Gastronomen im Stadtbezirk Pieschen bereiten sich auf den Neustart vor

„Wir haben alles geputzt. Das Team ist hellauf begeistert, dass es endlich wieder losgeht“, kündigte Mirko Unger den Start im Brauhaus Watzke für Freitag an. Mit einem Sicherheitsabstand von Stuhl zu Stuhl und Tisch zu Tisch geht der Betrieb nach fast zweimonatiger Zwangspause wieder los. „Wir haben uns entschieden, auch an den Tischen für den nötigen Abstand zu sorgen“, erklärt der Geschäftsführer des Ball- und Brauhauses Watzke. Alle Gasträume werden geöffnet sein. „Dort haben wir statt 300 jetzt 150 Plätze, im Biergarten sind es etwa 120 statt der sonst üblichen 400 Plätze“, sagt er. Zum Neustart nach der Corona-Pause werde es eine etwas reduzierte Speisekarte geben. „Wir wollen uns allmählich herantasten und sehen, wie das Publikum unsere Angebote annimmt“, so der Brauhaus-Chef.

Seit gestern sind die Spielregeln für die Neueröffnung geklärt, der Dehoga-Dachverband hat eine entsprechende Hygiene-Checkliste veröffentlicht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist die Webseite inzwischen auch wieder erreichbar. „Diese Handreichung war sehr gut“, meinte Unger. Obwohl vieles davon auch sonst selbstverständlich sei. Aber die Flasche mit der Worcester-Sauce zum Würzfleisch werde nun nach jeder Benutzung gereinigt.

Mit umfangreicher Spargelkarte will der „Landstreicher“ am Dienstag starten. Foto: W. Schenk

„Bis Freitag schaffen wir das nicht“, meint dagegen Landstreicher-Inhaber Klaus Schiemann. Stabile Halterungen und Flaschen für die Desinfektion sind gerade vergriffen. „Ich hoffe, dass wir das bis Montag alles beisammen haben und am Dienstag starten können“, sagt er. Draußen läuft der Außer-Haus-Verkauf. „Ja, damit waren wir ab 4. April die Vorreiter in Mickten“, erinnert er sich. Auch wenn es an den Wochentagen eher ein Zuschussgeschäft war, habe man gezeigt, das der Landstreicher für seine Kunden da sei. Das 15-köpfige Team ist noch beisammen. Allerdings mussten wir auch Kurzarbeit in Anspruch nehmen. „Der ganze Bürokratiekram mit den Behörden war schon sehr ungewohnt und schwierig“, sagt er und fügt hinzu. „Da hätte man Hilfe von jemandem, der sich damit auskennt, gut gebrauchen können“. Jetzt wartet er noch auch die Erstattung des Kurzarbeitergeldes durch das Arbeitsamt. Das, so sagt er, musste ich erst einmal auslegen. Der Landstreicher werde mit seiner gewohnten Speisekarte starten – jetzt mit vielen Spargelgerichten. Schiemann freut sich auf die Gäste und rechnet zu Himmelfahrt und Pfingsten mit gutem Besuch. Danach werde Normalität einziehen. „Wir werden spüren, dass es auch den anderen in den letzten Monaten finanziell nicht so gut ging“, geht er mit eher gedämpften Erwartungen in die nächsten Monate.

Die DEHOGA unterstützt die Gastronomen mit Hinweismaterialien. Quelle: dehoga.de

Im Street Food Vietnam am Straßenbahnhof Mickten ist Inhaber Nam Do mit dem Umsatz für die Außer-Haus-Lieferungen sehr zufrieden. „Wir haben uns ein neues Online-Bestellsystem aufgebaut. Die Kunden können online auch gleich bezahlen“, erzählte er. Für den Betrieb im Gastraum wird er die Zahl Sitzplätze von derzeit 24 auf die Hälfte reduzieren. Den Mundschutz für die Beschäftigten habe seine Mutter genäht, meinte er. Er geht davon aus, dass viele Kunden bis zur völligen Normalisierung des Alltags ihr Essen bestellen und abholen werden.

Street Food Vietnam Fenster

Die Plätze am Fenster im Bistro „Street Food Vietnam“ werden reduziert. Foto: W. Schenk

Auch das Café Gemüsetorte bereitet sich auf die Wiedereröffnung vor. Änne Stange hat es mit Außer-Haus-Lieferung versucht, dann aber drei Wochen das Geschäft geschlossen. Ab Montag wird wieder gekocht und gebacken, sagt sie und freut sie sich, endlich ihre Gäste und vor allem die vielen Stammkunden wiederzusehen.

Ab Sonnabend 11 Uhr öffnet auch die Bergwirtschaft Wilder Mann. „Wir rücken die Tische auseinander und messen gerade mit dem Zollstock noch einmal die Mindestabstände“, erzählt Birgit Schulze vom Team der Bergwirtsschaft. Auch die Terrasse könne wieder genutzt werden. Die Anforderungen auf der Hygiene-Checkliste hätten sie nicht überrascht. Da stehe vieles drin, was ohnehin praktiziert werde. „Das lernt die Kellner schon in der Ausbildung“, meinte sie. Beim Mundschutz für das Personal habe man sich mit ausreichend Ein-Weg-Material ausgerüstet.

Die Fans vom Trobischhof müssen sich noch etwas gedulden. Das Restaurant bleibt geschlossen. „Wir werden mit dem Pensionsbetrieb beginnen“, sagt Inhaberin Stefanie Dietmann. Erste Anfragen seien bereits eingegangen. Für die Gäste werde es auch ein Frühstücksangebot geben. Am 18. März hatte das Restaurant das letzte Mal geöffnet. „Seit dem hatte ich Zwangsurlaub, aber ohne Urlaubsstimmung“, meint sie.

Die sächsische Staatsregierung hatte gestern umfangreiche Lockerungen der Corona-Beschränkungen verkündet. Sie ermöglichen auch den Start für Hotels, Pensionen und Gastronomiebetriebe.

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