Eltern der 56. Grundschule fordern Maßnahmen für mehr Schulwegsicherheit

Die Schulkonferenz der 56. Grundschule hat die Landeshauptstadt Dresden aufgefordert, die Schulwegsicherheit für die Kinder zeitnah zu verbessern. Die Eltern wünschen sich einen Fußgängerüberweg an der Kreuzung Aachener Straße / Kopernikusstraße, Gehwegvorstreckungen, einen Haltebereich für Elterntaxis und Markierungen auf dem Straßenbelag. Eine entsprechende Resolution wurde am Mittwochabend verabschiedet.

Die großen Piktogramme auf der Aachener Straße sind bereits verschwunden. Foto: W. Schenk

Jeden Morgen sind rings um die Schule in Trachau rund 380 Grundschülerinnen und Grundschüler unterwegs. Auf dem Weg zum Schuleingang in der Böttgerstraße müssen sie die viel befahrene Aachener Straße überqueren, sich zwischen parkenden Autos in der Kopernikusstraße, in der Cottbuser Straße und in der Böttgerstraße einen Weg bahnen. Hinzu kommen viele Elterntaxis, die zwischen 7.30 und 8 Uhr den Schulweg unsicherer machen. „Eigentlich wünschen wir uns, dass die Kinder selbständig in die Schule gehen können. Weil die Sicherheit nicht da ist, bringen viele Eltern ihre Kinder selbst hin“, beschreibt Elvira Sellin, deren Sohn in die zweite Klasse geht, das Dilemma. Seit Januar 2022 habe sich die Situation noch einmal deutlich verschlechtert, weil die Verkehrshelferin in der Aachener Straße nicht mehr zur Verfügung steht.

Viele Kinder müssen erst die Kopernikusstraße und dann die Aachener Straße überqueren. Foto: W. Schenk

„Wir finden leider keine Nachfolger“, erklärte Peter Samuel, Geschäftsführer der Verkehrswacht Dresden e.V.. Nur vor 31 der 98 Grund- und Förderschulen in Dresden stehen derzeit Schulweghelferinnen und Schulweghelfer. Im Stadtbezirk Pieschen fehlen neben der 56. Grundschule auch an der 106. Grundschule in der Großenhainer Straße und an der 8. Grundschule in der Konkordienstraße die „guten Geister“. „Es ist ganz schwer, dafür jemanden zu gewinnen“, sagt Samuel. Wer sich meldet, brauche eine Bestätigung vom Amtsarzt. Diese betrifft vor allem das gute Hören und Sehen. Die Einweisung vor Ort übernehme dann die Polizei. Zudem würden entsprechende Hinweisschilder durch die Verkehrsbehörde aufgestellt. Die ehrenamtlichen Schulweghelfer bekommen eine Aufwandsentschädigung – wegen der Ferienzeiten für 11 Monate im Jahr, sagt Samuel.

Nicht nur in der Böttgerstraße ein Problem: Kaum Sicht für die Kleinen zwischen den Autos. Foto: privat

Rico Suppan ist seit 2004 Schulleiter der 56. Grundschule. „Das Thema Schulwegsicherheit begleitet mich bereits die ganzen Jahre“, erinnert er sich bei einem Vorort-Termin mit mehreren Müttern. Er hat sogar eine Übersicht über bereits erfolgte Maßnahmen dabei. Die wichtigste stammt aus dem Jahr 2019. Da wurden an der Kreuzung Aachener Straße / Kopernikusstraße die Gehwege vorgestreckt und die Bordsteine abgesenkt. Auch zusätzliche Geländer wurden angebracht. Das Tempo-30-Schild steht allerdings erst nach dem Übergang mit den abgesenkten Bordsteinen.

Weiße gezackte Linien könnten das Zuparken an den Kreuzungen verhindern – vor allem in den Morgenstunden ein Problem. Foto: W. Schenk

Die damals mit weißer Farbe auf die Straße aufgebrachten großen Piktogramme – sie zeigten ein Kind mit Schulranzen – sind nicht mehr zu sehen. Straßenausbesserungen haben sie verschwinden lassen. Das, so Elvira Sellin, wäre doch ein einfacher und schnell machbarer Hinweis an die Autofahrer. Große Hoffnung, dass die Geschwindigkeit dann tatsächlich von vielen reduziert wird, hat sie jedoch nicht. Da sei die Schulweghelferin deutlich wirksamer gewesen.

Eigentlich, so eine andere Mutter, die bei dem Vor-Ort-Termin dabei war, wäre sogar eine zweite Schulweghelferin gut, die den Kindern bei der Querung der Kopernikusstraße hilft. Das sei 2019 sogar von der Verkehrswacht und und dem Ordnungsamt genehmigt und für einige Zeit auch umgesetzt worden, blickt Schulleiter Suppan zurück.

Zur Zeit gibt es nur noch einen Schulweghelfer in der Industriestraße. Neben den Grundschülern kommen auch viele der rund 570 Oberschüler der 56. Oberschule aus dieser Richtung. Auf der Industriestraße sind täglich 9.400 Fahrzeuge unterwegs – in beide Richtungen. Der Anteil der Lastwagen über 3.5 Tonnen liegt hier bei gut 3 Prozent. Für die Aachener Straße gibt es keine Daten in der stadtweiten Messung der Verkehrsmengen. Eine privat initiierte Zählung im Jahr 2018 hatte jedoch ergeben, dass die Verkehrsdichte für die Einrichtung eines Verkehrsüberweges angeblich nicht ausreiche. „Die Stadt hat immer einen Ermessensspielraum, vor allem wenn es um die besonders gefährdeten Gruppen wie Kinder oder ältere Menschen geht“, ist Elvira Sellin überzeugt.

Bis zum Eingang in der Böttgerstraße müssen viele Straßen überquert werden. Foto: W. Schenk

Am 5. April beschäftigt sich der Stadtbezirksbeirat Pieschen mit der Fußverkehrsstrategie der Stadt Dresden. In der Vorlage ist auch der Bedarf an neuen Fußgängerüberwegen aufgelistet. 249 entsprechende Vorschläge hatte es im Zuge der öffentlichen Beteiligung gegeben. Unter der Nummer 197 findet sich hier auch die Kreuzung Aachener Straße / Kopernikusstraße wieder. Die Eltern der Grundschule hoffen nun darauf, dass es in dem Gremium gelingt, die Priorität für die Einrichtung des Überwegs von 2 auf 1 hochzusetzten. Weil bis zum Beschluss der Strategie noch einige Monate vergehen werden, fordert die Schulkonferenz in ihrer Resolution kurzfristige Maßnahmen: Erneuerung der Piktogramme, Parkverbots-Markierungen an den Kreuzungen oder das Aufstellen von Blumenkübeln. So könne auch „die aktuelle Generation der Schulkinder von den Maßnahmen profitieren“.

Service:
Fragen und Informationen zum Thema Schulweghelfer/in beantwortet die Geschäftsstelle der Verkehrswacht Dresden e.V.
Telefon: 0351 4859815
per Mail: verkehrswacht.dresden@googlemail.com

 

 

 

 

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