tourismusbilanz 2015
Tourismusbilanz 2015: Auslandswachstum lindert Inlandsverluste. Quelle: Dresden Marketing

Tourismusbilanz 2015: Rückgang um 132.000 Übernachtungen – Hoffnung für 2016

Nach sechs Jahren Wachstum sind die Übernachtungszahlen in Dresden im vergangenen Jahr erstmals wieder gesunken – um insgesamt 3 Prozent. Dennoch waren die Betten in den 182 Beherbergungsbetrieben zum vierten Mal in Folge mehr als vier Millionen Mal belegt. „Wir blicken auf ein ambivalentes Jahr zurück“, sagte Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), zuständig für Kultur und Tourismus. Dresden müsse sich nicht nur gegenüber Touristen, sondern auf allen Handlungsfeldern wie Wirtschaft, Bildung und Kultur als weltoffene Stadt zeigen. Dann würden sich die Menschen hier wieder wohl und sicher fühlen, sagte Klepsch.

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DMG-Chefin Bettina Bunge (l.) und Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) präsentierten die Bilanz. Hotelmanager Marten Schwass kritisierte die Beherbergungssteuer. Foto: W, Schenk

Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing Gesellschaft, bestätigte Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr, das der Rückgang der Übernachtungen aus dem Inland mit dem gesunkenen Ansehen der Stadt verknüpft sei. Dies habe bereits der im Januar vorgestellte Stadtmarken-Monitor gezeigt. „Der Umstand, dass die Pegida-Bewegung unsere Stadt als Bühne für ihre Proteste nutzt, hat unzweifelhaft Sympathien gekostet“, sagte Bunge.

Unterm Strich mussten die Beherbergungsbetriebe einen Rückgang um 132.000 Übernachtungen verkraften. Rettung kam von den Auslandstouristen. Die USA knackte erstmals die Marke von 80.000 Übernachtungen, acht der 15 stärksten Auslandsmärkte wuchsen 2015 weiter. Einen Rekordzuwachs von 89 Prozent verzeichnet die Statistik bei Gästen aus Spanien, die mit 45.205 Übernachtungen von Platz 13 auf Platz 6 vorrückten.

Mit einem Rückgang von 28 Prozent liegt der russische Auslandsmarkt mit Abstand an der Spitze der Verlierer. Kein anderes Land mit rückläufigen Buchungen verzeichnete zweistellige Quoten. Erfolg zeitigt offenbar das Bearbeiten des chinesischen Reisemarktes, meinte Bunge. Dort werbe man zum Beispiel mit dem Slogan „Smart Luxory“ um die besser betuchten Kunden und präsentiere ihnen Uhren aus Glashütte und Produkte aus Meißner Porzellan. Beim Zugpferd Gläserne Manufaktur müsse man künftig wohl auf neue Ideen umsatteln. Eine chinesische Journalistin verwies darauf, dass viele Touristen von Peking nach Prag fliegen würden. Die Rückreise treten sie dann von Berlin aus an. Auf dem Weg von Prag nach Berlin komme man an Dresden nicht vorbei.

Hoffnung auf neue Kulturbauten

Große Hoffnung setzt Bürgermeisterin Klepsch in die Eröffnungen des Kraftwerks Mitte Ende 2016 und des Kulturpalastes mit seinem hochmodernen Konzertsaal im April 2017. „Fünf neuen Bühnen direkt in der Innenstadt – das sind nicht nur kulturpolitische Statements für die Menschen in unserer Stadt, sondern auch großartige neue touristische Angebote für unsere Besucher aus dem In- und Ausland“, sagte sie. Damit würden nur einige hundert Meter zwischen Frauenkirche und Zwinger und den neuen Bühnen von Staatsoperette und theater junge generation liegen, meinte sie.

Dennoch sollen 2016 zunächst andere Events das Wachstum tragen. Neben dem 800-jährigen Jubiläum des Kreuzchores seien dies der Deutsche Posaunentag mit etwa 25.000 erwarteten Gästen, die Musikfestspiele oder das Internationale Dixieland-Festival. Im Oktober sei Dresden drei Tage lang Gastgeber der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit. Etwa 500.000 Gäste würden hier erwartet, kündigte Bunge an.

Kritik an Beherbergungssteuer

Eine Tourismusbilanz ohne den Dauerbrenner Beherbergungsteuer ist nicht denkbar. Marten Schwass, General Manager des Hotels Taschenbergpalais Kempinski, der auch für die Dresdner Hotelallianz spricht, verwies auf die negativen Folgen der Steuer. „Sie ist zu hoch und zu bürokratisch“, sagte er heute. Viele Gäste würden dies bei der Anreise nicht wissen, dann aber umso verärgerter reagieren, so Schwass. „Viele Wiederholer kommen jetzt erst mal nicht wieder“, beschreibt er Gästereaktionen aus seinem Haus.

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