let‘s get back“ pumpen Bass und Schlagzeug und der und Sänger schafft es mit seinem Gesang, dass sich Gänsehaut einstellt. Da denkt man zuweilen, der alte Joe Cocker sei wieder auferstanden. Erst recht bei „Last Surrender“. Unglaublich, diese Ähnlichkeit. Toller Song. Tolle Scheibe.

Klaus Doldinger: Doldinger

Klaus Doldinger

Klaus Doldinger

Klaus Doldinger – noch so ein sensationelles Reptil. 80 ist er im Mai geworden. Deswegen denkt er aber überhaupt nicht daran, sich in die Südkurve der Couch zu legen und nichts zu tun. Im Gegenteil. Der Münchner ist ein Stehaufmännchen. Und wer‘s nicht glaubt, der lege einfach das Album zum 80. mit dem einfachen Titel „Doldinger“ (Warner Music) in den Dreher. Schon wenn man liest, wer da mitgemacht hat – Helge Schneider, Sasha, Max Mutzke, Nils Landgren, Dominic Miller – , weiß man, da ist mal wieder so ein Meilenstein entstanden. Und mit zwei Bands. Den alten Weggefährten Doldingers und mit der Formation, die vornehmlich mit Newcomers der Jazzszene besetzt ist. 14 Stücke haben Platz gefunden. Und der letzte kommt von einem, der bei Doldinger erst das Laufen lernte – Udo Lindenberg. Der saß bei Doldingers Band Passport einst am Schlagzeug. Und hier, hier singt er seinem Meister zum Kehraus auf der CD zum Geburtstag den unverschämt rotzigen Song „Der Greis ist heiß“. Und was macht der damit Angesprochene? Er macht einfach mit und hat Spaß dabei. Doldinger eben.

Brad Mehldau: Blues and Ballads

mehldau brad

mehldau brad

Brad Mehldau, den kann man sich einlegen, wenn man es geschafft hat und mit einem Glas Rosè am Meer sitzt und die Seele baumeln lässt. Dann perlt sein Klavierspiel des neuen Albums „Blues and Ballads“ (Nonesuch) und alle Last fällt von einem ab. Mehldau am Klavier, am Elektrobass Larry Grenadier, am Schlagzeug Jeff Ballard, ein paar wunderbare Arrangements – mehr braucht man nicht für ein gutes Werk und den Seelenfrieden. Hohes Niveau, klare Linien, das Trio harmoniert unglaublich. Ein herrlicher Ausklang eines schönen Abends, diese Scheibe. Urlaub braucht man dazu aber nicht unbedingt.

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