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Lkw-Fahrer demonstrieren in Dresden für höhere Löhne

In Dresden demonstrierten am Samstag rund 300 Lkw-Fahrer für höhere Löhne und einen faireren Wettbewerb. Mit 80 Lastkraftwagen fuhren sie durch die Dresdner Innenstadt und trafen sich dann zur Abschlussdemo auf dem Altmarkt. Initiator des Protestes ist die Organisation „Actie in de Transport Deutschland“ (AidT).

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Dirk Duhme: Kaum einer weiß von den miserablen Lohnbedingungen. Foto: Dominik Brüggemann

Mitorganisator Dirk Duhme, selbst seit rund 30 Jahren hinter dem Steuer, zog im Gespräch eine positive Bilanz. „Kaum einer weiß von den miserablen Lohnbedingungen und Dumping-Löhnen der Lkw-Fahrer. Umso wichtiger ist es, dass hier heute so viele Menschen bei der Kundgebung dabei sind“, ordnete er die erste Kundgebung von AidT in Dresden ein. Duhme bat zudem um Verständnis für die Verkehrseinschränkungen im Stadtgebiet. „Noch wollen wir zunächst auf unsere Probleme aufmerksam machen. Im Laufe des Jahres planen wir auch Langsamfahrten und eine europaweite Sternfahrt nach Berlin“, so Duhme über die Bewegung, die seit Anfang 2013 knapp 8.000 Mitglieder in Deutschland vereint hat und in elf europäischen Ländern organisiert ist.

Die Resonanz unter den Dresdner Spediteuren war trotz des Aufrufes an alle verhalten. Unter anderem schickten Schenker und Synergy Health Radeberg GmbH Vertreter zu der Kundgebung. Falk Czelinski, verantwortlich für die Logistik beim Radeberger Unternehmen, kam mit drei Fahrern auf den Altmarkt: „Die Konkurrenz ist extrem hart, die Margen werden immer kleiner. Im Transportgewerbe ist es bereits fünf nach zwölf“, beurteilt er die aus seiner Warte schlechten Rahmenbedingungen ein. In Sachsen erhielten Lkw-Fahrer selten mehr als 1400 Euro ausgezahlt und müssten häufig 50 Stunden in der Woche arbeiten, schätzte er. Da in den vergangenen Jahren die Kosten für Sprit, Maschinen und Steuern angestiegen seien, blieben einzig die Personalkosten, bei denen viele Spediteure die Stellschraube drehten.

Für die anstehenden Tarifverhandlungen über höhere Löhne in der Branche von Postdiensten, Speditionen und Logistik hat der Bundesfachbereichsvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) den Tarifkommissionen eine Forderung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten vorgeschlagen „Das Wirtschaftswachstum ist stabil. Die Beschäftigten brauchen mehr Geld, damit die Kaufkraft erhalten bleibt. Dies gilt erst recht in einer Branche, die stark von einer stabilen Binnenkonjunktur profitiert“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. In diesem Jahr werden in fünf Bundesländern die Flächentarifverträge Speditionen und Logistik verhandelt.

Duhme und seine Kollegen der AidT haben jedoch weitere Forderungen. Ein wichtiger Schritt sei zum Beispiel eine bessere Kontrolle der Kabotageregelung. Diese sieht eine beschränkte Transportleistung von ausländischen Spediteuren innerhalb eines Fremdlandes vor. „Hier sind drei Fahrten je Woche erlaubt. Setzt ein Spediteur bewusst auf mehr Fahrten, steigt die Marge. So wird ein von der Europäischen Union eingeführtes Instrument umgangen und der Wettbewerb verlagert sich in die Länder, wo das Lohnniveau besonders niedrig ist.“ Mitorganisator Duhme setzt auf seine Kollegen. „Wir vernetzen uns stetig, tauschen uns aus und haben die gleichen Sorgen. Ich hoffe, unsere Bewegung wird weiter wachsen und unsere Forderungen finden Gehör“, so Duhme am Rande der Kundgebung.

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