leipziger bahnhof

Pläne für Jüdisches Museum am Alten Leipziger Bahnhof

„Die Idee eines jüdischen Museums am Alten Leipziger Bahnhof würde ich voll unterstützen“, sagte Christian Helms von der Initiative „Wohnen am Leipziger Bahnhof“. Es sei wichtig, so Helms, dass das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gräueltaten auch an authentischen Orten erfolgen könne. Die noch bestehenden Gleisanlagen und das Empfangsgebäude seien solche Zeitzeugen. Am vergangenen Wochenende hatte der Beauftragte für das jüdische Leben in Sachsen, Thomas Feist, über Verhandlungen mit dem Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zur Nutzung des Alten Leipziger Bahnhofs als jüdisches Museum berichtet. In der Onlineausgabe der „Jüdischen Allgemeine“ erklärte er, dass sich bereits seit 2014 ein Verein für die Idee eines Jüdischen Museums engagiert. Seit 2019 „wird konkret über den Alten Leipziger Bahnhof als Standort nachgedacht“, erklärte Feist und fügte hinzu. „Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, hängt von der Unterstützung durch den Dresdner Stadtrat ab.“

Gedenktafel Deportationen Alter Leipziger Bahnhof

Seit 2001 erinnert die Gedenktafel am Bahnhof Neustadt an die Deportationen der jüdischen Bevölkerung. Foto: J. Frintert

Da Globus am Leipziger Bahnhof nicht zum Zuge kommt, sind entsprechende Überlegungen inzwischen deutlich mehr als nur Wunschdenken. Der geplante SB-Markt soll an einem anderen Standort – auf einem Areal zwischen der Bremer Straße 25 und der Hamburger Straße 12 – errichtet werden. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) hatte angekündigt, nach Klärung aller noch offenen Grundstücksfragen die Öffentlichkeit zu informieren.

Christian Helms ist Architekt und hat bis zur Kommunalwahl 2019 für die Grünen im Stadtbezirksbeirat Pieschen gesessen. Immer wieder hat er in der Vergangenheit daran erinnert, dass der Alte Leipziger Bahnhof eine wichtige Rolle bei der Deportation der jüdischen Bevölkerung in Gettos oder Vernichtungslager gespielt hat. Seit 2001 erinnert am Bahnhof Neustadt eine Tafel an diese Ereignisse.

Globus Alter-Leipziger-Bahnhof-Lokschuppen ohne dach

Vor dem ehemaligen Lokschuppen sind Bahnsteige und Gleisanlagen noch sichtbar. Foto: W. Schenk (2014)

Dort steht: „Im Nationalsozialismus war der Güterbahnhof Dresden-Neustadt Ausgangspunkt oder Zwischenstation für viele Deportationen von jüdischen Frauen, Männern und Kindern. Im Oktober 1938 begann hier die Abschiebung von 724 Dresdner Juden nach Polen. Mit Zügen der Deutschen Reichsbahn erfolgte zwischen 1942 und 1944 ein großer Teil der Transporte in die Gettos Riga und Theresienstadt, in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie in andere Konzentrationslager“.

In einem Aufsatz, den Helms 2017, einen Tag vor dem 13. Februar veröffentlicht, schreibt er: „Der westlich vom Bahnhof Dresden-Neustadt gelegene Güterbahnhof Dresden-Neustadt ist ein eigenständiger Bahnhof. Von ihm fuhren bis zur Fertigstellung des heutigen Bahnhofs Dresden-Neustadt die Züge nach Leipzig ab. Er wird deshalb auch als Alter Leipziger Bahnhof bezeichnet.

Als sich von ihm am 8. April 1839 der Festzug zum Dresdner Bahnhof in der führenden Messe- und Handelsstadt Leipzig in Bewegung setzte, schrieb er Eisenbahngeschichte. Die erste Ferneisenbahnstrecke Zentraleuropas war eröffnet.

Christian Helms hat den Alten Leipziger Bahnhof auch selbst gezeichnet. Das Bild stammt von 2012.

Dass hundert Jahre später vom gleichen Bahnhof jüdische Bürger in die Todeslager deportiert wurden, erfuhr die Öffentlichkeit erst durch die Gedenktafel am Bahnhof Dresden-Neustadt. Weder der nationalsozialistischen Durchhaltepropaganda in den letzten Kriegswochen noch den DDR-Ideologen im Kalten Krieg passten diese Vergangenheit zu dem von ihnen gepflegten Mythos von der ‚unschuldigen Kulturstadt‘ Dresden, die noch kurz vor Kriegsende Opfer ‚barbarischer‘ Luftangriffe der Engländer und Amerikaner wurde.“ Weiter schreibt Helms. „Der Mythos von der unschuldigen Stadt, aber auch das Verschweigen historischer Tatsachen erleichtert es den neuen Nazis, die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 als ‚Bombenholocaust‘ zu bezeichnen.“ Ohne die von den Nazis und ihren „willigen Vollstreckern“ begangenen Verbrechen – in den von ihnen besetzten Ländern Europas, aber auch in Dresden – hätte es diesen tragischen 13. Februar nicht gegeben, betonte Helms.

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