ASB Dresden 0601 Vize Wendel
Altenpfleger Rico Wendel kümmert sich um die 89-jährige Erika Vize. In der Einrichrtung „Am Gorbitzer Hang“ betreut der ASB 243 Pfelgebedürftige. Foto: W. Schenk

Neues Pflegegesetz: Dresden braucht bis zu 600 neue Pflegekräfte

Das seit Januar geltende Zweite Pflegestärkungsgesetz stellt die Träger der Pflege vor umfangreiche Herausforderungen. Allein in Dresden arbeiten fast 6.000 Beschäftigte in der Pflege, in ganz Sachsen 57.400. Ein Großteil muss sich auf neue Arbeitsabläufe vorbereiten und Schulungen für die veränderte Dokumentation der Leistungen besuchen. Ein Jahr haben die Träger der Pflege Zeit, sich auf ein neues Begutachtungsverfahren und die Umstellung auf fünf Pflegegrade statt der bisher drei Pflegstufen vorzubereiten.

Demenzerkrankte werden besser gestellt

ASB Dresden 0601 grundmann sieberth

ASB-Geschäftsführer Ulrich Grundmann und Assistentin Franziska Sieberth bereiten mit einem Projektteam die Umstellungen auf die neuen Pflegeregelungen vor. Foto: W. Schenk

„Das ist ein Kulturwandel“, beschreibt Ulrich Grundmann, Geschäftsführer der ASB Dresden & Kamenz gGmbH, das Ausmaß der anstehenden Änderungen. Die Abrechnung der Pflege im Minutentakt und die Beurteilung nach Defiziten werden der Vergangenheit angehören. „Im Mittelpunkt steht künftig der tatsächliche Unterstützungsbedarf, gemessen am Grad der Selbständigkeit unserer Bewohner in den Pflegeeinrichtungen oder bei der ambulanten Pflege“, meint Grundmann. Das sei vor allem eine gute Nachricht für die Demenzerkrankten. Deren Einschränkungen im Alltag konnten bisher oft nicht berücksichtigt werden. Künftig würden die geistigen und kommunikative Fähigkeiten, der Grad der Selbstversorgung, der Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen oder die Gestaltung des Alltagslebens als Gesamtbild begutachtet. Damit könne der reale Pflegebedarf viel besser abgebildet werden, meint der ASB-Chef.

Personalbedarf steigt um zehn Prozent

ASB Gorbitz 2811 Anbau

Mit dem vor einem Jahr eingeweihten Anbau haben sich die Betreuungsmöglichkeiten im ASB-Heim deutlich verbessert. Foto: W. Schenk

Grundmann rechnet mit einem deutlichen Anstieg des Betreuungsaufwandes in den drei ASB-Pflegeheimen mit insgesamt 363 Plätzen. Der Anteil der stark Pflegebedürftigen werde wachsen. Außerdem stünden den Demenzerkrankten nun Leistungen zu, für die es bisher keine Anerkennung gab. Den zusätzlichen Personalbedarf schätzt er auf etwa zehn Prozent. Das bedeutet für ganz Dresden eine Nachfrage von bis zu 600 neuen Fachkräften. „Die sind nicht da“, meint Grundmann und rechnet damit, dass sich der Abwerbe-Wettbewerb um die Arbeitskräfte unter den Pflege-Trägern weiter verschärft.

Nachwuchs sucht der ASB darum nicht nur auf der Messe Karriere Start im Januar in Dresden sondern auch im Ausland. Gemeinsam mit dem ASB-Landesverband würden derzeit Krankenpfleger in Pécs in Ungarn ausgebildet. Zwei sollen in Dresden zum Einsatz kommen. Auch aus der Partnerschaft des Dresdner ASB mit dem litauischen Samariterbund erhofft er sich Fachkräfte-Nachwuchs für die eigenen Einrichtungen. Aber, so schränkt er ein, „die Anforderungen an die Sprachkenntnisse bei Pflegeberufen sind mit Sprachniveau B 2 sehr hoch“.

Eigenanteil bleibt konstant

Viele Fragen zu den neuen Pflegeregelungen kämen auch von den Heimbewohnern und deren Angehörigen, meint Franziska Sieberth, Assistentin der Geschäftsführung. Wichtig sei, dass für alle, die bereits Pflegeleistungen beziehen, eine Besitzstandsregelung gelte. „Kein bisheriger Bewohner soll ab 2017 schlechter  gestellt sein, weder was die Leistungen betrifft noch die finanzielle Belastung“, beruhigt sie. In der stationären Pflege wird es eine deutliche finanzielle Entlastung für die Betroffenen geben. So werde der Eigenanteil im Demenzfall bei einer Einstufung in die Pflegegrad 3 von bisher 950 Euro auf etwa 200 Euro sinken, rechnet Grundmann vor. Aktualisierung 7. Januar: Die genauen finanziellen Auswirkungen der neuen gesetzlichen Regelungen hängen von einer Reihe von Faktoren ab. Präzise Zahlen können derzeit nicht genannt werden. Auf jeden Fall, so Grundmann, komme der zum Eigenanteil für die Pflege noch der Eigenanteil für Kost, Logis und  Investitionen noch hinzu. Bei einem Wechsel in einen anderen Pflegegrad soll außerdem der Eigenanteil nicht steigen.

Die fast 6.000 in Dresden in der Pflege Beschäftigten arbeiten in 101 ambulanten und 85 stationären Einrichtungen verschiedener Träger.

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