strassenkreuzer bubble football

Mobile Jugendarbeit: Drei Straßenkreuzer am Dresdner Elbhang unterwegs

Seit Herbst vergangenen Jahres sind im Ortsamt Loschwitz Streetworker unterwegs, erkunden den Sozialraum und kommen mit Jugendlichen ins Gespräch. Michaela Gloger, Stefan Stevens und Andreas Gremm sind die „Straßenkreuzer“. So heißt das Projekt der KulturLeben UG, die eine Tochtergesellschaft der gKJHG Roter Baum ist. Verteilt über das gesamte Stadtgebiet gibt es dreizehn vom Jugendamt geförderte Projekte der mobilen Jugendarbeit von unterschiedlichen Trägern.

Strassenkreuzerprojekt Bautzener Landstrasse

Michaela Gloger und Stefan Stevens am Straßenkreuzer-Büro auf der Bautzener Landstraße. Foto: C. Trache

Die drei SozialarbeiterInnen stellen sich dabei einer besonderen Herausforderung, denn ihr Tätigkeitsradius ist groß. Das Ortsamt Loschwitz ist zusammen mit der Ortschaft Schönfeld/Weißig mit etwa 110 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Dresdner Stadtraum, hat aber gerade einmal 33.000 Einwohner. Es erstreckt sich über die Stadtteile Weißer Hirsch/Bühlau, Loschwitz/Wachwitz, Hosterwitz/Pillnitz, Gönnsdorf/Pappritz, Schönfeld/Schullwitz, Weißig, sowie die Dresdner Heide. Im Vergleich dazu ist Blasewitz mit  14,5 Quadratkilometern eines der kleinsten Ortsämter, hat aber mit knapp 87.000 Einwohnern, die höchste Einwohnerdichte.

Ein Manko in der Elbhangregion ist das Fehlen von Räumen für die Jugendlichen. Es gibt zwar Sportvereine und soziokulturelle Einrichtungen, aber keinen Platz, an dem sich junge Leute ungezwungen treffen können. Und so sucht das Straßenkreuzer-Team noch nach festen Standorten, an denen sie regelmäßig präsent sind.

Dienstags sind sie im Schönfelder Hochland und Weißig unterwegs. „In diesem ländlich geprägten Raum sind die Themen und Probleme zum Teil andere als im städtischen Bereich. Wir versuchen nach und nach herauszufinden, welche Angebote es in den einzelnen Ortschaften bereits gibt und welche Interessen die jungen Menschen vor Ort haben“, erzählt Michaela Gloger. Mobilität ist hier ein wichtiges Thema. Während im städtischen Bereich mit der Straßenbahnlinie 11 nahezu rund um die Uhr eine Anbindung an die Innenstadt besteht, kommt man in den späteren Abendstunden nicht mehr so einfach in die abgelegenen Ortschaften.

strassenkreuzer lebenstraum

Der „Lebens(t)raum“ ist Anfang April das nächste Projekt.

Donnerstags sind die Streetworker am unteren Elbhang, also zwischen Loschwitz, Wachwitz, Pillnitz und Söbringen auf Tour. Auch hier erkunden sie, wo es für die Jugendlichen im öffentlichen Raum Möglichkeiten gibt sich zu treffen. An zentralen Orten, wie  dem Ullersdorfer Platz, aber auch am Körnerplatz oder an der Buswendeschleife in Pillnitz schauen sie regelmäßig zu Fuß, per Fahrrad oder mit ihrem roten Streetwork-Bus vorbei. Am Freitag steht dann der Bereich Weißer Hirsch und Bühlau auf ihrem Programm. Trotz Winter und nasskalten Temperaturen haben die Straßenkreuzer auf ihren Touren durch den Sozialraum erste Kontakte zu Jugendlichen aufgenommen.

„Die Reaktionen auf uns waren ganz unterschiedlich. Einige der Jugendlichen hatten bereits Erfahrung mit Streetwork. Andere waren zunächst skeptisch, ganz nach dem Motto `Wer seid ihr und was wollt ihr von uns?´“, so Stefan Stevens. „Es braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen und den Jugendlichen zu zeigen, dass wir nicht von der Polizei oder ähnlichen Behörden kommen und keinen ordnungspolitischen Auftrag haben, sondern sie bei ihren Anliegen unterstützen möchten“, sagt der Sozialarbeiter. Erste Früchte trägt ihre Arbeit bereits. So kamen  Jugendliche zu ihnen mit dem Anliegen, gemeinsame Aktivitäten mit den jungen Flüchtlingen aus dem nahe gelegenen „Gustavheim“ auf die Beine zu stellen. Andere junge Leute bzw. Initiativen interessieren sich für ähnliche Projekte und würden dafür gern die Räume der „Straßenkreuzer“ nutzen.

„Für die Jugendlichen ist es wichtig, dass es jemanden gibt, der sich dafür interessiert, was sie bewegt“, so Michaela Gloger. Das Team  versteht sich als Vermittler und Koordinator und möchte die bereits vorhandenen Strukturen, Angebote und Akteure bündeln und miteinander vernetzen. „Die Jugendlichen sollen merken, dass wir für sie und mit ihnen zusammenarbeiten.“

Der Team-Flyer.

Der Team-Flyer.

Das Konzept der SozialarbeiterInnen besteht aus einer Kombination von aufsuchender Sozialarbeit sowie offenen Angeboten. Wenn die drei nicht auf den Straßen entlang der Elbhänge unterwegs sind, öffnen sie ihre Räumlichkeiten an der Bautzner Landstraße 128. Aktuell laden sie alle 10- bis 27-Jährigen immer freitags von 16-19 Uhr ein. Dort könne man sich mit Freunden treffen, Tischkicker spielen oder das Internet für eigene Recherchen nutzen. Und die Streetworker haben ein offenes Ohr für die Anliegen und Fragen ihrer Gäste. „Unsere Räume sind noch nicht fertig gestaltet. Wir möchten die Jugendlichen dazu ermuntern sich dabei aktiv einzubringen“, erzählt Stefan Stevens. „Bei uns haben sie die Möglichkeit sich zwanglos treffen zu können, ohne gleich ein Getränk bestellen zu müssen, wie es zum Beispiel in Kneipen üblich ist.“

Für dieses Frühjahr ist unter anderem eine Foto-Challenge geplant. Dabei sind die jungen Leute aufgefordert, ihr Viertel aus ihrer ganz persönlichen Sicht zu zeigen und im Foto festzuhalten, welche Orte und Plätze des Viertels spannend und interessant sind und wo es nicht so toll ist.

Großen Wert legen die Straßenkreuzer darauf, mit den vorhandenen Vereinen und Initiativen zusammenzuarbeiten. So beteiligten sie sich Mitte Februar am Bubble Football, einem Turnier des Kinder- und Jugendhauses PEP in Weißig. Mit zehn jungen Menschen im Alter von zehn bis Mitte zwanzig führen sie in die Sachsenwerk-Arena nach Niedersedlitz. „Es ist zwar ordentlich anstrengend, in eine Plastikblase gehüllt Fußball zu spielen, aber es macht auch jede Menge Spaß“, so der Erfahrungsbericht von Michaela Gloger. Bei den Jugendlichen ist diese Aktion auf jeden Fall sehr gut angekommen. Wiederholung erwünscht.

Gemeinsam mit dem Weißiger Jugendhaus und dem Bühlauer Gemeindepädagogen planen sie bereits das nächste größere Event. Am 2. und 3. April von 12 bis 12 Uhr können alle interessierten Jugendlichen unter dem Motto „Gestalte Deinen Lebens(t)raum“ im Rahmen eines Open Space ihre Gedanken und Ideen sammeln und in Workshops darüber diskutieren, was sie in ihrem Stadtraum gern ändern möchten. Mit Hilfe der SozialarbeiterInnen soll die eine oder andere Idee dann auch umgesetzt werden. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Für 2,50 Euro bzw. fünf Euro erwerben die Teilnehmenden eine Verpflegungs-Flat für Sonnabend bzw. beide Tage. Auch eine Übernachtung ist möglich. Am Sonnabendabend ist die Gruppe „Piano Project“ in einem Konzert zu erleben, Lagerfeuer und gemeinsames Grillen sind ebenfalls geplant.

Zum Thema:

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>> Straßenkreuzer Kontakt: 0157-51 92 90 74

>> Straßenkreuzer stationär: Bautzner Landstraße 128

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