Gefalteter Himmel – im Kulturpalast ist die Decke des Konzertsaals fertig

Endlich kann man den Himmel sehen – im neuen Konzertsaal des Kulturpalastes. „Die Gerüste sind gefallen. Jetzt ist der Blick frei auf die Saaldecke“, sagt Projektleiter Thomas Puls. Diese zieht sich wie ein grafisch interessant gefaltetes weißes Blatt in 22 Meter Höhe  entlang. Thomas Puls erinnert an die lange Planungszeit und den komplizierten Abstimmungsprozess. Die stark gefaltete Struktur der Decke sei das Ergebnis vieler akustischer Messungen, erläutert der Projektleiter. Der Schall finde zunächst den direkten Weg zum Zuhörer und dann noch einmal über die Decke.

Kulturpalast saaldecke

Die stark gefaltete Struktur der Decke ist das Ergebnis vieler akustischer Messungen. Foto: Asdecker

Wie es wirklich funktioniert, wird erst im nächsten Jahr zu erleben sein – in der Planung mussten die Fachleute mit Simulationen am Computer und am Akustikmodell  auskommen. „Der Rechner schafft es nur bis zur dritten Brechung des Schalls“, erklärt Thorsten Horst von der Firma Lindner, welche den Konzertsaal baut. Deshalb habe man das dreidimensionale Modell gebraucht. „Tatsächlich gibt es bis zu 100 Brechungen.“

Der neue Saal ist etwas schmaler als der frühere und terrassenförmig angelegt – ähnlich wie ein Weinberg. Ein Reflektor oberhalb der Bühne soll das gegenseitige Hören der Musizierenden unterstützen. Je nach Art der Aufführung kann dieser Reflektor heruntergefahren werden. So befindet er sich bei klassischen Konzerten etwa elf Meter über dem Podium, bei multifunktionaler Nutzung hängt er höher.

Platz für 1.785 Besucher

Das Podium selbst erhält mobile, elektrisch steuerbare Hub-Podeste. „Jetzt werden die Ränge fertiggestellt und die Brüstungen montiert“, erzählt der Projektleiter. Zum Schluss setze man den Parkettboden. 600 Plätze wird es im unteren Bereich geben, alle anderen – insgesamt ist Platz für 1.785 Besucher – verteilen sich auf die Ränge.

Das neue Glanzstück des Konzertsaals, die Orgel mit ihren 55 Registern, wird erst einige Monate nach der Eröffnung zu hören sein. Die Stahlkonstruktion, an der sie angebracht wird, gibt es zwar schon. Auch der so genannte Klangkörper wird bis Ende des Jahres montiert. Aber die insgesamt 3.800 Orgelpfeifen können erst im nächsten Frühjahr intoniert werden. „Dazu braucht es ein stabiles Raumklima“, begründet Thomas Puls. Es sei außerdem eine sehr zeitaufwendige Arbeit, da jede Pfeife per Hand eingestimmt werden müsse. „Die Aufgabe für einen Spezialisten mit besonders gutem Gehör.“

Eröffnung am 28. April geplant

Kulturpalast mai foyer

Für das Foyer ist noch etwas Fantasie gefragt. Foto: Asdecker

Doch auch wenn die Orgel zur geplanten Eröffnung am 28. April 2017 nur zu sehen und nicht zu hören sein wird: Der Zeitplan stimmt. „Wir haben jetzt zwei Drittel des Marathons hinter uns gebracht“, sagt Thomas Puls und ergänzt: „Wir liegen gut im Rennen. Allerdings müssen wir uns zum Ende hin noch einmal ordentlich strecken.“ Schließlich wird nicht nur am „Herzen operiert“, gemeint ist der Konzertsaal, sondern der gesamte Gebäudekörper fit gemacht.

Einige Beispiele: Im Foyer wird die Modellgips-Decke montiert, in der künftigen Bibliothek die Haustechnik installiert. Als nächstes folgen dort die Kühldecken. Gleichzeitig beginnt ganz unten – in der späteren Herkuleskeule – der Ausbau von Zuschauerraum und Bühne. Währenddessen wird draußen an der Schlossstraße abschnittsweise das Wandbild saniert. Die Arbeiten an den Freianlagen sollen im September starten. Bis dahin wird auch das Fassadengerüst gefallen sein.

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Mit der Neukonzeption des Kulturpalastes soll dem 1969 eröffneten Gebäude wieder seine ursprüngliche zentrale Rolle als kultureller städtischer Treffpunkt gegeben werden. Der zentrale Konzertsaal mit den Foyer-Flächen zum Altmarkt, der Chorprobensaal und die zentralen Treppenhäuser werden denkmalgerecht erneuert, die Fassaden energetisch saniert.

Der Konzertsaal wird die Hauptspielstätte der Dresdner Philharmonie und bietet gleichzeitig auch die Möglichkeit einer multifunktionalen Nutzung. Ergänzt wird das Haus durch die städtische Zentralbibliothek und das Kabarett „Herkuleskeule“. Im Bühnengeschoss werden unter anderem Stimmzimmer für verschiedene Instrumentengruppen, Einzelgarderoben für Gastkünstler, ein Lager für Tasteninstrumente, ein internes Bistro und Büros für die Angestellten des Hauses und der Dresdner Philharmonie eingerichtet. Im Erdgeschoss befinden sich ein Probensaal, die Garderoben für die Orchestermitglieder und Lager- und Archivräume. Weitere Lager für Equipment und die Probenräume für Schlagzeug sind im Keller untergebracht.

Ein großer Lastenaufzug mit direktem Außenzugang verbindet alle drei Ebenen des Backstage-Bereiches. Der Bühneneingang an der Nordseite ist als zentraler Eingang für Künstler und Personal vorgesehen. Den Auftrag für den Ausbau des Konzertsaales erhielt die Firma Lindner AG. Der Ausbau des Dresdner Konzertsaales hat im August 2015 begonnen und wir bis Ende 2016 abgeschlossen sein.

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