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Die unwahrscheinliche Beziehung von Kurt Vonnegut zu Dresden

Touristen in Dresden stehen vor einer großen Auswahl an thematischen Stadtrundgängen, wenn sie sich für einen fachkundigen Einblick in die vielen Facetten der Geschichte entscheiden. Die klassische Altstadtführung mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten ist die meistgebuchte. Doch daneben haben sich viele spezialisierte Angebote etabliert: Rundgänge oder Rundfahrten für Kinder, kulinarische Stadtführungen in der Altstadt oder in der Neustadt, Führungen durch die Parkanlagen am Schloss Pillnitz, Dresden vom Wasser aus erkunden, eine Shoppingtour zu ausgefallenen Geschäften in der Neustadt oder eine Street-Art-Tour. Es gibt sogar eine „Dresden zum Gruseln“-Stadtrundfahrt im Oldtimerbus zu den Richtstätten des mittelalterlichen Dresdens.

Nightwalk Dresden bietet eine Kurt-Vonnegut-Tour an und erinnert damit an einen Schriftsteller, dessen wichtigstes Werk vor fünfzig Jahren erschienen ist. Doch was verbindet Kurt Vonnegut mit Dresden?

Autor und Soldat

Kurt Vonnegut wird 1922 in Indianapolis, Indiana, geboren und gilt auch heute noch als einer der einflussreichsten amerikanischen Romanciers des 20. Jahrhunderts. Er mischte Literatur mit Science Fiction sowie Humor, verband das Absurde mit pointierten sozialen Kommentaren und erschuf somit in jedem seiner Romane seine persönliche, einzigartige Welt und füllte sie mit ungewöhnlichen Charakteren. Ein Paradebeispiel ist hier sicherlich die Alien-Rasse, die aus dem Buch „Tralfamadorians in Slaughterhouse-Five“ aus dem Jahr 1969 bekannt ist. Auch „Breakfast for Champions“ wird heute noch begeistert von vielen Menschen gelesen und weiterempfohlen. Daher war es nur normal, dass bei seiner Beerdigung im Jahr 2007 in New York eine Gros der trauernden Gäste Autoren und Fans waren.

Allerdings schaut Vonnegut auch auf eine andere Karriere zurück, die des Soldaten im Krieg. 1942 verpflichtet, diente er 1943 in der sogenannten „Ardennenoffensive“ für das US-Militär. Wie bekannt ist, konnten die Alliierten hier die Schlacht nicht für sich gewinnen und so kam Kurt Vonnegut in Kriegsgefangenschaft – nach Dresden. Und hier fängt die eigentliche Liebesgeschichte für die Stadt erst an. Denn während er in unterirdischen Gefängnissen Vitamin-Präparate herstellen musste und vielleicht schon ein wenig vom Book of Ra geträumt hat, lernte er dennoch die Stadt besser kennen.

In seinen Büchern Geschichte verarbeitet

Und da er vor seiner Zeit in Europa nur wenige Orte in den Vereinigten Staaten hat kennenlernen dürfen, kann man getrost zugeben, dass Dresden zur Kriegszeit einen großen Einfluss auf seine spätere Arbeit gehabt haben muss. So hat er in einem späteren Interview mal erwähnt, dass Dresden die schönste Stadt sei, die er kenne.

Dresden ist Geschichte und Dresden ist Moderne. Daher sind Geschichten wie diese oft sehr viel höher einzuordnen, als man ursprünglich annehmen mag. Denn er erlebte und durchlebte das Zerbomben der Stadt, kam ungeschoren davon und verarbeitete für den Rest seines Lebens all das Gesehene in seinen Büchern. Dresden kann sich sicherlich glücklich schätzen, dass es in der jüngeren Geschichte der Stadt auch solche Beispiele gibt, die einem vor Augen halten, was wirklich zählt.