Micha`s Musiktipp: Vier Geschenkideen für die Unentschlossenen

Weihnachtsgeschenke. Oh Mann. Schenken kann richtig anstrengend sein. Man liegt da auch mal schnell daneben. Aber wenn man seinen Lieben eine Freude machen möchte, die von Dauer sein soll, hilft ein Tipp hundertprozentig: Musik. Anbei eine kleine Auswahl an CD-Empfehlungen.

Rolling Stones: Blue & Lonesome

Rolling Stones.

Über die Rolling Stones gibt es nicht viel Neues zu berichten. Sie altern und reifen. Und wenn die Reife mal wieder ihren Tribut fordert, hauen Jagger & Co. mal ganz nebenbei ein neues Album raus. Das aktuelle hat es allerdings in sich: Blues vom Feinsten. Es verwundert kaum, dass Bluesbarden (B.B.King, John Lee Hooker, Muddy Waters) ihre Hochzeit im vorgerückten Alter hatten. Was die können, können die Stones schon lange. Das Ergebnis: rattenscharf.

Zwölf sensationell anmutende Stücke sind es für „Blue & Lonesome“ (Universal) geworden. Blaue Zunge als Qualitätskriterium? Bitte schön. So frisch und lebhaft hat man die Old Boys Jagger, Richards, Watts und Wood nicht erwartet. Übrigens: Slowhand Eric Clapton war gerade im Nachbarstudio  mit seinem eigenen neuen Album beschäftigt und schaute für zwei Songs mal vorbei. Es hat ihm gefallen, was er gehört hat. Und dem kann man nachfühlen. Diese ewig junge Rentnerband legt eine Scheibe vor, die so richtig reinhaut. Gitarren-Soli, Schlagzeuggerumpel und ein Mick Jagger am Mikro und an – man staune – der Mundharmonika, dass einem das Herz aufgeht. Wer hätte das gedacht. Aber merke: aus einem alten Gesangbuch kommen manchmal noch ganz schöne Lieder. Ein Muss für alle Rockfans.

Till Brönner: The good Life

Till Brönner.

Weniger geräuschvoll mag es Till Brönner. Der Stern am deutschen Jazz-Himmel hat mit „The good Life“ (Sony) eine herrlich melancholische Scheibe zur Winterzeit hinbekommen. Das hingeträumte Moment in seinen 13 Songs ist nicht jedermanns Sache. Jazzpuristen heben die Zähne. Aber Brönners warmtönige Songs sind bestens geeignet, sich dem Medium Jazz und seinen vielfach verästelten und verschachtelten Spielarten mit einem gewissen Quantum Leichtigkeit zu nähern. Was auch auf seinen Gesang zutrifft. Chet Baker ist unerreicht, aber Brönner will auch keine Abklatsch produzieren. Seine Stücke eignen sich zum Entschleunigen, zum Nebenbeihören. Nicht nur. Man kann sich gern darin verlieren. Alles Ansichtssache. Hier gibt es eine klare Hörempfehlung. Auch wenn die Jazz-Polizei ungehalten mit dem Säbel rasselt.

Imany: The wrong kind of war

Imany.

Dann wäre da noch diese unglaubliche Stimme. Imany. Eine, wie es heißt, franko-comorische Soulsängerin. Eine „Zauberstimme“ hat man ihr attestiert. Dem ist nichts hinzuzufügen. Diese Alt-Nuance ist so unglaublich reizvoll, dass man die neue Scheibe „The wrong kind of war“ (Caroline) gar nicht wieder aus dem Dreher entlassen möchte. Imany versteht es, mit ihrer Stimme zu entführen. In eine andere Welt. In eine, wie es der Plattentitel schon verheißt, nicht sonderlich schöne. Die CD überzeugt mit einem gleichbleibend hohen Niveau durch alle 14 Songs. Eine Stimme, die Gänsehaut erzeugt. Anspieltipp: „You don‘t belong to me“. Reinhören und sich fesseln lassen. Alles eins. Unglaublich.

Curtis Stigers: One more for the Road

Curtis Stigers.

Der alte Curtis Stigers. Mr. Longhair aus der Pop-Welt ist nicht mehr. 2000 hat er den Cut vollzogen. Haare ab, Stil gewechselt. Stigers entdeckte den Jazz für sich. Und daran hat er gut getan. Denn seither hat der 51-Jährige Ami richtig gute Erfolge auf der Habenseite verbucht. Die könnte nun mit dem Live-Album „One more for the Road“ (Concord) einen weiteren Pluspunkt verzeichnen. Stigers hat mit der Danish Radio Big Band eine Platte in den Ring geworfen, die sich dem großen Frank Sinatra zuwendet. Man muss nicht klingen, wie Frankyboy, man kann auch etwas Eigenes beisteuern. Das versucht Stigers und das gelingt ihm. Zehn Sinatra-Hits, allesamt gelungen. Wer es entspannt unter der Jubeltanne mag, der ist damit richtig beraten.

Frohes Fest!

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