Denimkünstler Johann Ruttloff sucht personelle Verstärkung

Johann Ruttloffs Jeansmanufaktur ist ein bisschen schwierig zu finden – ich irre eine Weile durch den Hinterhof der Leipziger Straße 33, bevor ich ans Ziel finde. Einmal dort angekommen tut sich jedoch innerhalb eines Türschwellenüberschreitens ein ganzer lichtdurchfluteter Mikrokosmos auf: Im Vordergrund präsentieren sich aufgereiht auf Tischen eine Anzahl industrieller Nähmaschinen aller Altersstufen, dahinter gruppieren sich weitere Arbeitstische, alte Schubschränke aus schwerem Holz, eine kleine Küchenecke, eine komplett mit Jeansstoffrollen bedeckte Rückwand, eine – natürlich – mit eben diesem Material umrahmte Umkleidekabine. An diesem atmosphärischen Ort, der Atelier und Werkstatt in einem ist, entwirft, näht und repariert Johann Ruttloff Jeanshosen und –hemden.

Johanns Jeans gibt es in allen möglichen Denimschattierungen. Foto: W. Schenk

Johanns Jeans gibt es in allen denkbaren Denimschattierungen. Liest man sich auf Google durch die Kommentare zu Johanns  Anfertigungen, könnte man meinen, es mit einem Label internationaler Größenordnung zu tun zu haben – durchweg Freude, Lob, Begeisterung, Empfehlungen. Und eigentlich ist es das auch: Johann berichtet, dass er seine handgefertigten Stücke nicht nur nach Deutschland, sondern auch an zwei wichtige Abnehmerinnen und Abnehmer in Seattle und Shanghai liefert.

Seit ungefähr zehn Jahren gibt es sein Geschäft bereits. Nachdem die allerersten, selbstgenähten Jeans bei guten Bekannten auf Anklang stießen, wagte Johann als absoluter Autodidakt den Sprung ins kalte Selbstständigenwasser, akquirierte seine ersten Nähmaschinen,
brachte sich bei, sie instand zu setzen, lebte die ersten Jahre „von der Hand in den Mund“, verbesserte die Qualität seiner Produkte, und erarbeitete sich so innerhalb kürzester Zeit ein Geschäft, dessen Fabrikate für sich sprechen.

Johann führt einen seiner neueren Entwürfe vor: Eine Chino. Foto: W. Schenk

Maßanfertigungen und Prêt-à-porter

Dabei stellt Johann nicht nur maßgefertigte Modelle her, sondern produziert auch Jeans in Kollektionen – letzteres bedeutet nichts anderes als bereits tragfertige Jeans einer gewissen Standardgröße. Dass sich dies aber stark von serienmäßiger Textilproduktion abgrenzt, lässt sich an den kleinen Stückzahlen von zehn bis dreißig pro Modell, sowie an der fast ständigen Vergriffenheit erkennen. Auch Jeansstoffe selbst, Jeanshemden sowie Reparaturarbeiten hat Johann inzwischen im Angebot. Das Problem fahrradsattelzerscheuerter Hosen nur zu gut kennend, begutachte ich eine Jeans, der sich Johann angenommen hat – man könnte meinen, sie sei nie kaputt gewesen.

Funktionalität trifft auf sorgfältige Details

Johanns Denimprodukte kombinieren Robustheit mit Liebe fürs Detail: Der verwendete Stoff ist extrem stabil, und im Vergleich zu herkömmlichem Beinkleid sind vielerlei Kanten so verstärkt, dass sie sich nicht schnell abnutzen. Auf Schnickschnack wird bewusst verzichtet, dennoch finden sich besondere Kleinigkeiten: So wird zum Beispiel ein auf die Taschenrückseite eingestickter Schriftzug
mit der Zeit als Durchdruck auf der Außenseite erkennbar. Das veranschaulicht einen Grundsatz Johanns: Seine Jeans sollen nicht nur aus hochwertigem Material fachkundig hergestellt sein und gut passen, sondern sich mit der Zeit entwickeln. Auch Sonderwünsche werden mit spielerischer Leichtigkeit integriert: So erzählt Johann, dass einige Jeansmodelle für den Abnehmer in Shanghai in Anlehnung an die Nationalfarben Chinas extra eine rote Naht erhielten. Seine Stoffe bezieht Johann alle aus Japan.

Die für ungeübte Augen etwas antiquarisch daherkommende Stickmaschine leistet exzellente Arbeit. Foto: W. Schenk

Auf der Suche nach personeller Verstärkung

Um sich zukünftig ein wenig mehr auf gestalterische und organisatorische Aufgaben fokussieren zu können, möchte sich Johann für seine Eine-Person-Maßschneiderei nun personell erweitern. Spezifisch für zwei Segmente wird dringend nach ein bis zwei helfenden Händen gesucht: Für das Unterstützen beim Schneidern von Jeans sowie für Reparaturarbeiten. Dafür wünscht Johann sich für 32 bis 40 Stunden pro Woche Schneiderinnen oder Schneider mit Erfahrung im Jeansbereich, sowie mit Nähpräzision und Erfahrung mit textilindustriellen Verarbeitungsmaschinen – alles, um den Dresdner „Jeans-Spirit“ auch weiterhin in die Welt zu tragen.

Johanns Schaffensbereich sieht aus, als arbeiteten in Wahrheit zehn Personen hier – bald sollen es zumindest drei sein. Foto: W. Schenk

Service:

Ruttloff-Garments
Leipziger Straße 33, 01097 Dresden
Ruttloff-Garments online
Kontakt/Bewerbungen an: johann@ruttloff-garments.de

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