treberhilfe Lernen in der KLUB

Treberhilfe Dresden: Finanzierung für Straßenschule bis 2018 gesichert

Das Aus der drei Jahren vom Verein Treberhilfe ins Leben gerufene Straßenschule „KLuB“ (Kompetenzen Lernen und Bilden) konnte gestern abgewendet werden. Die Mitglieder des Sozialausschusses im Stadtrat bewilligten gestern rund 100.000 Euro für die Fortführung des Projektes um ein weiteres Schuljahr. Davon sollen Personal- und Sachkosten bestritten werden. „Die Rettung der Straßenschule ist großartig. Gerade für Schülerinnen und Schüler, die sehr schwierige Phasen durchlebt haben und auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Straßenschule die letzte Hoffnung, um ihren Schulabschluss nachzuholen“, erklärte Pia Barkow, die für die Fraktion Die Linke im Sozialausschuss sitzt. Für die Zukunft müsse nun geklärt werden, bei welchem Amt die Förderung künftig anzusiedeln sei, sagte sie. In Frage kämen das Schulamt, das Jugendamt oder das Sozialamt. An diesem Konflikt drohte die Fortführung der Förderung jetzt zu scheitern. Das haben die Ausschussmitglieder gestern mehrheitlich verhindert.

Bisher war die Straßenschule durch die Aktion Mensch finanziert worden, in diesem Jahr wurde sie auch vonden Wirtschaftsjunioren Dresden unterstützt. Junge Menschen über 18 Jahre, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht die übliche Schullaufbahn absolviert haben, werden in der Straßenschule auf die Schulfremdenprüfung vorbereitet. Im ersten Jahr ihres Bestehens haben drei Absolventen ihren Hauptschul- bzw. Realschulabschluss erfolgreich nachgeholt, im zweiten Jahr waren es bereits fünf. Aktuell stecken 15 junge Erwachsene in den Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschule. „Die überwiegende Zahl unserer Absolventen hat nach einer kleinen Pause inzwischen im ersten Arbeitsmarkt Fuß gefasst oder absolviert eine Ausbildung“, erklärt Dieter Wolfer, Straßensozialarbeiter und Geschäftsführer der Treberhilfe Dresden. Einige Teilnehmer der Straßenschule waren eine gewisse Zeit auf der Straße zu Hause, haben Erfahrungen mit Drogen oder einschneidenden Erlebnissen. Mit Unterstützung der Treberhilfe Dresden bekamen sie zunächst wieder ein Dach über den Kopf und dann die Chance einen Schulabschluss zu machen.

Kontaktladen der Treberhilfe in Gefahr

Anlaufpunkt für Hilfesuchende ist seit 20 Jahren der Kontaktladen der Treberhilfe Dresden in der Albertstraße 32. Beim Busprojekt „Jumbo“ finden Obdachlose, seien es minderjährige Ausreißer, Jugendliche oder Erwachsene, die aus dem Gefängnis oder der Psychiatrie kommen und nicht wissen, wo sie unterkommen können oder Menschen mit Lebensmittelpunkt „Straße“ sowie jungen Menschen in besonderen Lebenslagen Rat und Hilfe.

treberhilfe_Kontakladen

Der Kontaktladen in der Albertstraße ist erste Anlaufstelle. Quelle: trebehilfe e.V.

Zum Stand 31. März 2017 zählte das Sozialamt der Stadt 243 wohnungslose Männer und 55 wohnungslose. Sie leben in einer von der Stadt bereitgestellten Unterkunft für Wohnungslose. Von diesen insgesamt 298 Personen waren 13 minderjährig und 24 waren 65 Jahre und älter.

Die tatsächliche Zahl der in Dresden lebenden Obdachlosen ist höher. Straßensozialarbeiter Wolfer kennt viele Fälle, die in der Statistik nicht auftauchen. Junge Menschen der „Straße“ (Treber oder Ausreißer) würden als „Sofa-Hopper“ bei Freunden oder auf Festivals schlafen. Einige hätten eine eigene Wohnung und lassen andere bei sich übernachten. „Gerade junge Menschen aus anderen Städten und Ländern, die nicht gemeldet sind, und/oder keine Hilfeleistungen in Anspruch nehmen, sind von Amtswegen nicht registriert, so auch Kinder und Familien aus Osteuropa, die auf Grund ihrer Herkunft bereits seit Jahren unter Ausgrenzung leiden. Einige stellen keine Anträge, weil sie Angst vor Abschiebung haben. Diese Menschen werden kaum gesehen und sind nicht sichtbar“, sagt Wolfer.

Die Sozialarbeiter und Ehrenamtlichen der Treberhilfe geben diesen Menschen nicht nur einen heißen Kaffee, die Möglichkeit zu duschen oder ihre Wäsche zu waschen, sondern bieten auch Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen, um zum Beispiel eine Wohnung oder Hartz-IV zu bekommen. Im Kontaktladen haben diese Menschen die Möglichkeit im Internet zu recherchieren, Bewerbungen zu schreiben, sie finden aber auch immer ein offenes Ohr, wenn sie über Probleme sprechen möchten. „Auch wenn wir in der Neustadt unseren Standort haben, so kommen die Leute aus allen Stadtteilen zu uns. Es ist ein stadtweites Angebot“, erläutert Wolfer, der selbst als Sozialarbeiter im Kontaktladen steht. Für Wolfer ist die Fortführung der Förderung wichtig. Darum soll die Stadt prüfen, wie sie den Fortbestand ämterübergreifend sichern kann, sagt er.

Meiste Arbeit in 18- bis 21-Jährige investiert

 

Dieter Wolfer und sein Team kämpfen um den Erhalt von Straßenschule und Kontaktladen und darum, dass auch Sozialarbeiterstellen finanziert werden. Sie stellen zum einen Anträge bei Stiftungen, haben aber seit Kurzem auch eine Petition gestartet, um für die Straßenschule und das Busprojekt „Jumbo“ je zwei Vollzeitstellen sowie Sachkosten finanziert zu bekommen. „Ohne Förderung sind wir ausschließlich auf Spenden, Sponsoring und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen“, so Wolfer. Seit zwei Jahren hat er mit seinem Team des Busprojekts mit einer weiteren Zielgruppe zu tun, den Roma-Gruppen bzw. bettelnden Romakindern. Auch diese kommen verstärkt zum Jumbo-Bus, erhalten etwas zu essen und nutzen die Spielmöglichkeiten, die der Bus und die Sozialarbeiter anbieten. Auch diesen Kindern möchte Wolfer eine Perspektive bieten. Doch in der Regel sind diese Personengruppen nicht bei der Verwaltung registriert und beziehen keine Sozialleistungen.

 

Bis zum 3. November dieses Jahres können Unterstützer die Petition unterschreiben, entweder direkt im Kontaktladen oder im Internet unter folgender Adresse: https://www.openpetition.de/petition/online/hilfe-fuer-wohnungslose-jugendliche-in-dresden .
Konferenz „Lernort Straße“

Im Übrigen veranstaltet die Treberhilfe Dresden gemeinsam mit anderen Einrichtungen am 19. Mai von 9.30 bis 17 Uhr eine Konferenz zum Thema „Lernort Straße“. Die Referenten widmen sich dem Schwerpunkt „Alphabetisierung und Straßenpädagogik als inklusive Zugänge für die Sozialraumarbeit.  Konferenzort ist die Evangelische Hochschule Dresden (Dürerstraße 25). Die Tagungskosten betragen 20 Euro. Alle Interessierten sind eingeladen. Um eine Anmeldung wird gebeten bei Silke Lehmann (Telefon: 03521-4706-15, silke.lehmann@ev-akademie-meissen.de)

https://www.facebook.com/events/1955135384765641/

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