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Theaterplatz als Schauplatz: „Besorgte Eltern“ und „Vielfalt gegen Einfalt“

Eine Demonstration gegen Sexualkundeunterricht in den Schulen – das hat es in Dresden so noch nicht gegeben. Knapp hundert Teilnehmer kamen heute auf dem Theaterplatz zusammen, um gegen „Frühsexualisierung in Kitas, Kindergärten und Schulen“ zu protestieren. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass der Sexualunterricht in den Schulen zu früh beginnt“, sagt der Dresdner Sebastian Werbe, der die Demonstration angemeldet hat. In dem bundesweiten Netzwerk, das Matthias Ebert, einer der Redner auf dem Schlossplatz, im Mai 2013 in Köln gegründet hat, finde er sich mit seinen Forderungen wieder, meint Werbe. Er möchte seine Kinder selbst aufklären und er will dies kindgerecht tun, wenn sie in die Pubertät kommen. Eine Auffassung, die die Befürworter einer aufgeklärten Gesellschaft auf den Plan rief. Etwa 300 Gegendemonstranten hatten sich eingefunden, die die Kundgebung lautstark störten. Sie waren auch gekommen, weil die rechtsextreme NPD ihre Anhänger für die Eltern-Demo mobilisieren wollte.

Sebastian Werbe

Sebastian Werbe hat die Demo der Initiative „Besorgte Eltern“ angemeldet. Foto: W. Schenk

Werbe hatte bereits zu Beginn der Kundgebung darauf hingewiesen, dass Bekundungen von Parteien, egal welcher, nicht erwünscht seien und unterbunden würden. Als Hauptredner hatte die Initiative den Journalisten Jürgen Elsässer eingeladen. Er lobte den „vernünftigen Aufklärungsunterricht“ in den 70er und 80 Jahren in West und Ost und wetterte, das es „heute in der Schule nicht um Aufklärung, sondern um Einübung von Sexualität“ gehe. Das im Grundgesetz verankerte Leitbild von Ehe und Familie finde im Unterricht kaum noch statt, rief er und forderte „mehr Liebeserziehung statt Sexualkunde“. Elsässer ist Chefredakteur des politischen Magazins Compact, in dem nach Ansicht mehrerer Experten rechtspopulistische und verschwörungstheoretische Ideen ihren Platz finden. Das Magazin selbst sieht sich eher als „Mittler zwischen linken und rechten Positionen“.

Die Teilnehmer der von Christopher Street Day (CSD) Dresden und Gerede e.V. organisierten Demonstration hatten sich zunächst auf dem Schlossplatz versammelt. Ihr Motto: Vielfalt statt Einfalt. Mitorganisator Marc Dietzschkau erklärte, „solange schwul noch eines der am häufigsten benutzten Schimpfwörter auf den Schulhöfen ist“, sei Aufklärung notwendig. „Sexuelle Aufklärung in unseren Schulen ist eine Errungenschaft. Sie schützt vor Frendbestimmung und Missbrauch“, sagte Eva Jähnigen, Landtagsabgeordnete und Grünen-Stadtvorsitzende. Wenn Sexualisierung angeprangert gehört, dann nicht in der Schule, sondern in der Werbeindustrie, kritisierte Sarah Buddeberg von den Linken. Der Masse an Sexualwissen, mit dem Kinder schon sehr früh konfrontiert würden, begegne die Schule mit einem pädagogische Angebot, fügte sie hinzu.

Vielfalt statt Einfalt

Teilnehmer der Demo „Vielfalt statt Einfalt“ lieferten Protest auf Sicht- und Hörweite. Foto: W. Schenk

Warum die Kundgebung der Initiative „Besorgte Eltern“ so vehement von den Teilnehmern der Gegendemonstration „Vielfalt statt Einfalt“ gestört wurde, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, dann ist es vor allem das Umfeld, in dem sich die Gegner der „Frühsexualisierung“ bewegen. Zum Expertennetzwerk der Initiative gehört zum Beispiel die Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur, deren Vertreter gegen Homoehe und den Christopher Street Day auftreten und auch schon mal ein Verbot der Jugenzeitschrift Bravo gefordert haben. Als seinen Experten bezeichnet das Netzwerk auch das Quer-Denken TV, ein Sender, der gern Verschwörungsthorien verbreitet. So behauptete die TV-Plattform im Oktober, dass es sich bei der Ebola-Epedemie um vorgetäuschte Panikmache handele. In einem solchen Umfeld wirken die Beteuerungen der politischen Neutralität seitens der Demo-Organisatoren nicht mehr so glaubhaft.

Nach den Reden zog der größte Teil der „Vielfalt statt Einfalt“-Demonstranten auf den Theaterplatz und protestierte lautstark mit Sprechchören, mit Trommeln und Trillerpfeifen. Nachdem einige versuchten, sich in die Demo der „besorgten Eltern“ zu mischen, die Info-Flyer vom Tisch rissen und durch die Gegend warfen, schritt die Polizei ein und trennte beide Gruppen. Den angemeldeten Umzug der Demo der „besorgten Eltern“ durch die Stadt sagte die Polizei aus Sicherheitsgründen ab.

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