Elbflorenz: Inspiration und Heimat für die berühmtesten Persönlichkeiten Europas

Seit dem 19. Jahrhundert ist Dresden unter den Beinamen „Elbflorenz“ bekannt. Wie die italienische Symbolstadt der Renaissance, begeisterte die sächsische Hauptstadt prominente Namen mit ihrer kulturellen Vielfalt. Schriftsteller, Künstler sowie Wissenschaftler aus ganz Europa fanden Raum und Muße für neue Ideen, aus denen zahlreiche Kulturschätze entstanden. Unter den Besuchern Dresdens befinden sich vier besondere Namen, die sowohl mit ihrer Persönlichkeit als auch mit ihren Erzeugnissen jenseits ihrer Zeit Dresden und die Weltkultur geprägt haben.

Fjodor Dostojewski

Fjodor Dostojewski zählt zu den berühmtesten Elbflorenz-Besuchern. Nach einem langen Vagabundenleben quer durch Europa beschlossen der russische Schriftsteller und seine zweite Frau Anna 1869 einen Neustart in Dresden zu wagen. Diese Entscheidung leitete eine wichtige Schaffensperiode ein. Nachts arbeitete der Schriftsteller akribisch an den Werken „Die Dämonen“ und „Der ewige Gatte“. Doch wie so oft prägte das unruhige Wesen Dostojewskis seinen Alltag.

Sein Aufenthalt wurde durch mehrere Reisen in andere deutsche Städte unterbrochen, da er, wie andere russische Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts auch, ein leidenschaftlicher Spieler war und seine Zeit gerne in Casinos verbrachte. So ist der Roman „Der Spieler“ eine Niederschrift seiner Erfahrungen in Baden-Baden. Zudem plagte ihn das Heimweh. Das macht es schwer, sich der Dresdner Gesellschaft anzupassen. Wenige Jahre später veranlassten diese Gründe sein Rückkehr nach St. Petersburg.

Leider sind die Spuren Dostojewskis in Dresden der Zeit zum Opfer gefallen. Doch 2006 würdigte die Stadt ihn mit einem Denkmal am Kongresszentrum. Erschöpft sitzt der Weltliterat auf einem Steinsockel. Wohl kaum ein anderes Bild könnte ein Leben im ewigen Auf und Ab besser beschreiben.

Sergei Rachmaninow

Der russische Komponist Sergei Rachmaninow lebte in Dresden zwischen 1906 und 1909. Erschüttert von finanziellen Schwierigkeiten und einer langen depressiven Phase entschied sich das Musikgenie wie Dostojewski für ein Neubeginn an der Elbe. Mit seiner Familie bezog er ein Haus in der Sidonienstraße und leitete damit die produktivste Phase seiner Karriere ein. Rachmaninow genoss die Kulturlandschaft Dresdens und fand zahlreiche Gleichgesinnte, die seine Leidenschaft für die Musik teilten. Die inspirierende Atmosphäre wirkte sich äußerst positiv auf sein Schaffen aus. Die Sinfonie Nr. 2, e-Moll op. 27 sowie die Sonate Nr. 1, d-Moll op. 28 entstanden in Dresden.

Auch nach seiner endgültigen Rückkehr nach Russland organisierte Rachmaninow regelmäßige Aufenthalte in Dresden-Blasewitz in der Villa der europaweit bekannten Musikerfamilie Schuncke, wodurch Dresden ein Leben lang eine wichtige Inspirationsquelle für seine Musik blieb. So findet jeder Hörer in den bedeutendsten Werken der Spätromantik heute ein Stück Kultur aus der Elbflorenz wieder.

Carl Gustav Carus

Carl Gustav Carus, der bedeutendste deutsche Universalgelehrte des 19. Jahrhunderts, ließ sich 1814 in Dresden nieder. Ähnlich wie die russischen Großmeister zog er nach einer schwierigen Lebensphase in die Stadt an der Elbe. Zuvor hatte auch er mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und entging zudem knapp dem Tod aufgrund der Typhuserkrankung. In der Residenzstadt wurde er zum Professor für Frauenheilkunde berufen und übernahm zusätzlich die Leitung der Entbindungsanstalt.

Neben seiner erfolgreichen Arbeit als Mediziner veröffentlichte Carus zahlreiche Werke im Bereich der Naturphilosophie, Psychologie und der Malerei. Sein kontinuierliches Arbeiten verschaffte ihm eine unerschütterliche Reputation in der Dresdner Gesellschaft. Er wurde eine feste öffentliche Institution, die als Beratung für jegliche städtische Entscheidung hinzugezogen wurde. Obwohl Carus regelmäßig verlockende Angebote aus anderen deutschen Städten erhielt, blieb er der Elbestadt bis an sein Lebensende treu.

Bis heute zählt Dresden zu den Topstädten im Bereich der Medizin. Diesen Erfolg hat die Elbestadt unter anderen Carus Engagement zu verdanken, weshalb das Universitätsklinikum in Ehren seinen Namen trägt.

Karl Gutzkow

Einer der weniger bekannten Größen Dresdens ist Karl Gutzkow. 1846 wurde der umstrittene Publizist und Dramatiker Hofdramaturg des Königlichen Theaters, weshalb er seinen Wohnsitz in die Elbestadt verlagerte und dort 15 Jahre seines Lebens verbrachte. Obwohl seine provokativen Werke regelmäßig der Zensur zum Opfer fielen, fühlte er sich im anregenden literarischen und künstlerischen Leben der Stadt äußerst wohl. Das Drama „Der dreizehnte November“, die Novellen „Imagina Unruh“ und „Die Nihilisten“ oder der Roman „Die Ritter vom Geiste“ sind nur einige der zahlreichen Werke, die aus der Schaffungsperiode in Dresden stammen. Wie Carus beteiligte er sich aktiv am öffentlichen Leben. Unter anderem war er Mitbegründer der Deutschen Schillerstiftung.

Heute erinnert die Gutzkowstraße in Dresden an seine Persönlichkeit. Sein Einfluss in der deutschen Gesellschaft scheint leider in Vergessenheit geraten zu sein. Doch wer seine Werke näher anschaut wird merken, dass er zu den Schlüsselfiguren der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählt.

Die russischen Großmeister Dostojewski und Rachmaninow, der Universalwissenschaftler Carus sowie der provokative Dramaturg Gutzkow sind nur vier der zahlreichen Namen, die in der Kulturlandschaft Dresdens Inspiration für neue Werke gefunden haben. Zahlreiche Bauten und Straßen, die nach weltbekannten Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern benannt sind, beweisen, dass Dresden den Beinamen „Elbflorenz“ nicht umsonst verdient hat.