Roland Jahn

Stasi-Gedenkstätte Bautzener Straße will auch Täterseite erklären

Mit der Veranstaltung „Die Gedanken sind frei?“ begann gestern in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden das Jubiläumsjahr  „25 Jahre Friedliche Revolution“ in Dresden. Gleichzeitig wurden die Räume der erweiterten Gedenkstätte für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie befinden sich in dem früheren Verwaltungstrakt der Dresdner Stasi-Zentrale und wurden in den vergangenen zwei Jahren für rund 2,4 Millionen saniert. „Wir wollen jetzt auch die Täterseite authentisch erklären“, sagte Herbert Wagner, Vorsitzender des Vereins „Erkenntnis durch Erinnerung“. So wurde der ehemalige Mehrzwecksaal mit seiner Holzvertäfelung, den Kronleuchtern und alten Fernsehern an den Seitenwänden denkmalgetreu restauriert. Zu sehen ist jetzt auch das Büro des letzten MfS-Bezirkschefs Horst Böhm mit seiner Original-Möblierung aus den Hellerauer Werkstätten. Es sei wichtig, die nächsten Generationen darüber aufzuklären, wie die Diktatur funktioniert und wie sich in ihr eine Stasi entwickeln konnte, erklärte Wagner.

„In diesem Gebäude der Unfreiheit, der Angst und der Menschenverachtung können wir etwas über unsere Zukunft erfahren“, sagte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Gleichzeitig erinnerte sie an die Qualen und Leiden der Menschen, die sich gegen die SED-Diktatur aufgelehnt haben und im Stasi-Untersuchungsgefängnis gelandet sind. „Wir müssen diesen Menschen unendlich dankbar sein“, sagte sie und bekam viel Beifall, besonders von den anwesenden Betroffenen.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn wies darauf hin, dass die Einsichtnahme in die Stasi-Akten weiter gehen müsse. Es sei dabei nicht immer einfach, den Spagat zwischen Datenschutz und Transparenz zu bewältigen. Dennoch seien die Unterlagen auch für die freie Forschung enorm wichtig. Jahn überraschte die Leiterin der Dresdner Gedenkstätte Uljana Sieber und Vereinsvorsitzenden Wagner mit mitgebrachten Originalen aus der Stasi-Zentrale. Die Stücke seien das Ergebnis eines Aufrufs an die damaligen Stürmer und Besetzer der Stasi-Zentrale, mitgenommene „Andenken“ zurück zu bringen. Damit habe man Erfolg gehabt. So konnte er unter anderem die Originalfahne der SED-Organisation der MfS-Zentrale übergeben. Jahn verband dies mit dem Hinweis, dass die Aufarbeitung der Diktatur sich nicht auf die MfS-Geschichte beschränken dürfe. „Es war eine SED-Diktatur“, sagte er.

In dem restaurierten Mehrzwecksaal steht jetzt auch ein selbstgebautes Flugzeug, mit dem der gebürtige Thüringer Michael Schlosser im November 1983 in der Nähe von Hirschberg über die Grenze fliegen und fliehen wollte. Er wurde jedoch von zwei namentlich bekannten  Stasi-Spitzeln verraten,  am 28. Oktober 1983 in Dresden verhaftet und zu 4 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Vom 10. bis zum 16. Mai kann die Gedenkstätte während einer Festwoche mit mehreren Veranstaltungen kostenlos besucht werden.

>> Mehr Informationen über die Festwoche

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