Maik und Manu haben im Mai das Café Mahlgrad 156 in Mickten eröffnet

Als ich am Mahlgrad 156 ankomme, schraubt Inhaber Maik gerade an einem kleinen Außenstehtisch. Die Idee dazu sei erst heute morgen entstanden, erzählt er. Während er die letzten Überbleibsel der spontanen Bauaktion verräumt, verspeise ich ein lecker-saftiges Karottenmuffin und schaue mich etwas um.

Viel bewegen muss man sich dazu nicht – das kleine Café besteht aus einer Theke, auf der das Herzstück – die Kaffeemaschine – thront, einer Küchenecke, sowie einem kleinen Gastraum. Dafür gibt es überall etwas zu entdecken – Getöpfertes im Regal, aus der Decke sprießende Kunststoff-Flora, Bilder eines befreundeten Künstlers an einer der Wände. Schiefertafeln und weißgestrichenes Holz zerfließen mit dem im Hintergrund ertönenden Deutschrap zu einer unkonventionellen Melange.

Über Latte Art hinaus hat Maik auch ein Händchen für das Dekorieren der Kaffeekreationen. Foto: A. Panzlaff

Ich fühle mich sofort wohl. Maik serviert einen Cappuccino mit selbst hergestelltem Rotkohl-Muskat-Zimt-Sirup, der wie gemacht ist für diesen trüben Tag, und ganz anders schmeckt als die ähnlich klingenden zuckrigen Mixgetränke großer kommerzieller Caféketten. Während sein Geschäftspartner und langjähriger Freund Manu, mit dem Maik das kleine Café gemeinsam eröffnet hat, im Urlaub ist und den Ararat besteigt, erzählt Maik am eben vollendeten Stehtisch, dass ihm die Idee zu einem Café bei einer Reise nach Australien kam. Dort habe er zum ersten Mal wirklich guten Kaffee gekostet, den es damals in Dresden noch kaum gegeben habe.

Bis zur Eröffnung des Mahlgrad 156 mussten dennoch weitere zehn Jahre vergehen – zum Ansparen von Mut und Mitteln. Dieses Frühjahr ging dann aber doch alles ganz rasch: Maik erzählt, dass zwischen Entdecken der leerstehenden Räumlichkeiten und der Eröffnung am 10. Mai lediglich acht Wochen lagen. Schwer vorstellbar – das kleine Café sieht aus, als wäre es schon immer hier gewesen.

Für die belegten Brotkreationen ist Manu als gelernter Koch zuständig. Foto: A. Panzlaff

Seit Stunde eins ist das Mahlgrad 156 ein wahres Gemeinschaftsprojekt, bei dessen Aufbau Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte mit Rat und Tat zur Seite standen. Den familiären Charakter soll es auch behalten, erzählt Maik. Es wirkt, als sei dies jetzt schon geglückt: Keine Minute vergeht, ohne dass er jemandem zuwinkt, ein paar Worte mit vorbeischlendernden Personen wechselt, oder
mittagspausierenden Freunden schnell ein paar Kaffees kredenzt.

Unter letzteren ist auch der Künstler, der die ausgestellten Bilder gemalt hat. Maik erzählt, dass das Mahlgrad 156 auch ein Platz sein soll, um lokalen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform zu geben, ihre Schöpfungen auszustellen – sei dies Malerei, Töpferei oder Handwerk. Auch der Kontakt zu Ladeninhabern der Umgebung sei herzlich, man tausche sich aus und bringe sich gegenseitig Leckereien vorbei. Dennoch sei der Start schwieriger gewesen als gedacht – Maik vermutet, dass am Anfang vielleicht mehr Werbung nötig gewesen wäre. Er lasse sich aber immer etwas Neues einfallen, um potentielle Gäste anzusprechen, und wiederkehrende Gesichter gebe es trotzdem schon: So habe zum Beispiel der Espresso die Feuertaufe durch das Urteil einer Gruppe italienischer Stammgäste bestanden.

Ein perfekter Platz, um das Treiben in Mickten zu beobachten: der kleine Stehtisch. Foto: A. PanzlaffMaik u

Neben Espresso und weiteren Kaffeekreationen finden sich auf der Karte des kleinen Cafés auch süße Leckereien und Stullen – alles hausgemacht. Bei ersterem wird es zukünftig auch vegane Optionen geben, erzählt Maik. Für die belegten Brotkreationen ist hingegen Manu als gelernter Koch zuständig. Veganett-Aufstriche treffen hier auf frisches Gemüse, knackigen Salat und aus einem Familienbetrieb
bezogenes Sauerteigbrot. Auch Picknickkörbe kann man sich von dem gastroerfahrenen Duo zusammenstellen lassen. Ich werde aufgeklärt: Die Zahl in „Mahlgrad 156“ bezeichnet lediglich die Hausnummer des Cafés, und keine besonders feine Spezifizierung der Kaffeezerkleinerung, wie mensch als Kaffeelaie annehmen könnte.

Für die Zukunft wünscht sich Maik, mit dem Café Fuß zu fassen und damit einen Teil zu Pieschens Kaffeekultur beitragen zu können. Etwas, das hier sicherlich neu ist, ist Maiks Bananenkaffee. Meine etwas skeptische Reaktion sei ganz normal, sagt er, aber wer ihn einmal probiert habe, komme auf jeden Fall wieder. Der Bananenkaffee blieb mir zwar vorenthalten, beim nächsten Besuch im Mahlgrad 156 gibt es ihn aber sicherlich zum Plausch mit Maik dazu.

Service:

Café Mahlgrad 156
Leipziger Straße 156
Angebot: Stullen, süße Leckereien und Kaffeekreationen
mehr Infos gibt es online

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