Corona-Schnelltests jetzt auch in Pieschen und Mickten möglich

Nach der City-Apotheke am Dresdner Hauptbahnhof wächst nun auch das Angebot für Corona-Schnelltests in Mickten und Pieschen. Ergebnisse liegen bereits nach 15 Minuten vor, die Kosten unterscheiden sich minimal.

Schutzkittel, FFP2-Maske, Visier, Einmalhandschuhe. Karsten Olzmann hat seine Berufsbekleidung der Situation angepasst. Für gewöhnlich schult er Erwachsene und Kinder in Erster Hilfe. Dafür hat er 2018 in der Leipziger Straße die Erste-Hilfe-Schule eröffnet. Coronabedingt fallen die Kurse aber seit Monaten aus. Deshalb hat er umgedacht: Ab heute bietet Olzmann Corona-Schnelltests an.

Antigen-Schnelltests weisen über einen Nasen- oder Rachenabstrich Eiweiß-Fragmente des Sars-CoV-2-Virus nach. Nach 15 Minuten erfährt die getestete Person das Ergebnis. Durch eine Anpassung des Infektionsschutzgesetzes ist es seit Ende Dezember nicht mehr nur Ärzten erlaubt, diese Schnelltests durchzuführen. Und damit wächst nun das Angebot.

Erste-Hilfe-Kurse sind derzeit nicht möglich – hier gibt es jetzt Schnelltests. Foto: Olzmann

Olzmann hat mit Corona-Tests bereits Erfahrung. Als Malteser-Ehrenamtler ist er seit September in einem mobilen Test- und nun auch Impfteam unterwegs. „Mir ist aufgefallen, dass Privatpersonen kaum die Möglichkeit haben, sich testen zu lassen. Diese Lücke wollten wir schließen.“ Wegen des Lockdowns hofft er so auch, sein Geschäft zu retten.

Wie unterschiedliche Kosten zustande kommen

Im Zehnminutentakt sind montags, mittwochs und freitags Tests in der Leipziger Straße 54 angedacht. Anmeldungen sind online möglich, „man kann aber auch spontan kommen.“ Sinnvoll sei ein Abstrich etwa drei Tage nach einer vermuteten Infektion. Die Probe wird in einem separaten Raum unter strengen Hygienevorschriften entnommen. An Dienstagen und Donnerstagen sei zudem geplant, Tests in Unternehmen durchzuführen. „Wir richten uns an Firmen, die Mitarbeiter im Außendienst haben, aber auch Beschäftigte im medizinischen Sektor wie Physiotherapeuten, Podologen, Logopäden. Auch Kitas und Schulen wollen wir noch anschreiben.“

Olzmann hat mit 39 Euro pro Schnelltest kalkuliert. Im Einkauf sind diese in hoher Stückzahl bereits ab sechs Euro erhältlich, aber „Ausgaben für Schutzkleidung, Masken, Desinfektionsmittel, eine spezielle Verwaltungssoftware und Anschaffungen wie ein Infrarotfiebermessgerät muss man gegenrechnen“. So erklärt er, wie Preise zustande kommen.

Erste Erfahrungswerte in Mickten

Seit einer Woche bietet auch die Apotheke am Ärztehaus in Mickten Schnelltests an. Hier kostet der Abstrich 40 Euro. Dabei steht die Wirtschaftlichkeit laut Inhaberin Maret Hoffmann infrage. „Ich kann keine Kundenzahl nennen, ab der sich die Schnelltests finanziell lohnen würden.“ Einen vierstelligen Betrag habe sie in das Schnelltest-Angebot investiert. „Den möchte ich natürlich ausgleichen.“ Von der Nähe zum Ärztehaus profitiert sie dabei: „Ärzte verweisen direkt auf unser Test-Angebot. Das ist von Vorteil.“

Dennoch sei die Nachfrage bisher überschaubar. „Wir haben zwar schon mehrere Tests pro Tag durchgeführt, aber einen Ansturm gab es bisher nicht.“ Genauer möchte sie die Zahl nicht eingrenzen, verrät aber, dass etwa zehn Prozent der Tests positiv ausgefallen seien. „So einen Corona-Verdachtsfall melden wir dann dem Gesundheitsamt.“ Denn einem positiven Schnelltest sollte ein genauerer PCR-Labortest folgen.

Der Tupfer wird tief in den Rachen und die Nasenlöcher eingeführt. Foto: W. Schenk

Trotz des Aufwands, Mitarbeiter zu schulen und aus dem normalen Betrieb abzuziehen, ist Hoffmann das Angebot wichtig. „Wir wollen dazu beizutragen, das Gesundheitssystem in der angespannten Coronalage zu entlasten.“ Tests können spontan sowie nach telefonischer Voranmeldung vormittags und um die Mittagszeit durchgeführt werden. Wichtig: Wer sich testen lassen möchte, muss symptomfrei sein.

Andere Apotheker sind zurückhaltend

Auch die Pfauen-Apotheke am Elbcenter sowie die Barbara-Apotheke an der Großenhainer Straße führt Maret Hoffmann. „Hier sind jedoch keine Tests möglich. Kunden verweisen wir nach Mickten, wo die Infrastruktur nun einmal geschaffen wurde.“

Andere Apotheker äußern sich zum Thema eher zurückhaltend. Vor allem der personelle und räumliche Aufwand sei hoch. Das erklärt etwa Birgit Kleine-Natrop, Inhaberin der Elisabeth-Apotheke in Alttrachau. „Bei uns werden Schnelltests zwar immer wieder nachgefragt, aber wir können das nicht stemmen. Und einem Risiko wegen Unachtsamkeit wollen wir unsere Kunden nicht aussetzen.“

In den nächsten Tagen will sich hingegen Roland Rudolf von der Vital Apotheke auf der Leipziger Straße für oder gegen Schnelltests entscheiden. Er habe schon einmal durchkalkuliert und könnte sich vorstellen, sie für etwa 35 Euro anzubieten. Allerdings: „Die große Nachfrage gab es um Weihnachten und Neujahr, ob sich das jetzt noch lohnt, da bin ich mir nicht sicher.“

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