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Glücksspielsucht – Wenn aus Spaß Ernst wird

Spielhallen und Wettanbieter schießen in Dresden, genauso wie in der ganzen Bundesrepublik, an unzähligen Stellen aus dem Boden. Und während das Spielen an Automaten oder sogar in echten Casinos für den einen oder die andere etwas Nervenkitzel bedeutet und ein unterhaltsamer Zeitvertreib ist, gibt es natürlich auch Schattenseiten. Glücksspielsucht ist ein ernstzunehmendes Thema. Ganz gleich in welchem Alter, jeder kann hiervon betroffen sein.

Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland sind allein im Alter zwischen 56 und 70 Jahren spielsüchtig, hat eine vom ZDF in Auftrag gegebene Studie ergeben. Wie bei jeder Art von Sucht ist der Weg dorthin oft ein leichter. Einen Weg herauszufinden, ist hingegen schwer.

Was ist Glücksspielsucht?

Das Wort Spielsucht wird in der alltäglichen Sprache gebraucht, um eine Abhängigkeit von Spielen zu bezeichnen. Sie kann mehrere Arten der Spielsucht bezeichnen. So zum Beispiel auch die Computerspielsucht oder eben die Glücksspielsucht. In der psychologischen Fachsprache wird dies als pathologisches Spielen beziehungsweise zwanghaftes Spielen bezeichnet. Für die Einordnung psychologischer Leiden stehen zwei Nachschlage- und Regelwerke zur Verfügung: Das ICD-10 sowie das DSM-IV.

Das ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) bietet in erster Linie eine medizinische Klassifikation von Krankheiten. Hier wird das pathologische Spielen gemeinsam mit der Kleptomanie, Trichotillomanie und Pyromanie den abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle zugeordnet. Mit anderen Worten: Wenn jemand spielsüchtig ist, fehlt ihm die Fähigkeit, mit dem Spielen aufzuhören, auch wenn er dies eigentlich möchte. Das DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) hingegen ist ein reines psychologisches Klassifikationssystem. Hier wird die ‚Gambling Disorder‘ unter ‚Substance-Related and Addictive Disorders‘ aufgelistet. Mit anderen Worten: Bei der Glücksspielsucht handelt es sich um eine Abhängigkeit.

Wie kommt es zur Sucht?

Die Wissenschaft wäre nicht die Wissenschaft, wenn wir uns bei allen Theorien hundertprozentig sicher wären, dass diese der Wahrheit entsprechen. Gerade in der Psychologie ist es oftmals schwer, ganz sicher zu sein, woher bestimmte Phänomene stammen. Auch die Sucht kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Wir können versuchen, sie aus der sozialen Perspektive zu erklären, der biologischen oder aber auch eine psychoanalytische Herangehensweise anwenden. Es mag durchaus so sein, dass in einem Individuum nur eine dieser Erklärungen zutrifft, zumeist handelt es sich jedoch um ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Faktoren.

Das psychoanalytische Modell

Dieses geht auf den berühmten Psychologen Sigmund Freud zurück. Grob gesagt, sind es laut dieser Theorie Ereignisse aus unserer Kindheit, die uns dazu verleiten, als Erwachsene eine Sucht zu entwickeln. Zumeist wird von einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung ausgegangen. Irgendetwas ist in unserer Kindheit zwischen uns und unserer Mutter passiert, was wir bis in unser Erwachsenenleben nicht verarbeiten konnten. Die Sucht dient als Methode, um diese Störung zu kompensieren, sowie dem Versuch ein innerliches Gleichgewicht zwischen unseren Trieben, eigenen Bedürfnissen und den äußeren Ansprüchen aufzubauen.

Das soziologische Modell

Hier steht unser Umfeld im Vordergrund. Jemand, der mit dem Glücksspiel niemals in Berührung kommt, wird auch nicht spielsüchtig werden. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel bereits die Eltern Glücksspiel betrieben haben oder unsere Freunde dies gern tun. Wir kommen durch unsere sozialen Kontakte hiermit in Berührung. Ist es innerhalb dieser oder sogar unserer allgemeinen Gesellschaft nicht stigmatisiert, dann werden wir uns dem Spielen viel leichter hingegeben. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein generelles Verbot des Glücksspiels die Glücksspielsucht verhindern könnte. Nicht jeder sieht sich nur als Teil der gesamten Gesellschaft. Wir alle ordnen uns weiteren Gruppen zu. Ein Verbot auf der höchsten Ebene könnte wenig Auswirkung darauf haben, wie unser Freundeskreis das Glücksspiel betrachtet.

Das biologische Modell

Unsere Körper sind für das Überleben ausgestattet. Um dies zu erreichen, haben wir ein paar Grundbedürfnisse wie Wasser, Nahrung, Schutz und Fortpflanzung. Wäre es jedoch kein Vergnügen, Lebensmittel zu sich zu nehmen oder ein Dach über dem Kopf zu haben, würden wir es vermutlich gar nicht tun. Deshalb hat die Natur einen Trick erfunden – das Belohnungssystem. Immer, wenn wir Aufgaben ausführen, die für unser Überleben sorgen, werden wir durch die Ausschüttung sogenannter Glückshormone belohnt. Wir fühlen uns gut. Die gleiche Reaktion kann auch beim Glücksspiel ausgelöst werden. Schließlich sprechen uns die farbigen Bilder und Effekte an und der Gewinn von Geld ist ein starker Belohnungsanreiz. Wir können dementsprechend in einen wahren Glücksrausch verfallen.

Wie kann einer Glücksspielsucht vorgebeugt werden?

In staatlichen Spielbanken kann man sich seit jeher sperren lassen. Jeder Spieler muss dort bei Eintritt ein Ausweisdokument vorzeigen, das dann gegen eine staatliche Datenbank zur freiwilligen Sperrung geprüft wird. Ist man dort eingetragen, so wird man nicht eingelassen. Mit dem Aufkommen von Online Casinos, die ihren Sitz in einem anderen Staat haben, wird das jedoch schon schwieriger. Denn obwohl diese Casinos sich an Spieler aus Deutschland richten, handelt es sich nicht wirklich um deutsche Online Spielbanken.

Online Casinos, die eine Lizenz innerhalb der EU haben, stellen ihren Nutzern mehrere Optionen zur Verfügung. Diese dienen dazu, einer Glücksspielsucht vorzubeugen beziehungsweise ihr Einhalt zu gebieten sowie Hilfe anzubieten, falls die Sucht bereits besteht.

Unter anderem sehen sich die Mitarbeiter der Online Casinos auffällige Verhaltensmuster an, die auf eine Spielsucht hindeuten können. Wird der Verdacht bestätigt, kontaktieren sie den Spieler, um ihm weiterzuhelfen. Zumeist wird primäre Hilfestellung geboten. Spieler können ihre Konten für eine gewisse Zeit sperren. Zudem stellen die Casinos Informationen zu Hilfestellen zur Verfügung. Doch auch aufseiten der Spieler können Schritte zur Prävention eingeleitet werden. So können Spieler ihre Konten selbst schließen. Gute Online Casinos bieten auch direkt auf ihrer Webseite Links zu Beratungsstellen sowie einem Glücksspielsuchttest an. Gefährdete Spieler können diese Informationen somit selbst einsehen.

Genaues Hinschauen aufseiten der Familie wichtig

Da es vielen jedoch schwerfällt ihre Sucht zu erkennen, bedarf es auch der Aufmerksamkeit von Familienangehörigen, Freunden und Bekannten. Zumeist sind sie ebenfalls Leidtragende, wenn es zu einem voll ausgewachsenen pathologischen Spielen kommt. Aus diesem Grund ist es auch in ihrem Interesse, zu versuchen, so schnell wie möglich einzugreifen. Das müssen sie nicht alleine tun. Sollte der Spielsuchtgefährdete nicht auf sie reagieren und mit dem Spielen weitermachen, können sie sich ebenfalls an Hilfestellen wenden. Je früher eine Spielsucht erkannt und eingegriffen wird, desto geringer fällt in der Regel der Schaden aus.

Spieler sollten von Anfang an folgende Punkte beachten. Diese sind auch dann wichtig, wenn Sie nicht davon ausgehen, spielsuchtgefährdet zu sein – das tut schließlich niemand.

  1. Legen Sie ein Budget fest, das nicht überschritten werden darf
  2. Grenzen Sie Ihr Spiel zeitlich ein
  3. Spielen Sie nur, weil es Ihnen Spaß macht
  4. Spielen Sie nicht, um Verluste wiedergutzumachen oder um primär Geld zu verdienen
  5. Nehmen Sie sich Auszeiten und nutzen Sie diese für Familie, Freunde sowie Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen
  6. Lassen Sie sich helfen und suchen Sie Hilfe auf, wenn aus dem Spaß am Glücksspiel Ernst wird

Woran ist eine Glücksspielsucht zu erkennen?

Sobald die Gedanken nur noch um das Glücksspiel kreisen, ist die Spielsucht bereits wohl etabliert. Werden immer höhere Einsätze getätigt, ist ebenfalls Alarmstufe rot angesagt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Einsatzerhöhung mit dem Versuch gekoppelt ist, vorherige Verluste wieder einzuspielen.

Werden andere Hobbies, Aktivitäten, Freunde und Verwandte vernachlässigt, um spielen zu können, ist dies ebenfalls ein Warnzeichen. Lügen sich selbst gegenüber oder Nahestehenden warum, wie lange und wann gespielt wird, deuten auch auf eine Spielsucht hin. Selbst reiche Menschen können mit einer Spielsucht schnell an den Punkt gelangen, dass ihnen das Geld ausgeht. Werden Kredite aufgenommen, um das Spielen zu finanzieren, ist die Sucht bereits weit fortgeschritten.

Normalerweise ist schon der leise Verdacht oder die innerlich kreisende Frage, ob man von Spielsucht betroffen sein könnte, ein guter Indikator, dass dies tatsächlich der Fall ist. In all diesen Fällen gilt, sich so schnell wie möglich Hilfe zu holen, um Schlimmeres zu vermeiden. Ist man sich des Risikos bewusst und geht mit wachen Augen durch das Leben, so lassen sich dann auch unbeschwert Spiele genießen, bevor es problematisch wird.