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Glückspielmarkt Deutschland: Liberalisierung gefordert – aber nicht in Sicht

Gerade erst ist die Einführung einer deutschlandweiten Pkw-Maut vor dem Europäischen Gerichtshof krachend gescheitert. Auch beim Glückspiel geht Deutschland schon lange eigene Wege. Immer lauter werden jedoch die Forderungen nach einer Liberalisierung des Glücksspielmarktes. So schreibt der NR-Kurier in einer Analyse, dass die „deutschen Regularien für Online Glücksspiel den EU-Vorgaben widersprechen“ und sich „die Parteien im Bundestag bei der Neufassung des Vertrages mit gegenläufigen Ansichten“ blockieren. Eine schnelle Lösung sei nicht zu erwarten, obwohl vieles für eine Liberalisierung spricht.

Die Befürworter der Liberalisierung führen ins Feld, dass durch die Vergabe von Lizenzen, wie zum Beispiel für das 2014 gegründete Online-Casino Slots.io, zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe in die Haushalte des Bundes und der Länder fließen könnten. Zudem ließe sich ein liberalisierter Markt besser kontrollieren, als der unüberschaubare und riesige Sektor der Grauanbieter und Schwarzanbieter.

Skeptiker führen auch die Gefahren der Ausweitung der Spielsucht an. Dabei fassen sie zunehmend auch die ältere Generation ins Auge. Sie verfügt über Zeit und gilt al zahlungskräftig. Selbst Reiseunternehmen haben diesen Trend bereits aufgegriffen und bieten zum Beispiel Bustouren in Städte mit bekannten Spielcasinos an.

Ganz anders agiert die Medianklinik in Bad Hersfeld. Sie bietet glücksspielabhängigen Menschen in der Altersgruppe 50+ spezielle Hilfe an. Es werden „ältere suchtkranke Menschen behandelt, deren Ziel es nicht mehr ist, ins Erwerbsleben reintegriert zu werden, sondern die wieder aktiv an dem gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten und ihre Gesundheit durch Abstinenz wieder herstellen wollen. Die körperliche und psychische Gesundheit steht im Mittelpunkt und damit die Verbesserung von beeinträchtigten Funktionen und Fähigkeiten. Besonderer Schwerpunkt, so die Beschreibung des Therapieschwerpunktes auf der Webseite des Unternehmens, seien die Abhängigkeiten von Automaten- und Casinospiel sowie von Sportwetten.

Eine Analyse in der Süddeutschen Zeitung verweist darauf, dass das Bundesland Hessen auf einer Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrages bis Ende 2019 besteht. Sonst, so heißt es im von den Regierungsparteien ausgehandelten Koalitionsvertrag, werde man eigene Wege gehen. Wenn Online-Glücksspiele wie Poker, Blackjack und virtuelle Spielautomaten nicht effektiv eingedämmt werden können, müsse man sie eben regulieren. Der Markt sei riesig. Mehr als 93 Milliarden Euro hätten Kunden in Deutschland pro Jahr aufs Spiel gesetzt. Mehr als 40 Prozent davon seien im nicht regulierten Bereich geflossen.