NOMOS Swing-System

Uhrenindustrie: TU Dresden und Nomos Glashütte brechen Schweizer Monopol

Ingenieure der Uhrenmanufaktur Nomos Glashütte und Wissenschaftler der TU Dresden haben mit der Entwicklung eines eigenes Schwingsystems für mechanische Uhren ein schweizer Monopol gebrochen. Bisher war es die zur Swatch-Gruppe gehörende Firma Nivarox, die allein in der Lage war, das Assortiment oder Reglage genannte Herzstück jeder mechanischen Uhr zu bauen. Die zentrale Steuererinheit besteht aus Unruh, Spirale, Ankerrad und Anker und sorgt für die Genauigkeit der Uhr. Unsere Neuentwicklung „sichert das Wachstum der Manufaktur über Jahre und Jahrzehnte hinaus, das ist eine Unabhängigkeitserklärung in der Welt der feinen Uhren“, erklärte Glashütte-Sprecherin Ute Fischer-Graf.

NOMOS Swing-System

Nomos Swing-System DUW 4401. Foto: PR

In Glashütte heißt die Neuentwicklung jetzt Nomos Swing-System und wurde erstmals in das Modell Metro integriert – in dem Handaufzugswerk DUW 4401. Vorgestellt wurde die Neuheit im März auf der Baselworld, der weltweit wichtigsten Messe der Uhren- und Schmuckindustrie. Ab Mai kommt das Modell in den Handel. Geplant ist, so Firmensprecherin Fischer-Graf, zunächst alle Modelle mit Gangreserve-Anzeige mit dem neuen Swing-System auszustatten.

Das kleine Forscherteam am Institut für Maschinenelemente und Maschinenkonstruktion der TU Dresden hat sich intensiv mit dem Bewegungsablauf bei Räderwerk, Hemmung und Unruh beschäftigt, den Kraftfluss vom Federhaus zum Schwingsystem untersucht und ein theoretisches Modell für die Hemmung entwickelt, erläutert Benjamin Röseler. Das ist jener Teil, der dafür sorgt, dass die aufgezogene Feder sich nicht sofort entlädt, sondern die Kraft gleichmäßig an das Schwingsystem abgibt. Am Ende wurde so der gesamte Ablauf simuliert. Das seit 2009 laufende Projekt werde bis August abgeschlossen. Forscherkollege Lutz Reichel ist inzwischen schon zu Nomos Glashütte gewechselt. Mit der entwickelten Software können bei Nomos die Swingsysteme, der Wirkungsgrad und die Genauigkeit berechnet werden, bevor die Teile produziert werden. Bei den Schweizern liegen diese Hersteller-Geheimnisse sicher im Safe verschlossen. „Wir wissen nicht, was die dort haben, aber es wird schon etwas ähnliches sein“, vermutet Röseler.

NOMOS Metro

In dem Modell Metro mit Gangreserve-Anzeige hat das Swing-System Premiere. Foto: PR

Bei der Swatch-Gruppe ist man gelassen. „Wir sind immer froh, wenn es etwas Neues gibt, Konkurrenz macht uns nur stärker“, erklärt Swatch-Sprecherin Béatrice Howald auf Anfrage. Es sei nicht gut, wenn sich die Uhrenhersteller blind auf die Swatch-Gruppe verlassen, „statt selbst etwas auf die Beine zu stellen“, fügt Howald hinzu. Sie erinnert daran, dass das Unternehmen schon lange darum kämpft, nicht mehr jeden Hersteller von mechanischen Uhren beliefern zu müssen. Die Schweizer Wettbewerbskommission Weko hatte im vergangenen Jahr jedoch verfügt, dass die Swatch-Tochter Nivarox weiterhin die Hersteller beliefern müsse, um die Branche – und hier vor allem die kleineren Hersteller – nicht zu gefährden. Die Stückzahlen sind seit 2010 jedoch eingefroren.

Bis 2016 muss die Swatch-Gruppe noch die Uhrenhersteller beliefern. Dann bewertet die Weko den Antrag neu. Das dürfte bei vielen Herstellern für mechanische Uhren für Unruhe sorgen. Bei Nomos Glashütte wird man dieser Entscheidung nun sehr gelassen entgegen sehen.

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