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Dresdner Hoteliers: Beherbergungssteuer zu hoch und zu bürokratisch

Nach sechs Monaten mit der neuen Beherbergungssteuer haben Dresdner Hoteliers heute eine vernichtende Bilanz gezogen: Unangemessen hoch, zu viel Bürokratie und kein einziger Vorteil für die Gäste. „Nach tollen Eindrücken von der Stadt kommt für die Gäste beim Auschecken erst der große Schreck und dann die Empörung“, beschreibt Kevin Furrer, General Manager im Swissôtel Dresden, den Alltag am Hoteldesk.

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Kevin Furrer: Der erste und der letzte Eindruck des Gastes entscheidet. Foto: W. Schenk

„Dabei sind der erste und der letzte Eindruck in unserer Branche die wichtigsten“, sagte Furrer. Eine negative Bewertung durch einen Gast in einem der Buchungsportale würde im Durchschnitt von 16 Nutzern gelesen. Das potenziere sich sehr schnell.

Auch Anja Ratzsch, Direktorin des Star Inn Hotels am Altmarkt, berichtete von „verärgerten und auch aggressiven Reaktionen“ der Gäste. Aufgrund der Staffelbeträge sei es nicht möglich, dem Gast vorab die konkrete Höhe der zu entrichtenden Steuer mitzuteilen. Mit viel Unverständnis würden Geschäftsreisende auf die verlangten Nachweise des Arbeitgebers reagieren. Das ist zu kompliziert und zeuge von wenig Vertrauen in die Kunden, so Ratzsch. Ein Unternehmen sei wegen des Bestätigungsverfahrens, das vor allem bei Seminarveranstaltungen für eine größere Teilnehmerzahl sehr aufwändig werde, abgesprungen. „Die Firma macht ihre Seminare jetzt an einem anderen Ort, uns wird der Kunde fehlen“, sagt Ratzsch, deren Hotel erst im Februar 2015 eröffnet wurde.

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Anja Ratsch: Für Geschäftsreisende ist die Steuer zu bürokratisch. Ein großer Kunde ist bereits abgesprungen. Foto: W. Schenk

Weil die Staffelbeträge mit der gängigen Hotelbuchungssoftware nicht verarbeitet werden können, müssten zudem Mitarbeiter in der Nacht die Rechnungen händisch vorbereiten, erklärt Thomas Gaier, Chef im Hotel Schloß Eckberg. Auch er hat schlechte Erfahrungen mit aufgeregten Gästen gemacht, die dann das Personal am Desk beleidigen würden.

Bettensteuer, das unter den Pegida-Demonstrationen leidende Image und die heißen Augusttage haben bereits in diesem Jahr für einen Rückgang der Übernachtungen gesorgt. Im Oktober kamen 4,9 Prozent weniger Gäste als 2014, geht aus der aktuellsten Statistik hervor. Beim Durchschnitt für das bisherige Jahr profitiere man noch vom guten ersten Halbjahr. Dennoch falle auch die Bilanz von Januar bis Oktober mit einem Minus von 2,6 Prozent negativ aus.

Große Sorgen macht den Hoteliers der Ausblick auf das kommende Jahr. Die Personalplanung werde bereits angepasst. Während der Swissôtel-Manager frei werdende Stellen nicht wieder besetzen will, wird im Schloß Eckberg für 2016 mit zwei Stellen weniger geplant.

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Thomas Gaier: Wegen der schlechten Aussichten plane ich mit zwei Stellen weniger für 2016. Foto: W. Schenk

Konsequenzen hätten die schlechten Geschäftserwartungen auch für die vom Tourismus abhängigen Geschäfte bei den Stadtführern, der Dampfschifffahrt, in Restaurants oder im Einzelhandel, sagte Johannes Lohmeyer, Präsident des Tourismusverbandes Dresden.

Er setzt seine Hoffnung auf Gespräche mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Mit der für die Steuer verantwortlichen rot-grün-roten Stadtratsmehrheit habe es seit der Entscheidung im Stadtrat keine Gespräche mehr gegeben, sagt Lohmeyer. Er kritisierte, dass es zu den damals beschlossenen Erleichterungen für Touristen bis heute keine konkreten Vorlagen gibt.

Die seit Juli erhobene Beherbergungssteuer ist eine reine kommunale Abgabe ohne Zweckbindung. Sie fließt als Einnahme in den Stadthaushalt. Linke, Grüne und SPD rechnen pro Jahr mit mindestens 6 Millionen Euro. Diese seien notwendig, um eine Erhöhung der Grundsteuer, die die Dresdner zu zahlen hätten, zu vermeiden.

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