Isimed Trainingszentrum

Wenn es richtig kracht – Notfallübung nach Explosion in Fiedlerstraße

Eine Katastrophe richtet sich nicht nach dem Spielplan einer Fußball-WM. Auch am Freitag nicht. Geht das Spiel Deutschland gegen Frankreich im Estadio do Maracana in Rio de Janeiro in die Verlängerung, muss man sich entscheiden. Gegen 19.45 Uhr wird es vor dem Medizinisch Theoretischen Zentrum in der Fiedlerstraße in Folge einer Bombendetonation eine Vielzahl von Verletzten geben.

„Wenn es einmal richtig kracht“ haben die Veranstalter dieses Event der Langen Nacht der Wissenschaften genannt. Notfallmediziner, DRK, Polizei, Feuerwehr und Kriseninterventionsteam werden dem Publikum zeigen, wie ein Einsatz mit vielen Verletzten unter realen Bedingungen abläuft.

Die Notfallmediziner haben ihr Einsatzszenario zuvor mehrfach im Isimed-Trainingszentrum am Dresdner Uniklinikum intensiv geübt. Dafür haben Uniklinik und TU Dresden unter Federführung der Klinik für Anästhesionlogie und Intensivtherapie in den vergangenen zehn Jahren rund eine Million Euro in die sehr realistischen Übungssituationen investiert. Ein Operationssaal, mehrere elektronisch gesteuerte Puppen vom erwachsenen Mann über ein Kleinkind bis zum Säugling, eine Wohnung mit Wohnzimmer und Küche, ein Intensivstationszimmer und ein Schockraum. Die lebensechten Puppen, so erklärt Anästhesist Michael Müller, können atmen, haben Herzschlag und Puls, Darmgeräusche und geben sehr realistische Laute von sich. Die teuerste Puppe kostet rund 300.000 Euro, kleinere etwa 40.000 Euro. Die Pund den Puppen wurden in Norwegen und den USA hergestellt und programmiert. „Das können nur ganz wenige Firmen weltweit“, sagt Müller.

Dresdner Lange Nacht der Wissenschaften:
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Jährlich werden in 360 Kursen mehr als 3.200 Teilnehmer im Trainingszentrum geschult. „Wenn ein Patient im Krankenhaus einen Herzstillstand erleidet, entscheidet sich in den ersten Minuten, ob er die Krise überlebt“, sagt Klinikdirektorin Thea Koch. Durch das Training entsteht Struktur in den Abläufen, die emotionale Belastung werde reduziert. Auch für die eigenen Mitarbeiter, und hier vor allem für das in der Pflege eingesetzte Personal, spielen die Reanimationsschulungen eine wichtige Rolle. 1.500 durchlaufen pro Jahr das Training. Für die Uniklinik und besonders für die Patienten hat sich das bereits ausgezahlt. Im deutschlandweiten Vergleich überleben in der Dresdner Uniklinik die meisten Patienten einen Kreislaufstillstand, verweist die Professorin auf die Ergebnisse des Deutschen Reanimationsregisters.  Mit 84 Prozent liegt Dresden hier deutlich über dem Durchschnitt von 62 Prozent.

Am Freitag können die Besucher bei der Langen Nacht der Wissenschaft Demonstrationen an den Übungspuppen erleben und selbst prüfen, wie sie mit kritischen Situationen zurecht kommen. Die Vorstellung des Trainingszentrums ist eine von mehr als 80 Veranstaltungen, zu denen das Universitätsklinikum in dieser Nacht einlädt.

Maxi Kurth und Veronika Krause, beide Studentinnen im 6. Studienjahr, sind noch etwas außer Atem. Sie haben gerade mit einer Herzmassage einem Mann das Leben gerettet. Als sie zu ihrem Notfalleinsatz im Wohnzimmer eintrafen, lag der Patient mit Atemnot und Herzschmerzen  auf dem Sofa und war noch ansprechbar. Das EKG zeigt den Verdacht auf einen Herzinfarkt. Plötzlich setzt die Atmung aus. Dafür sorgt Medizinstudent Tobias Neidel, der am Laptop alle Regungen der Übungspuppe steuern kann. Geübt heben die Studentinnen den Patienten vom Sofa und spulen das Reanimationsprogramm ab. Die Handgriffe sitzen, die Kommunikation untereinander funktioniert, der Patient überlebt. Die beiden Studentinnen, die am Wochenende den Trainingskurs absolviert haben, wollen später auf jeden Fall auch als Notfallärzte im Einsatz sein. Auch hier sieht Klinikchefin Koch einen wichtigen Effekt des Trainingszentrums und meint: „Kliniken, die in die Notfallausbildung investieren, haben weniger Nachwuchsprobleme“.

Dresdens Lange Nacht der Wissenschaften:
WAS: Vorstellung des interdisziplinären Simulationszentrums Medizin – Isimed
WANN: Freitag, 4. Juli, 20.30 bis 22.30 Uhr
WO: Fetscherstraße 74, Universitätsklinikum, Haus 9, 2. und 3. Etage

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