Für Schwertransporte: DVB-Ingenieur erfindet Fahrdrahthebeanlage

Ab sofort benutzen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) an der Kreuzung Lommatzscher Straße / Washingtonstraße eine neuartige Anlage zur Anhebung der Straßenbahnoberleitung. Durch diese „Fahrdrahthebeanlage“ kann auf eine Einstellung des Straßenbahnverkehrs von und nach Kaditz verzichtet werden, wenn nachts große Schwertransporte diese Kreuzung zwischen der Autobahn und dem Hafen Dresden passieren.

„Wenn solch ein Schwertransport angekündigt ist, können wir jetzt, anders als in der Vergangenheit, weiterhin die ganze Nacht mit der Straßenbahn fahren und unseren Kunden das Umsteigen in einen Ersatzbus ersparen“, erläutert DVB-Vorstand Lars Seiffert die Vorteile. Sein Vorstandskollege Andreas Hemmersbach freut sich über die Initiative des Mitarbeiters. „Die Erfindung unseres Kollegen ist in ihrer technischen Umsetzung bisher einmalig. Sie kostet nur rund ein Viertel einer vergleichbaren Anlage. Vielleicht lässt sich die neuartige Technik sogar patentieren.“

Erfinder Roland Kluge ist Ingenieur und Leiter der Inspektion Bahnstromversorgungsanlagen. Foto: DVB AG

Die Passage der Schwerlast-Lkw unter der Fahrleitung hindurch dauert jetzt nur noch eine Viertelstunde und kann gut in den nächtlichen DVB-Takt integriert werden.  Für das Anheben der Oberleitung werden zehn Minuten benötigt, für das anschließende Absenken fünf. Bisher mussten für die Schwertransporte zunächst einige Teile der Straßenbahnfahrleitung demontiert und dann der Fahrdraht mit Seilwinden per Hand angehoben werden. Dafür waren mehrere Turmwagen-Besatzungen im Einsatz und die Strecke musste rund sechs bis acht Stunden für den Straßenbahnbetrieb gesperrt werden.

Turbinen für Siemens müssen oft über die Kreuzung

Zwar gibt es auf dem Markt bereits eine Hebeanlage, allerdings basiert sie auf einem anderen Prinzip mit Trapezgewinde. „Mir schwebte eine komplett neue Anlage auf Basis wartungsarmer und sicherer Zahnstangenmechanik vor“, meint Erfinder Roland Kluge, der bei den DVB als Ingenieur und Leiter der Inspektion Bahnstromversorgungsanlagen arbeitet. „Die Idee entstand, weil zuletzt immer häufiger Schwertransporte genau diese Strecke zum Hafen und dem dortigen Schwerlastkran nahmen. Vor allem für die Turbinen der Firma Siemens Energy in Görlitz mit einem Gewicht von 300 Tonnen und eine Höhe von 6,10 Meter, die für Kraftwerksprojekte in Übersee vorgesehen waren, mussten wir oft nachts die Fahrleitungsanlage anheben“, so Kluge. Und Siemens hat weitere solcher Bauteile angekündigt.

Mit der neuen Technik muss niemand mehr in luftiger Höhe arbeiten. Wenn der Schwertransport passieren soll, kann unten am Mast eine Kurbel angesteckt und die Fahrleitung per Zahnstangenmechanik von 5,50 Meter um etwa 1,40 Meter auf 6,90 Meter nach oben gefahren werden. Ist der Transport durch, wird wieder nach unten gekurbelt. Der Aufbau der Anlage erfolgte vom 21. bis 24. Februar 2022. Die Aufsätze für die fünf Masten von 1,30 Metern Länge wurden im Dresdner Turbinenbau auf der Werftstraße angefertigt, die Zahnstangenwinden kommen aus Remscheid von der Firma Böcker. Vor der erfolgreichen Abnahme am 24. Februar 2022 durch die technische Aufsichtsbehörde erfolgte auch noch eine statische Neuberechnung der Masten und Traglasten.

Die Entwicklung und der Bau der neuen „Fahrdrahthebeanlage“ kosteten insgesamt 112.000 Euro, davon wurden 83.000 durch den Freistaat Sachsen gefördert.

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