Sanierungsgebiet Pieschen: Dem Abriss entronnen – und jetzt bewohnt und beliebt

Heruntergewirtschaftet und unbewohnbar. Rund 1.100 Wohnungen konnten nicht genutzt werden oder befanden sich in Ruinen. So erging es auch dem Haus in der Torgauer Straße 34 zu Wendezeiten. Abreißen und einen Plattenbau hinstellen war eine gängige Alternative zu DDR-Zeiten. Für Pieschen sahen die Planungen zum Beispiel den sechsspurigen Ausbau der Moritzburger Straße vor, die Leipziger Straße sollte zu einem Autobahnzubringer mit einer Breite von bis zu sechzig Metern werden, für die Leisniger Straße in Höhe des Leisniger Platzes war die Neuanlage einer an die heutige Hauptstraße erinnernden Straße zur Elbe hin vorgesehen. Diesem Vorhaben wäre unter anderem die Robert-Matzke-Straße in ihrer jetzigen Gestalt vollständig zum Opfer gefallen, da auch hier enorme Straßenbreiten vorgesehen waren. Plattenbauten mit 20 Stockwerken und ein Hochhaus mit 35 Geschossen zeigen die Pläne des damaligen Rates der Stadt Dresden. Wer mehr wissen möchte, kann in der gerade erschienenen Broschüre „Sanierungsgebiet Dresden-Pieschen. Ein Stadtteil im Wandel“ nachlesen.

56 Hektar groß ist das Sanierungsgebiet Pieschen. Quelle: dresden.de

Mit derartigen Plänen war Dresden kein Einzelfall. Man erinnere sich nur an den historischen Jenaer Eichplatz, der in der Alfons-Zitterbacke-Verfilmung der Defa noch zu sehen ist. Die alten Häuser wurde allesamt abgerissen. Statt dessen wurden dort der Uni-Turm und eine große Betonfläche mit dem (damaligen) Namen Platz der Kosmomauten errichtet. Die schöne Altstadt in Erfurt ist diesem Schicksal gerade noch entronnen.

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Fakten zum Thema:

  • Durchführungszeitraum: 1992 bis voraussichtlich 2024
  • Gebietsgröße: 56,5 Hektar
  • Gesamtkosten: 57,7 Millionen Euro (inkl. EFRE-Maßnahmen)
  • Fördervolumen: 57,7 Millionen Euro (inkl. EFRE-Maßnahmen)
  • davon 51 Prozent für Sicherung und die Modernisierung von Gebäuden
  • davon 30 Prozent für Spielplätze, Grünflächen, Straßen
  • Verdopplung der Einwohnerzahl von 4.000 auf 8.000 [/box]

Wer heute durch die Torgauer Straße geht, wird das Haus mit der Nummer 34 nicht wiedererkennen. In der vergangenen Woche zeigten Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes, Thomas Pieper, Abteilungsleiter Stadterneuerung, Achim Hofmann, Sachbearbeiter Stadterneuerung und Rainer Haase, Geschäftsführer der PSG Planungs- und Sanierungsträgergesellschaft mbH Dresden-Pieschen bei einem Rundgang durch den Stadtteil Pieschen anhand von vier Beispielen die Erfolge einer dreißigjährigen Sanierungsperiode.

Der Galvanohof mit der Kreativen Werkstatt

Wer den Galvanohof besuchen möchte, stößt schon im Torbogen der Bürgerstraße 50 auf eine erste Überraschung. Eine Fliesenstraße mit 1.597 bunten und individuell gestalteten Keramikfliesen zeugt von der wundersamen Wandlung des ehemaligen Werksgeländes im Innenhof. Von 2005 bis 2007 hatten mehr als eintausend Anwohner, Vereine und Unternehmen in einer Mitmachaktion die Fliesen entworfen. Sie wurden dann in der Kreativen Werkstatt gebrannt. Der Verein wurde dabei mit Mitteln aus dem EFRE-Fonds unterstützt. Er ist seit 1995  der neue Dreh- und Angelpunkt auf dem Areal. „Die alte Galvanik-Fabrik musste abgerissen werden. Die Mauern waren mit Chrom, Nickel, Zink und Cyanid stark belastet, in den Räumen roch es nach Benzol und Holzschutzmitteln“, erinnerte sich Thomas Pieper. Der Abriss sei unvermeidbar gewesen und erfolgte unter erheblichen Schutzmaßnahmen. Um die Jahrtausendwende seien dann die Räume für die Kreative Werkstatt – unter anderem eine ehemalige Schlosserei –  rekonstruiert worden. 220.000 Euro an Fördermitteln flossen in die Sanierung.

1.597 Fliesen wurden von rund 1.000 Beteiligten gestaltet. Foto: W. Schenk

Im Innenhof sind ein Spielplatz, Grünflächen und ein Freifläche mit Sonnensegel entstanden. „Der Platz ist beliebt für Bildhauerkurse und Kunstaktionen“, erklärte
Britta Sommermeyer, Leiterin der Kreativen Werkstatt und kündigte für den 11. Juni den nächsten Galvano-Kunsthof an. Der Spielplatz wird auch von Kindern der benachbarten Schule gern besucht.

Von der Brache zur Markus-Passage

Im Februar 2016 röhrten hinter dem Rathaus Pieschen – auf einem wilden Parkplatz zwischen Bürgerstraße und Leipziger Straße – die Motorsägen. Sie machten Platz für den Beginn der Bauarbeiten am Markus-Projekt. Hier entstanden innerhalb von zwei Jahren 114 Zwei- bis Fünfraumwohnungen. Inzwischen sind die begrünten Stufen mit ihren Sitzbänken vor dem Eiscafé an der Leipziger Straße ein beliebter Treffpunkt geworden. Ein Reisebüro, ein Tresor-Fachgeschäft und ein Friseurgeschäft haben sich in dem Areal etabliert.

Erinnerten an 30 Jahre Sanierungsarbeit in Pieschen: Rainer Hase, Achim Hofmann und Thomas Pieper (v.l.n.r.). Foto: W. Schenk

Direkt nebenan hat seit 2015 der Frankreichladen sein neues Quartier bezogen. Inhaber Uwe Sochor sanierte dafür das zweitälteste Haus in Pieschen, ein Bauernhaus aus dem Jahr 1805. Die Entwicklung des Areals zwischen Leipziger und Bürgerstraße war vor allem wegen der Vielzahl der Eigentümer schwierig. Flächen mussten neu geordnet und die Besitzer entschädigt werden. Außerdem gab es viele Einwände gegen den Bebauungsplan. Mehrfach hätten die Investoren gewechselt, erinnerte sich Achim Hofmann, für Pieschen zuständiger Stadtplaner. Die neu entstandene Hans-Fromm-Straße sei aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert worden. Von dieser neuen Verbindung zur Elbe profitiere das gesamte Stadtviertel. Insgesamt 1,2 Millionen Euro flossen in die Entwicklung der ehemaligen Brache.

Erster Spielplatz-Neubau nach der Wende

Etwas versteckt liegt der Spielplatz in der Osterbergstraße. „Der Spielplatz war die erste Maßnahme im Sanierungskonzept für Pieschen“, erinnert sich Thomas Pieper. Insgesamt seien sechs Spielplätze im Sanierungsgebiet entstanden. Viele Hauseigentümer seien auf die Herausforderungen, die mit der Sanierung ihrer Häuser verbunden waren, nicht vorbereitet gewesen, meinte er.

Der erste nach der Wende neu gebaute Spielplatz in der Osterbergstraße. Foto: W. Schenk

So sei die Beratung und Unterstützung ein wichtiger Bestandteil der Verantwortlichen im Stadtplanungsamt und in der Sanierungsgesellschaft gewesen. „Viele Häuser seien einfach Ruinen gewesen“, bestätigt PSG-Geschäftsführer Rainer Hase und verwies als Beispiel auf die – inzwischen sanierten – Häuser neben dem Spielplatz. 51 Prozent der gesamten Fördersumme von 57,7 Millionen Euro flossen in die Sicherung und Modernisierung von Gebäuden, heißt es in der Bilanz zum Sanierungsgebiet Pieschen.

Die Pieschener Melodien

Völlig neu gestaltet ist auch das Areal zwischen Konkordienplatz und Moritzburger Straße. Auch hier mussten in einem langwierigen Flächen-Umlegungsverfahren die Eigentumsverhältnisse neu geordnet werden, betonte Hase. Mehr als zehn Jahre habe dies gedauert. 500.000 Euro wurden allein für den Ankauf der Flächen für die öffentliche Nutzung ausgegeben. Neben einem Spielplatz und der neu gestalteten Kleingartenanlage sind Bauplätze für weitere Wohnungen entstanden. Mehrfamilienhäuser an der Leipziger Straße, wo früher Gebrauchtwagen gehandelt wurden, und im Innenbereich sind bereits fertig oder gerade im Bau. Zuletzt zog die Baugemeinschaft „Rosa Melodie“ in ihr Mehrfamilienhaus mit zehn neuen Wohnungen an der Rosa-Steinhart-Straße ein. An drei weiteren Standorten sind noch Neubauten möglich. Auf dem Grundstück an der Moritzburger Straße will die WID Wohnen in Dresden zwei Neubauten mit 29 Wohnungen errichten. Der wilde Parkplatz hinter dem Haus Konkordienplatz 2 und das Areal hinter dem Neubau an der Leipziger Straße, parralel zum Lidl-Parkplatz sind die anderen beiden Bauplätze. Ob und wann hier gebaut werde, sei derzeit aber nicht bekannt, hieß es.

Die Pieschener Melodien sind ein beliebter Ort zum Spielen, Erholen und Wohnen. Foto: W. Schenk

Für Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes, ist die Entwicklung Pieschens in den vergangenen 30 Jahren eine „außergewöhnliche Geschichte“. Der vergleichsweise schlechte Ruf und der katastrophale Bauzustand der Wohnhäuser seien Geschichte. Die besondere Sozialstruktur konnte, auch dank des Bestandes an kommunalen Wohnungen, erhalten werden. Fördergelder flossen auch in die Schulstandorte. So konnten mit Geldern aus der Städtebauförderung benachbarte Grundstücke für Schulerweiterungen am Standort Makarenko-Schule und der Gemeinschaftsschule Pieschen erworben werden. Das Kinder- und Jugendhaus Emmers wurde mit rund einer Million Euro saniert.

Wermutstropfen Sachsenbad

Obwohl das Sanierungsgebiet Pieschen im Jahr 2000 extra erweitert wurde, um das Areal am Sachsenbad mit einzubeziehen, ist dessen Sanierung gescheitert. Fördermittel von Bund und EU standen zur Verfügung, wurden aber aus verschiedenen Gründen nicht abgerufen. Neben den erheblichen Kosten für die Sanierung seien es vor allem die jährlichen Betriebskosten ein Grund gewesen, schreiben die Autoren der Broschüre. Zu ergänzen wäre, dass es in den vergangenen 30 Jahren auch keine politischen Mehrheiten im Stadtrat für eine entsprechende Entscheidung gegeben hatte.

Sachsenbad: Statt Schwimmbecken planen die Investoren ein modernes Co-Working-Areal. Quelle: dresden.de

Im Mai 2021 wurde dann in einer denkbar knappen Abstimmung der Verkauf des Sachsenbades an einen privaten Investor beschlossen. Seit dem wartet die Öffentlichkeit auf die Einlösung von zwei Versprechen. Den Beginn der Sanierung des Sachsenbades und den Umbau zu einem Kombination aus modernen Arbeitswelt mit Coworking-Arealen dort, wo früher das Schwimmbecken war, Gastronomie und einem Saunabereich. Und auf die Entscheidung der Stadtverwaltung über den Standort für einen Schwimmbad-Neubau im näheren Umfeld des Sachsenbades. Das war Bestandteil der Entscheidung des Stadtrates über den Sachsenbad-Verkauf.

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Service: 

Broschüre Sanierungsgebiet Dresden-Pieschen. Ein Stadtteil im Wandel – lesen und herunterladen  [/box]

Städtische WiD plant zwei Häuser mit 29 Wohnungen in der Rosa-Steinhart-Straße

Der wilde Parkplatz in den Pieschener Melodien zwischen Moritzburger Straße und Neudorfer Weg ist bald Geschichte. Etwa 20 Autos finden hier täglich eine Parkmöglichkeit. Demnächst wird die städtische WiD Wohnen in Dresden hier zwei Mehrfamilienhäuser errichten. Die Stadtverwaltung hat dafür jetzt die Baugenehmigungen erteilt und bereits im Amtsblatt veröffentlicht.

In den beiden Häusern soll Platz für insgesamt 29 Wohneinheiten sein. Fünf Stellplätze und die Gestaltung der Freiflächen sind ebenfalls Bestandteil der Baugenehmigung.

Lageplan der geplanten Neubauten. Quelle: dresden.de

Das Areal, bestehend aus den Flurstücken 3025 und 3026, hatte Anfang 2021 den Eigentümer gewechselt. Es war Bestandteil eines Einlagenpaketes von 7 Grundstücken, die an die WiD übertragen wurden. Aufgabe der städtischen Gesellschaft ist die Schaffung von mietpreisgebundenem Wohnraum, der verteilt über das gesamte Stadtgebiet zur Verfügung gestellt werden soll.

Die WiD ist bereits seit Ende 2020 Eigentümerin von 327 Wohnungen und 30 Gewerbeeinheiten in Pieschen, die zuvor zur PSG Planungs- und Sanierungsträgergesellschaft gehörten. Seitdem hat die WiD in der Markusstraße 8 eine eigene Außenstelle.

Seit Abschluss der Neugestaltung des Areals zwischen Moritzburger Straße und Konkordienplatz im Mai 2017, das seit dem den Namen Pieschener Melodien trägt, sind hier bereits 52 neue Wohnungen gebaut oder die Pläne dafür bekannt geworden.

Für fünf Townhouses und sechs Wohnungen haben hier Bauvorbereitungen begonnen. Foto: W. Schenk

Am Hedwig-Langner-Weg ist ein Wohnhaus mit sechs Wohnungen entstanden. Gleich daneben beginnen jetzt die Bauvorbereitungen für die Errichtung von fünf sogenannten Townhouses und sechs Wohnungen. Heute wurden hier Bäume gefällt. Am Neudorfer Weg wohnen jetzt sechs Familien in einem Haus mit einer markanten Korkfassade und fröhlichen farbigen Briefkästen. Bis Ostern wollen die Bauherren der Baugemeinschaft „Rosa Melodien“ in ihre zehn Wohnungen einziehen. Gerade erst wurden hier die Balkone montiert.

Baugemeinschaft Rosa Melodie feiert Richtfest – Einzug noch dieses Jahr geplant

Der traditionelle Richtspruch des Zimmermanns fehlte. Ein Sektglas wurde nicht zerschlagen. Zimmermannshammer und Nägel wurden nicht benötigt, der Richtkranz nicht am Kran hochgezogen. Bei der Baugemeinschaft „Rosa Melodie“ in der Rosa-Steinhart-Straße ist vieles anders. Einen gezimmerten Dachstuhl gibt es nicht. Das Dach bleibt flach. Unter einer Pergola entsteht dort ein gemeinsamer Aufenthaltsbereich. Für jede der zehn Parteien ist ein schmaler Grünstreifen zum Bewirtschaften vorgesehen. Hochbeete können angelegt oder Sträucher gepflanzt werden. Die Dachbegrünung war eine Vorgabe der Stadtplanung. Auch auf den Laubengängen in den drei Etagen ist viel Platz für weiteres Grün. Sie ermöglichen zudem, dass alle Wohnungen über ein einziges Treppenhaus samt Fahrstuhl erreichbar sind.

Bauherrin Katrin Vagt erläutert die Gestaltung des Daches – mit Grün für alle Parteien. Foto: W. Schenk

Peter Bienwald erinnerte in seiner kurzen Richtfest-Ansprache an die Zeit des Zusammenwachsens der Bauherren. So habe man gerade im Erdgeschoss mit viel Eigenleistung Geld sparen können. Die Fußböden seien selbst verfüllt worden. Unter fachlicher Anleitung haben die Bauherren Fahrradabstellraum, die gemeinsame Werkstatt und andere Flächen selbst gepflastert. Und immer wieder mussten Entscheidungen getroffen werden. So gibt es im Erdgeschoss vier Pkw-Stellplätze – zwei für Teilautos, eins für die Hebamme und ein Behindertenfahrzeug. Wie sollen die Türen aussehen, welche Fliesen werden verwendet? Aktuell müssen die Bauherren über die Sanitärgarnituren entscheiden. Die Muster sind schon da und konnten während des Richtfestes begutachtet werden.

Architekt Steffen Lukannek: „Ihr habt eine sehr gute Kommunikationskultur.“ Foto: W. Schenk

„Sparen und zusammenfinden“ – das lobte auch Steffen Lukannek, Architekt aus dem Architekturbüro Heizhaus. Er bescheinigte den Mitglieder der Baugemeinschaft eine „gute Kommunikationskultur“. Dazu gehöre, Probleme auszusprechen, zu diskutieren und dann auch zu entscheiden. Es sei immer ein Abwägung zwischen dem, was man gern hätte und was man sich leisten könne. Lukannek kann das gut beurteilen. Er wohnt selbst in einer Baugemeinschaft mit 14 Parteien, die von 2007 bis 2009 in der Neustadt zwei Mehrfamilienhäuser errichtet hat. „Der Zusammenhalt, der in einer solchen Gemeinschaft entsteht, ist für mich eine der Nischen, die die Gesellschaft stützen. In der Zeit der Pandemie war gerade dies sehr hilfreich“, sagte er.

Blue Alley: Am Schlagzeug sitzt Bauleiter Armin Groß, Architekt Carsten Reupke gibt ein Mundharmonika-Gastspiel. Foto: W. Schenk

Während das Erdgeschoss aus Beton gegossen wurde, sind die drei bewohnten Etagen mit Ziegeln gemauert. Mit Eder-Ziegeln aus Freital – 36,5 Zentimeter dick. Das sei ein Baustoff, der selbst gut dämmt, betont Ronny Müller vom Ziegelproduzenten. Mit Innen- und Außenputz entstehe so eine Wanddicke von gut 42 Zentimetern. Das erspart die zusätzliche Dämmung an der Außenfassade.

Zum Richtfest gibt es Live-Musik. In der Band „Blue Alley“ sitzt Armin Groß am Schlagzeug. Er kennt die Baustelle bestens, hat als Bauleiter für die Firma Vogel-Bau den Rohbau errichtet. Später wird sich auch noch Carsten Reupke dazugesellen. Er ist als Architekt für die Bauüberwachung durch das Heizhaus-Architekturbüro zuständig. Zum Richtfest gibt er in der Band ein Gastspiel mit Mundharmonika und Saxophon. Ein Zeichen dafür, dass auch die Chemie zwischen Bauleuten und Bauherren stimmt.

Selbst gemacht: Das Buffet für das Richtfest und der gepflasterte Boden in der künftigen Werkstatt. Foto: W. Schenk

17 Erwachsene und 15 Kinder wollen das Weihnachtsfest 2021 in ihren neuen zehn Wohnungen in dem gemeinsam geplanten und gebauten Mehrfamilienhaus feiern. „Vielleicht sind wird sogar schon zu Nikolaus hier“, meint Roald Freudenberg. Seine drei Kinder wollen vorsichtshalber in der alten und der neuen Wohnung geputzte Stiefel vor die Tür stellen. Familie Freudenberg hat bei der Planung ihrer Wohnung auch daran gedacht, was passiert, wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind. „Wir haben den Einbau einer zusätzlichen Wohnungstür schon berücksichtigt. So können wir die Wohnung später teilen, wenn es nötig ist“, erzählt er.

„Zum Einzug“, sagt Roald Freudenberg, „wollen wir eine Zeitkapsel vergraben“. Schließlich habe man einiges an die Nachwelt zu berichten – vor allem, wie man gemeinsam ein Haus baut.

Städtische Wohnungsbaugesellschaft WiD übernimmt Grundstück am Neudorfer Weg

Der wilde Parkplatz am Neudorfer Weg in den Pieschener Melodien hat den Eigentümer gewechselt. Das Areal, bestehend aus den Flurstücken 3025 und 3026, gehört nun der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WiD Wohnen in Dresden. Das Grundstück ist Bestandteil eines Einlagenpaketes, das der  Bauausschuss des Stadtrates gestern in seiner Sitzung bewilligt hat. Damit überträgt die Stadt 7 weitere Grundstücke an die WiD. Aufgabe der städtischen Gesellschaft ist die Schaffung von mietpreisgebundenem Wohnraum, der verteilt über das gesamte Stadtgebiet zur Verfügung gestellt werden soll.

Ende 2020 hatte die WiD 327 Wohnungen und 30 Gewerbeeinheiten in Pieschen von der PSG Planungs- und Sanierungsträgergesellschaft übernommen und in der Markusstraße 8 eine eigene Außenstelle eröffnet.

„Das 3. Grundstückspaket ist ein wichtiger Schritt in Richtung mehr bezahlbarem Wohnraum. Jedoch wird auch das nicht ausreichen, um den Bedarf in Dresden abzudecken“, kommentierte Vincent Drews, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, die Entscheidung. Die WiD brauche weitere Flächen. Für deren Erwerb stünden in den kommenden zwei Jahren 8 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Thema Wohnen sei nach wie vor eines der größten Probleme in der Landeshauptstadt, so Drews. Das würden die Ergebnisse der gerade veröffentlichten kommunalen Bürgerumfrage zeigen. Darin wird einerseits festgehalten, dass die Einkommen der Menschen in Dresden in den vergangenen zwei Jahren um vier Prozent gestiegen sind. Andererseits nahmen die durchschnittlichen Mieten um rund 6,5 Prozent (warm, inklusive Nebenkosten) im Vergleich zu 2018 zu. „In der Regel soll man nicht mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete ausgeben. Der Durchschnitt in Dresden liegt laut Bürgerumfrage schon bei 28 Prozent“, sagte Drews. Ein relevanter Teil der Haushalte liege also bereits über der empfohlenen Quote. Das zeige die prekäre Situation, in der sich der Dresdner Wohnungsmarkt befindet. Es sei Aufgabe des Stadtrat, hier regulierend einzugreifen.

Welche Pläne die WiD für das Grundstück am Neudorfer Weg hat, ist noch nicht bekannt. Aktuell plant und baut die WiD an 13 Standorten in Dresden 645 Wohneinheiten neu und saniert am Standort Gret-Palucca-Straße ihre ersten Bestandsgebäude mit perspektivisch 95 Wohnungen. Neubauten mit zusammen 70 Wohneinheiten wurden im Sommer 2020 an der Ulmenstraße und am Nickerner Weg bezogen.

Seltener Besuch in den Pieschener Melodien: Gänse fordern mehr Sauberkeit

Seltener Besuch in den Pieschener Melodien am  Konkordienplatz. Zwei Graugänse inspizierten heute den wilden Parkplatz neben den Kleingärten. Unter Einhaltung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes – hier gilt das sogenannte animal distancing – überzeugten sie sich davon, dass die jährliche Aktionswoche „Sauber ist schöner“ aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden ist. Aufgeplatzte Müllbeutel, Hundekacke in der Plastetüte aber auch pur, Gartenabfälle, jede Menge Zigarettenkippen und so manch anderen Müll fanden die beiden Ausflügler auf dem kleinen Areal in den Pieschener Melodien. Dennoch ließen sie es sich nicht nehmen und zupften vorsichtig an dem frischen grünen Gras. Unklar blieb, ob sich die beiden Gänse bei ihrer Wanderung noch in ihrem näheren Wohnumfeld befanden.

Gänse Pieschener Melodien Gras
Ein bisschen Gras muss sein, sagten sich die beiden Ausflügler. Foto: W. Schenk

Eigentlich sollten morgen auch die Elbwiesen gereinigt werden. Seit 25 Jahren gibt es diese Aktion in Dresden. Es wäre ein guter Grund gewesen, besonders viele Menschen zu mobilisieren. Doch in diesem Jahr ist eben alles anders. Und so wird die Polizei kontrollieren, dass auf den Elbwiesen eben nicht geputzt wird, aber auch keine Grillparties oder andere Gruppenbildungen stattfinden.

Den Gänsen ist das egal. „Wir dürfen auch in Gruppen auftreten“, schnatterten die beiden im Gespräch mit dem Onlinejournal Pieschen Aktuell und fügten hinzu. „Aber putzen müsst ihr schon, wie sieht denn das hier aus.“

e-Petition von Anwohnern gegen Durchgangsverkehr in Pieschener Melodien

Mit einer Petition wollen Anwohner und Eltern ein Durchfahrtsverbot für die Pieschener Melodien erreichen. Noch bis Ende April können sich Unterstützer auf dem Onlineportal der Stadt Dresden dem Anliegen anschließen. 36 Mal ist die e-Petition bisher unterzeichnet worden.

Die „Möglichkeiten zur Durchfahrt sind nach unserer Meinung ein enormes Sicherheitsrisiko für die dort spielenden Kinder. Besonders in der ‚Kernzone‘ sind Kinder, die vom Hügel mit den Trampolinen in Richtung Rosa-Steinhart-Straße laufen oder rollen, für einen in Richtung Konkordienstraße fahrenden Autofahrer kaum zu sehen. Selbst das Einhalten der vorgegebenen Schrittgeschwindigkeit verbessert die Sichtbarkeit gerade sehr kleiner Kinder nicht“, heißt es in der Begründung der Petition.

Als Maßnahmen zur Verbesserung der jetzigen Lage schlagen die Einreicher der Petition vor, dass Poller am Hedwig-Langner-Weg und der Rosa-Steinhart-Straße angebracht werden. Diese sollten von Rettungsfahrzeugen entfernt werden können. Ergänzend könnten Verkehrszeichen für  „Sackgasse” an den Schildern „Verkehrsberuhigter Bereich“ angebracht werden. Eine Zufahrt zu den Parkplätzen im Areal sollte sichergestellt bleiben.
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Zum Thema:

zur e-Petition „Verkehrsberuhigung Pieschener Melodien“[/box]

Zur Eröffnung der Pieschener Melodien im Mai 2017 hatte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) die Idee gelobt, mit einem gemeinsamen Stadtraum, shared space genannt, zu experimentieren. Das deutsche Verkehrsrecht kennt keinen shared space, sagte er und sei auf den Verlauf des Experimentes gespannt. Knapp zwei Jahre später regt ich nun Widerstand gegen die gleichberechtigte Nutzung der Wege durch alle Verkehrsteilnehmer.

Bereits im Dezember hatten wir von den Sorgen der Eltern über den zunehmenden Verkehr in den Pieschener Melodien berichtet. Damals wurde vermutet, dass ein Grund dafür die Sperrung der Konkordienstraße sei. Dort werden gerade die Rohre für die neue Fernwärmetrasse verlegt.

Baugemeinschaften suchen noch Mitstreiter – Zuschlag für Grundstück in Pieschener Melodien erteilt

Das Grundstück an der Ecke Rosa-Steinhart-Straße / Hedwig-Langner-Weg in den Pieschener Melodien soll an eine Baugemeinschaft verkauft werden. Zuvor hatte Stadtverwaltung noch geprüft, ob das Areal auch für Vorhaben im sozialen Wohnungsbau in Frage komme. Diese Prüfung sei nun abgeschlossen, erklärte Marion Kempe, Geschäftsführerin beim Bauforum Dresden. Der Verein begleitet und berät die künftigen Bauherren. Gestern, so Kempe, habe die Stadtverwaltung nun darüber informiert, dass der Zuschlag an die Baugemeinschaft gehe werde.

Rosa Melodie Visualisierung
Die Idee für das Mehrfamilienhaus wurde von den Heizhaus-Architekten entwickelt. Quelle: heizhaus.architektur.stadtplanung

Auf dem Grundstück, das derzeit noch als wilder Parkplatz genutzt wird, soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. Der Arbeitstitel für das Bauvorhaben lautet in Anlehnung an den Standort „Rosa Melodie“. Neun Parteien haben sich bereits gefunden und stehen fest. Für zwei weitere sei noch Platz. „Wir würden uns freuen, wenn sich noch Interessenten finden“, sagte Katrin Vagt. Sie ist eine der künftigen Bauherrinnen. Die Produkt Managerin in einem Softwareunternehmen will aus der Südvorstadt nach Pieschen ziehen. „Ich freue mich riesig über den Zuschlag für das Grundstück an unsere Baugemeinschaft. Ich bin in den letzten vier Monaten jeden Tag mit dem Fahrrad daran vorbei gefahren und habe mir gewünscht, dass es klappt“, sagte sie. Im Kreis der Baugemeinschaft fühle sie sich bereits jetzt gut aufgehoben.  Auch ohne die endgültige Zusage der Stadt sei sie bereits bei den Architekten gewesen, um die Planung ihrer neuen Wohnung voranzutreiben. „Ich möchte gern, dass meine Wohnung ein einziger offener Raum ist“, beschreibt sie ihre Vision. Die Inspiration für diese Idee hat sie sich in den USA geholt, wo sie anderthalb Jahre gearbeitet und gelebt hat. „Diese Art zu Wohnen hat mir sehr gut gefallen“, sagt sie.
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Zum Thema:

Katrin Vagt hofft, dass sich noch ein oder zwei Mitstreiter für das gemeinschaftliche Bauprojekt finden. Das reduziere die Kosten für alle beteiligten Bauherren. Auf den rund 900 Quadratmetern Wohnfläche sei Platz für neun bis elf Parteien. Bei den bisherigen Treffen habe sich die Baugemeinschaft bereits auf eine Reihe von Eckpunkten für das Zusammenleben geeinigt. So seien ein Gemeinschaftsraum, ausreichende Abstellfläche für Fahrräder und zwei Stellplätze für Carsharing-Autos geplant. Die Anbieter von Teilauto seien sehr daran interessiert, habe sie erfahren, weil es im Stadtbezirk Pieschen noch sehr wenige Carsharing-Angebote gebe. Jetzt wartet erst einmal ein Berg an Formalitäten, die erledigt werden müssen.

Ein weiteres Grundstück in den Pieschener Melodien am Neudorfer Weg werde nicht an eine Baugemeinschaft gehen, sagte Bauforum-Geschäftsführerin Kempe. Hier habe die Stadt anders entschieden. Dort seien Wohnungen für fünf Parteien in einem Mehrfamilienhaus oder in Reihenhäusern geplant.

In der Konkordienstraße 15 dagegen werde eine Baugemeinschaft ein Haus für drei Parteien errichten. Zwei Familien hätten sich hier bereits als Bauherren gefunden. Sie suchen nun noch eine dritte Partei, um mit der Realisierung des Bauvorhabens beginnen zu können. Dabei, so Kempe, handele es sich um 118 Quadratmeter Wohnfläche im 2. Obergeschoss.

Mehr Autoverkehr in den Pieschener Melodien – Anwohner und Nutzer sehen Kinder und Fußgänger gefährdet

100 Euro Bußgeld sieht der aktuelle Katalog für Autofahrer vor, die in einer Spielstraße mit einer Geschwindigkeit zwischen 26 und 30 Stundenkilometern unterwegs sind. Doppelt so hoch ist der Betrag bei einem Tempo zwischen 41 und 50 Stundenkilometern. Silvio Weiß wohnt neben den Pieschener Melodien, ist dort oft unterwegs und davon überzeugt, dass sich viele Autofahrer nicht an die dort vorgeschriebene „Schrittgeschwindigkeit“ halten. „Erst heute wieder ist ein Auto eines Pflegedienstes mit 40 bis 50 Sachen hier durchgerast. Die Stadt unternimmt nichts, noch nie wurde kontrolliert“, sagt er. Täglich könne man unzählige Male beobachten, wie Autos mit hoher Geschwindigkeit durch den verkehrsberuhigten Bereich fahren würden. Besonders gefährlich ist dies an dem kleinen Hügel mit den Trampolinen. Hier kann man immer wieder sehen, wie Kinder auf dem Roller oder mit dem Fahrrad mit Schwung in den Bereich sausen, in dem auch Autos oder genauso schnelle Radfahrer unterwegs sind. „Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wann hier ein Kind angefahren wird“, befürchtet Silvio Weiß.

Pieschener Melodien Einweihung 2405 Dreirad
Seit der Einweihung im Mai 2017 sind die Pieschener Melodien ein beliebter Spielplatz für Kinder. Foto: W. Schenk

Das völlig neu gestaltete Areal zwischen Moritzburger Straße und Konkordienplatz ist Ende Mai 2017 zur Nutzung freigegeben worden. „Die Idee, mit einem gemeinsamen Stadtraum, shared space genannt, zu experimentieren, kam aus dem Stadtplanungsamt. Das deutsche Verkehrsrecht kennt keinen shared space“, sagt damals Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) bei der Einweihung und hatte allen Beteiligten Respekt dafür gezollt, dass sie trotz vieler Widerstände inklusive einer sonst sehr autozentrierten Planung, über die Jahre an dem Projekt festgehalten haben. Ziel ist die gleichberechtigte Nutzung aller Wege – für Fußgänger, Radfahrer und Kraftfahrer. Weil es keinen „shared place“ in der Straßenverkehrsordnung gibt, stehen jetzt die Schilder „Verkehrsberuhigter Bereich“ an allen Zufahrtswegen. Auch wenn deutsche Gerichte die dort vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit unterschiedlich definiert haben, liegt die Rechtssprechung bei maximal 15 Stundenkilometern.

Bereits mehrfach haben sich Anwohner und Nutzer der Pieschener Melodien in der Redaktion von „Pieschen Aktuell“ über rücksichtslose Autofahrer beschwert. Oft wurde dabei die Vermutung geäußert, dass ein Grund für den zunehmenden Autoverkehr die derzeit gesperrte Konkordienstraße sei. Dort verlegt die Drewag gerade neue Leitungen für die Fernwärmeversorgung. Im Pieschener Rathaus ist man überrascht. „Nein, bei uns sind derartige Wortmeldungen noch nicht angekommen“, sagte Christian Wintrich, Leiter des Stadtbezirksamtes. Er wolle die Sorgen der Anwohner aber gern aufgreifen und könne sich gut vorstellen, dass der für Pieschen zuständige Bürgerpolizist zu Schwerpunktzeiten in den Pieschener Melodien Präsenz zeige. „Darüber werde ich mit dem Polizeirevier reden“, sicherte er zu. Dann könne auch entschieden werden, ob hier Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt würden.

 

Baugemeinschaft sucht noch Familie für Wohnhaus in der Konkordienstraße

Für ihr Wohnprojekt in der Konkordienstraße 15 sucht die Baugemeinschaft noch eine dritte Familie. Geplant ist der Bau eines Dreifamilienhauses. Die Baugemeinschaft, die bei ihrem Vorhaben vom Bauforum Dresden beraten und unterstützt wird, hat nach eigenen Angaben bereits den Zuschlag für das Grundstück erhalten.
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Zum Thema:

Die Wohnungen sollen eine Größe zwischen 90 und 112 Quadratmetern und einen 16 Quadratmeter großen Balkon haben. Im Erdgeschoss sind Pkw-Stellplätze, Fahrräder und Gemeinschaftsraum untergebracht. Der darunter liegende Keller sei für Abstellräume geplant. Die Lösung für das Dachgeschoss soll erst beschlossen werden, wenn die dritte Partei mit im Boot sei. Möglich sei hier eine große Dachterrasse oder Arbeits- und Hobbyräume für die drei Parteien.

Das Bauforum Dresden unterstützt auch das Vorhaben in der Rosa-Steinhart-Straße in den Pieschener Melodien. Hier warten die künftigen Bauherren allerdings noch auf den Zuschlag der Stadt für das Grundstück.