Einbruch in das Grüne Gewölbe: Anklage nennt Schauplätze in Pieschen

Bei der Verhandlung um den Einbruch in das Grüne Gewölbe am 25. November 2019, die am vergangenen Freitag vor dem Dresdner Landgericht begonnen hat, geht es auch um mehrere Vorfälle in Pieschen. Angeklagt sind drei Brüder und deren Cousins, die jetzt zwischen 22 und 28 Jahre alt sind. Sie gehören zum arabisch-stämmigen Remmo-Clan, der in Berlin zu Hause ist.

Da das Landgericht nicht über die erforderlichen Räume verfügt, findet die Verhandlung in einem besonders gesicherten Saal des Oberlandesgerichts im Hammerweg statt. Die zu Beginn verlesene Anklageschrift nennt die Tat „akribisch vorbereitet“. Sie beschreibt die Ergebnisse der umfangreichen Ermittlungen zur Vorbereitung und Durchführung des Einbruchs. Immer wieder spielen dabei Schauplätze in Pieschen eine Rolle: Die Kötzschenbroder Straße, die Leipziger Straße und die Konkordienstraße.

Ein Mercedes und ein Audi in Pieschen

Für ihre Tat nutzen die Einbrecher zwei Fahrzeuge – einen Mercedes E500 und einen Audi S6 Avant. Beide Fahrzeuge, so die Anklageschrift, seien nicht zugelassen worden. Statt dessen wurden Dubletten verschiedener Kennzeichen an den Fahrzeugen angebracht. So konnte ein Kennzeichen einem Dresdner Taxibetrieb zugeordnet werden.

Der Audi sei bei der Vorbereitung der Tat verwendet worden. Zum Beispiel in der Nacht auf den 20. November. Unter anderem wurde im Pegelhaus an der Augustusbrücke ein Feuerlöscher entwendet und in die Elbe geworfen, um spätere Löschversuche zu verhindern. Auf der Könneritzstraße wurde der Audi in dieser Nacht von einer zivilen Polizeistreife bei einem unerlaubten Wendemanöver beobachtet. Als die Beamten versuchten, das Fahrzeug zu kontrollieren, gelang den Insassen die Flucht mit dem Auto – auf regennasser Fahrbahn mit einer Geschwindigkeit von mehr als 120 Stundenkilometern. Dies, so die Anklage, sei Grund dafür gewesen, das ursprünglich blaue Fahrzeug umzuspritzen oder neu zu folieren – auf hellgrau oder silber mit dunklem Dach.

Der ursprünglich blaue Audi wurde umgespritzt. Foto: Polizei Dresden

In der Tatnacht nahm eine Überwachungskamera das Fahrzeug in den neuen Farben gegen 3.43 Uhr in der Leipziger Straße auf. Da waren die Täter auf dem Weg in die Stadt und hatten zuvor den Mercedes im Umfeld der Kötzschenbroder Straße für die spätere Flucht geparkt.

Kennzeichen in Konkordienstraße gestohlen

Bisher kaum erwähnt wurde folgender Sachverhalt. Auf dem Weg in die Stadt sollen die Täter in der Konkordienstraße bei einem im Bereich des Spielplatzes abgestellten VW Golf die Kennzeichen gestohlen und diese am Audi befestigt haben. Die zuvor verwendeten Kennzeichen waren möglicherweise von der Zivilstreife erkannt worden. Außerdem, so die Anklageschrift, wollte due Täter nicht mit einem auswärtigen Kennzeichen auffallen.

Um 5.04 Uhr, 21 Minuten nach ihrem Aufbruch in die Stadt, waren die Einbrecher bereits mit ihrer Beute zurück in Pieschen in der Kötzschenbroder Straße. Dort sollen sie den gestohlenen Schmuck und ein Teil der Einbruchwerkzeuge in den Mercedes verladen haben. Den Audi stellten sie in der Tiefgarage des Wohnkomplexes in der Kötzschenbroder Straße 8 ab. Bis zu fünf Liter Benzin – so das Ergebnis der Ermittlungen – seien im Fahrzeuginneren verteilt und in Brand gesetzt worden. Drei weitere Fahrzeuge seien ebenfalls in Brand geraten. Insgesamt wurden hier 61 Fahrzeuge beschädigt. Unmittelbar nach der Brandlegung seien die Täter mit dem Mercedes von Pieschen aus nach Berlin geflohen.

Zeugin hört Explosionen

Während der Audi brannte, zündete ein dort zurückgelassener und geladener Revolver durch die Hitze. Ein Schuss löste sich. Zwei weitere Patronen wären in der Trommel gezündet und hätten den Revolver rechts und links des Laufes verlassen, so die Ermittlungsergebnisse. Möglicherweise waren dies die Geräusche, die eine Zeugin vernommen hatte. Sie wollte gegen 5.05 Uhr zu ihrem in der Tiefgarage abgestellte Auto, als sie stechenden Geruch von brennendem Gummi wahrnahm. Außerdem seien die Alarmanlage eines Fahrzeuges und der Feuermelder der Tiefgarage ausgelöst worden. Nach einem explosionsartigen Geräusch habe die Zeugin in Panik die Tiefgarage verlassen und dabei vier weitere Explosionen gehört.

Feuerwehreinsatz in der Kötzschenbroder Straße 8. Foto: W. Schenk

Schaden von rund 637.000 Euro

Den in der Tiefgarage angerichteten Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf rund 421.000 Euro. An einigen Stellen sei der Beton an der Decke durch die Hitze bis auf die Armierung ausgebrochen. Hinzu kämen ausgefallene Mieteinnahmen für die Stellplätze in Höhe von rund 45.600 Euro. Der Schaden an den vom Brand beschädigten Fahrzeugen belaufe sich auf rund 171.000 Euro. Über ein Jahr hätte die Tiefgarage wegen der Reparaturarbeiten nicht genutzt werden können.

Verhandlung hat begonnen

Für die Gerichtsverhandlung sind nach dem Eröffnungstag bereits weitere 49 Termine angesetzt worden. Der nächste Verhandlungstag soll der 11. Februar sein. Die Anklageschrift benennt das ganze Ausmaß der Tat. 21 Schmuckstücke, mit über 4.300 Diamanten und Brillanten besetzt, wurden entwendet. Sie waren in den Ausstellungsvitrinen auf Einlegeplatten festgenäht. Wie auf dem nach dem Einbruch veröffentlichten Überwachungsvideos zu sehen war, wurden die Vitrinen mit brutalen Axtschlägen zerstört – 56 Hiebe nennt die Anklageschrift. Den Gesamtwert der gestohlenen Kostbarkeiten beziffert die Staatsanwaltschaft mit 113,8 Millionen Euro. Zu den in der Kötzschenbroder Straße angerichteten Sachschäden kommen noch die im Pegelhaus mit rund 127.000 Euro und die im Residenzschloss mit rund 295.000 Euro hinzu und summieren sich so auf rund 1,1 Millionen Euro. Die Täter hätten die durch das Auslösen der scharfen Schusswaffe und die mit dem Brand einhergehende Gefahr für Leben und Eigentum der Anwohner in der Kötzschenbroder Straße 8 „bewusst und billigend in Kauf genommen“, so die Anklageschrift.

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