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Quartiersmanager in der Johannstadt: Über kleine Projekte, Transparenz und Bürgerbeteiligung

Seit reichlich vier Monaten sind sie nun in der nördlichen Johannstadt aktiv, die beiden Quartiersmanager Matthias Kunert und Christina Eppers  vom Büro Konawa. Beauftragt wurden sie durch das Stadtplanungsamt im Rahmen des Förderprogramms „Die Soziale Stadt“. „Unsere wichtigste Aufgabe ist, die Akteure und Bewohner des Fördergebietes ‚Nördliche Johannstadt‘ an der Stadtteilentwicklung zu beteiligen, in die im Rahmen des Förderprogramms bis 2020 mehr als elf  Millionen Euro investiert werden sollen“, erläutert Matthias Kunert.

Überblick verschafft – Beirat einberufen

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Der Bönischplatz liegt im Zentrum der nördlichen Johannstadt – seit 2014 gibt es ein Konzept für de Entwicklung des Gebietes. Foto: W. Schenk

Zunächst verschafften sich die zwei Quartiersmanager durch zahlreiche Gespräche mit den Akteuren vor Ort einen Überblick über bereits vorhandene Aktivitäten im Stadtteil, kamen bei einem ersten Stadtteilspaziergang mit einigen Bürgern in Kontakt. Ende Oktober tagte erstmals der Quartiersbeirat, der darüber entscheidet, welche Kleinprojekte mit Mitteln aus dem Verfügungsfonds finanziert werden. Jährlich stehen dafür 20.000 Euro zur Verfügung. Neun Vertreter von Wohnungsunternehmen, Bildungs- und Kultureinrichtungen, sozialen Trägern und dem Ortsamt Altstadt sowie neun Vertreter unterschiedlicher Bewohnergruppen, lokaler Gewerbetreibender und des Ortsbeirats Altstadt begleiten und unterstützen die Arbeit des Quartiersmanagements. Etwa viermal pro Jahr soll der Beirat künftig tagen. Kunert und Eppers vermitteln zwischen den Anwohnern, den lokalen Einrichtungen und Ämtern, stellen Kontakte her und unterstützen Akteure im Fördergebiet dabei, eigene Projekte zur Stadtteilentwicklung zu realisieren.

Die beiden Quartiermanager sind Fachleute. Matthias Kunert ist Diplomgeograph und hat sich intensiv mit dem Wandel zu nachhaltigen und zukunftsfähigen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen beschäftigt. Christina Eppers hat als Diplom-Ingenieurin für Architektur und Stadtplanerin bereits zahlreiche Konzepte für den Umbau vor allem ostdeutscher Städte erarbeitet und begleitet. Es verwundert darum nicht, dass sie bei den Projekten in ihrem neuen Wirkungskreis auf Nachhaltigkeit setzen.

Erste Projekte sind umgesetzt

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Das Lastenfahrrad wurde gemeinsam mit urbanofeel entwickelt und kann ausgeliehen werden. Quelle: qm

Im vergangenen Jahr förderte der Quartiersbeirat neun Kleinprojekte. Darunter waren das JohannStadtRad von „urbanofeel“ sowie ein Projekt der Johannstädter Künstlerin Anke Ewers. Sie baut noch bis Mitte Februar in der 102. Grundschule „Johanna“ gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern den Theaterraum der Schule kreativ um. Das JohannStadtRad ist ein Lastenrad, das Johannstädter Vereine, aber auch Privatpersonen künftig  gegen eine kleine Gebühr ausleihen können. Stationiert wird es im Johannstädter Kulturtreff. Die Ausschilderung des Johannstädter Kulturtreffs wurde zunächst innerhalb des Hauses verbessert, so dass nun die einzelnen Mieter leichter zu finden sind.

Die Idee, Informationstafeln am Bönischplatz anzubringen,  wurde zunächst zurückgestellt, soll aber im Zuge der geplanten Umgestaltung des Bönischplatzes zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen werden. Mitte Dezember vergangenen Jahres trafen sich zahlreiche Akteure zum „Fest des Friedens“ im Kulturtreff. „Rund 300 Gäste haben das Fest besucht, darunter viele Familien. Es ging dabei recht international zu“, erzählt Eppers. Zeitgleich fand in der 101. Oberschule das Johannstädter Fußballturnier statt. Die jungen Leute haben das Turnier eigenständig organisiert, Schulsozialarbeiten haben sie dabei unterstützt. 40 Jugendliche und junge Erwachsene spielten in sechs internationalen Teams gegeneinander. Auch ein Team des Ausländerrates war dabei.

Quartiersmanagement Johannstadt
WER: Christina Eppers, Matthias Kunert
WO: Elisenstraße 35
WANN: Montag 15 – 18 Uhr, Donnerstag 9 – 12 Uhr
TELEFON: 0351-21961804
E-MAIL:  info@qm-johannstadt.de

Mit dem „Urban Screen nördliche Johannstadt“ lief drei Wochen  im Dezember eine weitere besondere Aktion. Die Künstlerinnen Eva Paulitsch und Uta Weyrich sammelten Handyvideos von Jugendlichen aus dem Stadtteil und zeigten deren Lebenswelten als Videoscreening in Endlosschleife auf der Fensterfläche des Johannstädter Bürgerbüros des Landtagsabgeordneten Harald  Baumann-Haske (SPD) in der Pfotenhauerstraße.

Als erstes größeres städtebauliches Projekt im Rahmen der Sozialen Stadt wird gegenwärtig die Neugestaltung der Grünfläche an der Johannstädter Rettungswache vorbereitet. Hierzu fand vergangenen November ein erster Vor-Ort-Termin mit Vertreterinnen aus dem Stadtplanungsamt und dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft statt. Zahlreiche Anwohner nutzten die Möglichkeit, ihre Ideen zur Umgestaltung der Fläche einzubringen. Der Landschaftsarchitekt Henning Seidler vom Dresdner Büro „Evergreen“ stellte seine Planungsentwürfe vor. Ein zweites Treffen mit den Anwohnern soll im Laufe der ersten Jahreshälfte 2016 stattfinden. Dann werden die Planungen vorgezustellt, die am Ende umgesetzt werden.

Weitere Stadtspaziergänge geplant

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Auf Stadtspaziergänge sind ein Mittel, um die Bewohner einzubeziehen, sagt Matthias Kunert. Foto: C. Trache

Für dieses Jahr haben sich die beiden Quartiersmanager einiges vorgenommen. Die Internetplattform, auf der über das Quartiersmanagement in der Johannstadt informiert wird, soll weiter ausgebaut. Sie soll auch dazu dienen, die Arbeit im Quartier transparent zu machen. Neben aktuellen Nachrichten vom Geschehen im Stadtteil findet man auf der Plattform bereits heute eine Übersicht vieler lokaler  Akteure mit ihren Angeboten und Veranstaltungshinweise. Die Mitglieder des Quartiersbeirates werden ebenso vorgestellt wie die geförderten Projekte. „Wir möchten die Plattform weiter verbessern, aber auch gedruckte Informationsmaterialien erstellen, um die Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten im Stadtteil noch besser bekannt zu machen. Neben einem Informationsflyer ist die Erstellung eines Angebots- und Akteurs-Atlas´ geplant“, blickt Kunert voraus.

Außerdem sollen die wichtigsten Informationen auch ins Russische, Persische und Arabische übersetzt werden. Fortführen möchten sie in Kooperation mit verschiedenen Partnern die Stadtteilspaziergänge. Sie sollen auf die verschiedenen Interessensgruppen zugeschnitten werden – zum Beispiel für Senioren, für Jugendlicher oder für Menschen mit Migrationshintergrund. In der Johannstadt leben viele Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion. Auch die Vietnamesen stellen hier eine große Gemeinschaft. Im vergangenen Jahr sind viele Flüchtlinge hinzu gekommen. „Wir sammeln alle Anliegen der Anwohner zur Entwicklung des Fördergebietes und geben sie an die Stadtverwaltung oder andere kompetente Akteure weiter“, erklärt Kunert. Vergangene Woche war Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) während seines Altstadt-Rundgangs im Johannstädter Kulturtreff. Wir haben noch einmal daran erinnert, wie wichtig ein Stadtteilhaus für alle ist, meinten die beiden Quartiersmanager.

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