Politik-Premiere im Kunstforum RadioLenck: Was macht meinen Stadtteil lebenswert?

Heute Abend könnte sich herausstellen, ob ein Kombi-Bad für mehr als 100.000 Einwohner in Pieschen und in der Neustadt Chancen auf eine Mehrheit im Stadtrat hat. Vergangene Woche hatte der Sportausschuss des Stadtrates einen entsprechenden Antrag mit großer Mehrheit befürwortet. „Bei uns fällt die Entscheidung am Dienstagabend auf der Fraktionssitzung“, sagte CDU-Stadtrat Veit Böhm gestern Abend auf einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was macht unseren Stadtteil lebenswert?“ im Kunstforum RadioLenck. Galerist Lutz Jacobasch und Maler Olaf Amberg, der dort gerade seine Bilder ausstellt, hatten eingeladen. Wenn die CDU-Fraktion mit ihren 21 Stadträten für ein eigenes Bad in Pieschen und der Neustadt votiert, haben sie gemeinsam mit den elf Grünen und 6 SPD-Stadträten eine Mehrheit von 38 Stimmen. Dann würde die Sportstrategie der Stadt bis 2030 entsprechend geändert und auch der Satz gestrichen, dass der Neubau in Klotzsche auch die Einwohner von Pieschen und der Neustadt mitversorgen könne.

Veit Böhm saß gestern neben Grünen-Stadtrat Torsten Schulze und Frank Elsner, 2. Vorsitzender des Sportvereins Motor Mickten, im Schaufenster der Galerie am Konkordienplatz. Dort befand sich das Podium. Moderator Olaf Amberg saß zu ebener Erde. Schnell kam die Runde von den allgemeinen Vorstellungen über einen lebenswerten Stadtteil auf das Thema Schwimmangebote.

Schulze erläuterte den gemeinsamen Antrag von Grünen und SPD für eine eigenen Schwimmhalle für beide Stadtteile. Böhm stimmte zu und war sehr zuversichtlich, dass er seine Fraktionskollegen überzeugen werde. Mit einer Überraschung wartete Frank Elsner auf. Er umriss mit wenigen Worten eine Idee, mit sich der Verein Motor Mickten an der Debatte beteiligen will. „Wir wollen den Sport dahin bringen, wo die Leute wohnen“, sagte er. Verschiedene Experten mit Erfahrungen in der Immobilienentwicklung für den Freizeitbereich hätten erklärt, dass es sinnvoller sei, große Anlagen mit einer Vielfalt von Angeboten unter einem Dach zu entwickeln. So habe man für das Wunschareal an der Harkortstraße eine „große multifunktionale Anlage konzipiert“. In dem Gebäude mit mehreren Etagen sei auch die Schwimmhalle untergebracht. Fussball könne man zum Beispiel auch auf dem Dach spielen. „Wir wollen den Familien einen Vollsortimenter für Sport und Freizeit anbieten“, zog er einen anschaulichen Vergleich. In der vergangenen Woche habe die Mitgliederversammlung des Sportvereins dem Konzept zugestimmt. Jetzt wolle man es den Vertretern aus Politik und Gesellschaft vorstellen. Stefan Engel meldete sich als einer der knapp zwanzig Gäste zu Wort. Er erinnerte daran, dass der SPD-Vorstoß für einen Schwimmbad-Neubau an der Harkortstraße im Oktober 2016 auf wenig Gegenliebe gestoßen sei. Gerade wegen seiner Verkehrsanbindung sei der Standort jedoch ideal. Er freue sich, dass es inzwischen eine breite Mehrheit für die Idee gibt.

Klar, dass für die Gäste im Podium nicht nur Schwimmangebote wichtig sind, damit ein Stadtteil lebenswert ist. Und so kam die Sprache auch auf die Elbquerung mit Fähre, Brücke oder gar einer Seilbahn, auf das Sachsenbad, den Hochwasserschutz oder die Zukunft des Alten Leipziger Bahnhofes. Auch die Frage, wie man die Lebensbedingungen für die Frauen verbessern könne, stand im Raum. Spätestens, als sich nach fast zwei Stunden eine Debatte um das Thema „Wohnen und Mieten“ entspannte, wäre eine gute Gelegenheit gewesen, daraus eine Einladung zu einer nächsten Podiumsdiskussion zu machen. Galerist Lust Jacobasch, für den dieser Abend eine Premiere als Gastgeber war, will jetzt darüber nachdenken, ob und wie er die Idee fortsetzen kann.

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