Johannstadt Bönischplatz

Nördliche Johannstadt: 6,2 Millionen Euro sollen Stadtteil-Entwicklung anschieben

Der Dresdner Stadtrat hat in der vergangenen Woche den Weg für ein Förderprogramm „Nördliche Johannstadt“ freigemacht. Darüber, welche Projekte jetzt gefördert werden sollen und wie die Mittel schnell zum Einsatz kommen können, hat menschen-in-dresden.de mit dem Johannstädter Stadtrat Axel Bergmann (SPD) gesprochen.

Bergmann Axel

Axel Bergmann, SPD-Stadtrat, ist überzeugt, dass das Förderprogramm weitere Privatinvestitionen zur Folge haben wird. Foto: W. Schenk

Herr Bergmann, was muss in der nördlichen Johannstadt dringend getan werden, um die Lebensbedingungen der Einwohner zu verbessern?

Die energetische Sanierung der Grundschule Johanna war ein erster wichtiger Schritt, doch gibt es noch viel mehr zu tun, um das Viertel rund um den Bönischplatz aufzuwerten. Ich denke da zum Beispiel an das Umfeld des Plattenwerks. Das Programm bietet die Chance, weitere notwendige bauliche Maßnahmen für Jugend-, Bildungs- oder Kultureinrichtungen zu fördern. Der Kindertreff JoJo sucht beispielsweise ein neues Zuhause und auch der Kulturtreff Johannstadt braucht eine Perspektive. Ich will mich vor allem dafür einsetzen, dass die Mittel nicht nur in Beton, sondern auch in soziale Projekte investiert werden.

Wie schnell können die Mittel zum Einsatz kommen?

Wir haben jetzt im Stadtrat grünes Licht für ein Förderpaket von 6,2 Millionen Euro gegeben. Ein Quartiersmanagement soll bereits 2015 in Angriff genommen werden. Damit stehen auch Mittel für die Unterstützung von kleineren Projekten zur Verfügung. 120.000 Euro plant die Vorlage dafür ein. Mir ist wichtig, dass die vor Ort engagierten Akteure zu Wort kommen und im kommenden Jahr die Prioritäten des integrierten Handlungskonzepts mit ihnen gemeinsam erarbeitet werden.

Was unterscheidet die Situation in der Johannstadt von anderen Stadtteilen in Dresden?

Die Johannstadt hat verschiedene Gesichter. Der Stadtteil ist von der Lage her sehr attraktiv, liegt nah zur Elbe und zur Innenstadt und bietet trotzdem noch preiswerten Wohnraum. Auf der anderen Seite konzentrieren sich im Stadtteil aber auch erhebliche städtebauliche Defizite und soziale Problemlagen. Die Plattenbauten der Gagfah und das Wohnumfeld sind zum Teil erheblich vernachlässigt. Die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich hoch, der Anteil Alleinerziehender auch. Jedes zweite Kind wächst in einem Hartz IV-Haushalt auf. In den Grundschulen und Mittelschulen kommt mehr als ein Drittel der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Der Stadtteil ist bei Spätaussiedlern und Einwanderungsfamilien aus Osteuropa sehr beliebt, hinzu kommt eine vergleichsweise große vietnamesische Landsmannschaft. Ich sehe die kulturelle Vielfalt auch als eine Chance. Aber es muss jetzt etwas getan werden, damit die Situation nicht kippt.

Was kann ein kleines Förderprogramm mit etwas mehr als 6 Millionen Euro überhaupt bewirken?

Die Ausstattung ist in der Tat nicht üppig. Wir hätten uns mehr gewünscht und wir haben dafür auch Vorschläge gemacht. Trotzdem wäre es schon ein großer Erfolg, wenn es jetzt im dritten Anlauf endlich klappt, eine Förderung auf die Beine zu stellen. Zudem soll es ein weiteres Europäisches Förderprogramm (EFRE) für die Johannstadt/Pirnaische Vorstadt geben. Die Mittel kann man dann sinnvoll miteinander verknüpfen. Außerdem bewirken Investitionen der öffentlichen Hand in der Folge immer auch Privatinvestitionen. Erfahrungenwerte gehen hier vom Faktor 8 aus. Mit dem Gesamtpaket kann man also schon einiges bewegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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