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Bewerber-Tipp: Eignungstest für angehende Medizinstudenten

Das Medizinstudium steht gegenwärtig vor einem Wandel. In den letzten zehn Jahren ist der Numerus Clausus, der von den Bewerbern verlangt wird, auf 1,0 gestiegen. Dennoch kommen bis zu fünf Bewerber auf einen Studienplatz. Die Aussichten, einen der begehrten Plätze zu ergattern, gehen für viele Bewerber gen Null. Wer vermögende Eltern hat, kann an einer privaten Hochschule Medizin studieren. Die Ausbildungskosten liegen im sechsstelligen Bereich und müssen zum Teil selbst finanziert werden. Somit ist diese Option für die wenigsten Abiturienten eine ernstzunehmende Alternative.

Mittlerweile beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht mit der Problematik. Ein junger Mann, dessen Abiturnote von den geforderten 1,0 weit entfernt war, klagt, weil er der Meinung ist, dass seine Schulnoten keinesfalls aussagen würden, dass er kein guter Mediziner werden könnte. Die Bundesärztekammer gab ihm recht. Mediziner werden händeringend gesucht. Auf dem Land gibt es ernstzunehmende Versorgungsengpässe. Aber auch in den Kliniken ist der Notstand groß, vor allem in Fachrichtungen, die nicht so beliebt sind.

Gerade erst hat die Sächsische Zeitung darüber berichtet, dass in Sachsen rund 410 Hausärzte fehlen. Die Kassenärztliche Vereinigung und die gesetzlichen Krankenkassen hätten darum, so die Autorin, ihre Prämien erhöht. In sieben Gebieten würden neue Hausarztpraxen mit 100.000 Euro gefördert. Die Versorgungssituation werde sich weiter verschärfen, weil auch bei Fachärzten der Nachwuchs fehle. Dies gelte besonders für Kinder-, Augen- und Hautärzte.

Medizinertest als Auswahlkriterium für angehende Studenten

Es stehen verschiedene Fragen im Raum. Ist die Abiturnote wirklich das richtige Kriterium für die Auswahl der Medizinstudenten? Schließlich handelt es sich um einen Beruf, der in höchstem Maße Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen erfordert. Natürlich braucht es viel Fachwissen und eine hohe Allgemeinbildung, um das schwere Studium zu schaffen. Dennoch hat die Abiturnote allein nicht genügend Aussagekraft.

Die Gründe für schlechte Noten in einigen Fächern sind nicht automatisch in einer verminderten Intelligenz zu suchen, die ein Bestehen des Medizinstudiums infrage stellen. Persönliche Umstände, die Pubertät oder einfach nur ein Lehrer, der dem Schüler nicht wohlgesonnen war, können den Durchschnitt nach unten drücken. Deshalb ist eine Reformierung des Systems dringend angeraten. Bis das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung präsentieren wird, können noch einige Monate vergehen.

Länder wie Österreich oder die Schweiz versuchten es in der Vergangenheit mit einem Eignungstest. In Österreich können sich Absolventen in einem MedAT Vorbereitungskurs auf den Test vorbereiten. Der Test ist abseits der Abiturnote angesiedelt und soll helfen, die Frage nach der Eignung zu beantworten. Auch in Deutschland gibt es einen Entwurf für einen solchen Test. Fraglich ist jedoch, ob ein Eignungstest der Schlüssel zur dringend notwendigen Reformierung des Medizinstudiums ist.

Die angehenden Studenten befinden sich in einer Prüfungssituation, die allein für sich Stress bedeutet. Nun kann davon ausgegangen werden, dass auch im Studium dieser Stress nicht ausbleibt. Es ist jedoch ein Unterschied, ob die Persönlichkeit geprüft oder Fachwissen abgefragt wird. Das Fachwissen kann durch Lernen und praktische Erfahrung erworben werden. Der Test der persönlichen Eignung für einen Beruf bleibt hingegen schwierig. Aus diesem Grund hat die Schweiz diese Tests nach einigen Jahren wieder abgeschafft. Deutschland sieht Eignungstests für Mediziner gar nicht erst vor.

Das österreichische Modell und die Probleme

Die intellektuelle und persönliche Eignung soll im MedAT Test geprüft werden, weil die Abbrecherquote beim Medizinstudium sehr hoch ist. Dies ärgert insbesondere die Bewerber, die wegen ihrer Abiturnote abgelehnt wurden. Dennoch erscheint der Test nicht das Maß aller Dinge zu sein, denn weder konnte die Auswahl der Bewerber verbessert noch die Abbrecherquote gesenkt werden. Bleibt zu hoffen, dass bald ein faires Auswahlverfahren gefunden wird, welches letztlich dazu beträgt, den Notstand im Arztberuf aufzuheben.