Hundert Jahre Salbei-Ernte bei Bombastus in Freital

Auf den Salbeifeldern der Bombastus-Werke in Freital läuft in diesen Wochen die Tee-Ernte – zum 100. Mal in der Firmengeschichte. Der Naturheilmittelhersteller baut die Salbeipflanze seit 1914 auf eigenen Feldern an, im Jahr 1915 wurde erstmals geerntet. Produkte mit Salbei wurden schon seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1904 hergestellt. Damals kaufte man den Salbei in Spanien und England an. Die Idee, eigene Salbeifelder anzulegen, entstand vor allem aus dem Wunsch heraus, von den Lieferungen unabhängig zu werden und die Qualität der Salbeipflanze selbst zu bestimmen. Außerdem verfolgte das Unternehmen die Idee, neben den Blättern auch die Salbeiblüten zu nutzen, inspiriert durch die Aufzeichnungen eines englischen Apothekers über eine besondere Salbeiblüten-Tinktur.

Heute bewirtschaftet Bombastus 40 Hektar Flächen und gilt als Europa größter Anbaubetrieb, der Salbei mehrjährig kultiviert. Der Naturheilmittelhersteller sei weltweit alleiniger Hersteller von Präparaten aus Salbeiwurzel und Salbeiblüte heißt es aus dem Unternehmen. „Unser Geheimnis ist die mehrjährige Nutzung der Salbeipflanze. Wir ernten erst ab dem zweiten Jahr, wenn der Salbei „reif“ ist und sein „Bukett entfaltet“, erklärt die Leiterin des Feldbaus Dorothea Lehmann. „Dieser Duft ist ein Zeichen, ob der Tee maximal ätherische Öle enthält – der Indikator für einen guten Arzneitee und die heilende Wirkung der Salbeipflanze.“

Mit viel Erfahrung bestimmt Roland Lehmann aus der Feldbauabteilung den richtigen Erntezeitpunkt. Foto: Zänker

Mit viel Erfahrung bestimmt Roland Lehmann aus der Feldbauabteilung den richtigen Erntezeitpunkt. Foto: Zänker

Die Teeernte läuft über mehrere Wochen und findet in der Regel dreimal pro Woche statt. Entscheidend für den perfekten Erntezeitpunkt ist eine trockene, möglichst sonnige Witterung. „Salbei ist eine schlaue Pflanze“, erzählt Dorothea Lehmann. „ Das ätherische Öl dient ihr ebenso wie der weiße Flaum auf der Blattoberfläche als Verdunstungsschutz. Das Öl konzentriert sich bei Hitze dort wie ein Schutzschild. Bei feuchtem Wetter fallen die Werte vollkommen anders aus.“ In diesem Jahr hemmten die langen Trockenphasen das Wachstum der Salbeipflanzen. Fielen im Zeitraum Mai bis Juli 2014 über 300 Liter Regen, so waren es im gleichen Zeitraum 2015 gerade mal 93 Liter. Im Ergebnis sind die Pflanzen kleiner, die Reihen lichter, und es muss eine größere Fläche geerntet werden, um die Trockenanlagen gut auszulasten. Dafür braucht man rund 3900 Kilogramm frischen Salbei. Nach der Trocknung reduziert sich das Gewicht auf etwa ein Fünftel. Bei der Ernte der Triebe für die Teeproduktion kommt eine besondere Luftstrom-Technologie zum Einsatz, die man schon bei der Blütenernte beobachten konnte. Die Triebspitzen werden samt Stielen zum Schneidwerk geblasen und nach dem Schnitt mittels Luftstrom durch ein dickes, etwa fünf Meter langes, durchsichtiges Rohr bis auf den Hänger hinter dem Traktor geblasen.

70 Teesorten – lose verpackt

Die Weiterverarbeitung zu Tee findet seit 2006 in einer 600 Quadratmeter großen Halle am Rande der Felder statt. Hier wird der Frischtee unter bestimmten klimatischen Bedingungen getrocknet, anschließend gerebelt und zum Abfüllen ins Stammhaus verladen. Insgesamt sechs Trockner können jeweils etwas mehr als 500 kg Frischtee in einem Arbeitsgang aufnehmen. Ein Trockner verfügt über rund acht Meter lange Förderbänder auf acht Ebenen, die während des Trocknungsprozesses bei Zufuhr von temperierter Luft immer wieder bewegt werden. Nach etwa zwei Tagen wird der Tee für weitere zwei Tage in einer Trockenwanne gelagert und dort weiter belüftet. Im Anschluss wird der Tee gerebelt – ein spezielles Verfahren, bei dem die Stiele der getrockneten Pflanzen schonend entfernt werden. Für die Teeernte, Trocknung und das Rebeln sind neun Mitarbeiter im Einsatz.

Der frische Tee trocknet nach der Ernte in einer großen Wanne. Der technische Vorstand Joachim Günther prüft das Ergebnis. Foto: Zänker

Der frische Tee trocknet nach der Ernte in einer großen Wanne. Der technische Vorstand Joachim Günther prüft das Ergebnis. Foto: Zänker

Jede Charge wird zunächst im Labor geprüft, bevor der Tee entweder in loser Form in aromaschützende Schachteln oder in Filterbeutel abgefüllt wird. Im Jahr 2014 wurden rund 14 Tonnen Salbeitee verkauft. Damit rangiert der Salbeitee bezogen auf den Umsatz nach dem Kamillentee auf Platz zwei in der Tee-Verkaufsliste Insgesamt bieten die Bombastus Werke 70 verschiedene Sorten an lose verpacktem Tee an und ist hier der Marktführer in Deutschland. Verkauft wird der Salbeitee über das Netz der deutschen Apotheken. Auch im Export ist er gefragt, beispielsweise in Österreich, Taiwan und Luxemburg. Der überwiegende Teil der Salbeipflanzen wird für die Herstellung von Tee genutzt. Darüber hinaus verwendet Bombastus den Salbei für Salben, Mundwasser oder Zahncreme.

 

 

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